Mindestens 131 Tote durch Pogrome von 1938 im heutigen NRW

Gedenkbuch für die Opfer : Mindestens 131 Tote durch Pogrome von 1938 im heutigen NRW

Bei den Novemberpogromen unter der Nazi-Herrschaft 1938 gegen die jüdische Bevölkerung sind im heutigen Nordrhein-Westfalen mindestens 131 Menschen umgekommen. Ein Gedenkbuch soll an die Opfer erinnern.

Das ergibt sich aus einem landesweiten Forschungsprojekt der Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt Düsseldorf. Das daraus entstandene Buch, in dem alle Opfer mit ihrer Biografie erwähnt werden, stellten NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) am Dienstag vor.

Die Landeszentrale für politische Bildung hatte das Projekt unterstützt. Es fasst Daten aus verschiedenen Quellen, darunter der 430 Kreis- und Kommunalarchive sowie der Gedenkstätten, zusammen. Demnach ist die Zahl der Opfer im heutigen Nordrhein-Westfalen höher als bisher angenommen wurde. Die bisherige Darstellung der Novemberpogrome sei reichsweit von 100 bis 500 Toten ausgegangen, erklärte die Stadt Düsseldorf. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 hatten Nationalsozialisten in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen in Brand gesteckt und jüdische Bürger misshandelt, verschleppt und ermordet.

Ministerpräsident Laschet sagte, er würde sich wünschen, dass jedes deutsche Bundesland etwas Ähnliches mache. „Das Gedenkbuch ist eine Mahnung, wie weit Hass und Hetze gehen können“, sagte er. Demokratie und Gesellschaft müssten gegen Antisemitismus, gegen Hass und die Parolen der Rechtsextremen verteidigt werden.

Das mit einer Auflage von 2500 erschienene, 263-seitige Buch „Die Toten des Pogroms 1938“ soll auch über die Landeszentrale für politische Bildung vertrieben werden.

(hsr/dpa)
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