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Corona im Kreis Wesel: Neue Verwirrung um Fallzahlen und Inzidenz

Corona im Kreis Wesel : Neue Verwirrung um Corona-Zahlen

Fallzahlen und Inzidenzwerte, die beim Land und beim Kreis erhoben wurden, driften diese Woche auseinander. Das hat zuständige Stellen zunächst heftig verwirrt. Solche Irritationen sind offenbar gar nicht selten.

Im Kreis Wesel gibt es neue Verwirrung um die Corona-Zahlen, und das wird vermutlich auch noch öfter der Fall sein. Denn so klar, wie die Datenlage manchmal wirkt, ist sie keineswegs.

Im Kreis Wesel läuft es so: Jeden Mittag veröffentlicht das Gesundheitsamt die aktuellen Fallzahlen und den Inzidenzwert für das Kreisgebiet. Die Statistik des Landes beim „Landeszentrum Gesundheit“ (LZG) „hinkte“ diesen Werten bislang immer ein wenig hinterher. Das lag, so hieß es wie berichtet, an einer verzögerten Datenübermittlung.

Bis Mittwoch kam das alles in etwa hin: Die Zahlen des Landes und übereinstimmend des Robert-Koch-Institutes lagen immer etwas hinter den aktuellen Werten, die der Kreis Wesel herausgab. Am Dienstag, 20. Oktober, meldete der Kreis insgesamt 1853 Coronafälle seit Beginn der Pandemie und einen Inzidenzwert von 52,4. Das Land meldete den etwas niedrigeren Inzidenzwert von 50,9. So weit, so schlüssig.

Am Mittwoch aber drehte sich das Verhältnis. Da meldete das Land ab Mitternacht die Fallzahl von 1894 Corona-Diagnosen für den Kreis Wesel und den Inzidenzwert von 60. Der Kreis wiederum meldete noch am Mittwochmittag, 12 Uhr, die niedrigere Fallzahl von 1881 und den deutlich niedrigeren Inzidenzwert 54,1.

Wie das zustande kommen konnte, war dem Gesundheitsamt zunächst mal selbst ein Rätsel. Nach einigem Forschen kam die Erklärung, es liege an den „extrem dynamischen Prozessen“ bei der Datenverarbeitung.

Den ganzen Tag über würden beim Gesundheitsamt neue Diagnosen in die Fallzahlen-Datenbanken eingegeben. Aber gleichzeitig würden diese Daten auch wieder überprüft, gelöscht, korrigiert, und zwar zu „unregelmäßigen Zeitpunkten“, so Kreis-Sprecherin Eva Richard. „Dazu gehört beispielsweise das Löschen von Doppelmeldungen sowie Irrläufern, die anderen Gesundheitsämtern zuzuordnen sind, et cetera.“

Auch das Landeszentrum Gesundheit prüfe und bereinige seinerseits die ihm übermittelten Daten. So könne es durch neue Bewertungen, Verschiebungen, Rückmeldungen von anderen Gesundheitsämtern, auch vorkommen, dass das LZG zu einem bestimmten Zeitpunkt bei höheren Werten auskomme als der Kreis. „Es geht aber effektiv kein Fall verloren“, versichert Eva Richard. „Die Daten sind letztendlich deckungsgleich – nur nicht zu jedem Zeitpunkt.“

Diese Prozesse im Einzelnen nachzuvollziehen und zu prüfen, ob am Ende alles hinkommt, scheint schwer bis unmöglich. Am Donnerstag überholte der Kreis Wesel das Land jedenfalls bei den gemeldeten Fallzahlen wieder. Beim Inzidenzwert war man sich aber noch nicht einig: Der Kreis berechnete ihn mit 64,1, das Land mit 64,4. Das Land geht also immer noch davon aus, dass sich binnen der letzten sieben Tage mehr Menschen neu infiziert haben, als der Kreis selbst es ermittelt hat.

Beim Landeszentrum Gesundheit hat man es häufiger mit Irritationen unterschiedlicher Art zu tun, wie Sprecherin Melanie Pothmann erläutert. „Die Situation der Daten ist eigentlich täglich an irgendeinem Ort ein bisschen schwierig“, sagte sie. Die Ursachen dafür seien unterschiedlich. „Es gibt die Situation, dass Daten nicht ganz regulär von Kreisen und Kommunen aufgenommen werden.“ Es kämen auch technische Probleme vor, Bedienfehler bei den Programmen, in denen die Daten erfasst und übermittelt würden, oder auch Störungen der Software selbst. „Wir haben leider auch schon die Situation gehabt, dass Daten ,hängen geblieben’ sind“, beschreibt sie.

Für andere Unterschiede in den Statistiken gibt es hingegen einfache Erklärungen. So weist das Land auch die Zahl der „Genesenen“ und der „aktuell infizierten Personen“ aus. Das allerdings seien gar keine klar zu ermittelnden Fakten, und zwar weder beim Land noch bei den Kreisen und Städten: „Da reden wir von Schätzwerten“, so Melanie Pothmann. „Da kann es immer Abweichungen geben, das ist normal.“ Je nachdem, welche Parameter und Annahmen der jeweiligen Einschätzung zugrunde liegen. Auf diesen Umstand wird im „Kleingedruckten“ auf den Internetseiten des LZG auch hingewiesen.