Grippaler Infekt und Grippe — Das ist der Unterschied

Wogegen man impfen kann, und was man trotzdem bekommt : Grippe und grippaler Infekt — Das ist der Unterschied

"Ich habe eine Grippe", stöhnt der Kollege krächzend durchs Telefon. Was aber meint er? Zwischen einem grippalen Infekt, einer echten Grippe und einer pandemischen Grippe gibt es Unterschiede.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit — das gehört zu einem grippalen Infekt dazu, ebenso aber auch zu einer echten Grippe. Das mag dazu beitragen, dass der Volksmund beides gerne verwechselt: Grippale Infekte werden oft einfach auch als Grippe bezeichnet, obwohl sie gar keine sind.

Die Zeichen eines grippalen Infekts

Fast kaum einer kann dem grippalen Infekt innerhalb einer Erkältungssaison entkommen. Ausgelöst wird er durch meist harmlose Viren — zum Beispiel Rhino-, Corona- oder Adeno-Viren oder Rhino-Viren. Eine herkömmliche Erkältung beginnt meist langsam mit einem Schnupfen, der sich mit einem klaren wässrigem Sekret äußert, erklärt der Berufsverband deutscher Internisten (BDI).

Erst nach und nach wird das Sekret dickflüssiger und nimmt eine gelbe bis grünliche Färbung an. Die Nasenschleimhaut ist geschwollen, häufig kommt durch die infizierten und entzündeten Nebenhöhlen ein Druckgefühl in den Ohren hinzu. Bei einem echten grippalen Infekt ist zudem leichtes Fieber möglich. Auch Gliederschmerzen, Husten und Kopfschmerzen können hinzukommen.

Was den grippalen Infekt jedoch deutlich von der richtigen Grippe unterscheidet: "Im Normalfall klingt eine Erkältung aber bereits nach einer Woche wieder ab", sagt der BDI. In der Regel kommen Erkrankte mit Schleimlösern, bekannten Hausmitteln wie Salbeitee, Lindenblütentee, Inhalationen mit Kamille oder Salzwasser und vor allem Bettruhe auskuriert werden.

Echte Grippe: Plötzlicher Beginn und hohes Fieber

Eine echte Grippe wird durch hoch ansteckende Influenza-Grippeviren ausgelöst. Typisch ist für sie ein plötzlicher Krankheitsbeginn mit hohem Fieber, das bis auf über 40 Grad steigen kann und Symptomen wie Halsschmerzen, trockenem Husten und heftigen Kopf-, Muskel- und/oder Gliederschmerzen.

Zweifelsfrei diagnostizieren und von normalen Erkältungssymptomen unterscheiden, kann sie der Arzt. Influenza-Viren können schwere Atemwegserkrankungen hervorrufen und mit schweren Komplikationen einhergehen. Aus diesem Grund empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO, sich einmal jährlich gegen die echte Grippe impfen zu lassen. Der ideale Zeitpunkt für die Impfung liegt im Zeitraum zwischen September bis November. Zwar steht erfahrungsgemäß die eigentliche Grippesaison erst im Januar bevor, doch ist man so rechtzeitig immunisiert, denn "nach zehn bis 14 Tagen ist der vollständige Impfschutz erreicht", erklärt die Berliner Hausärztin Dr. Iris Dötsch.

Gegen Grippe kann man impfen

Gemeinsam raten das Robert-Koch-Institut, Paul-Ehrlich-Institut sowie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vor allem bestimmten Menschen zur Impfung. Sowohl Schwangere, als auch chronisch Kranke — so auch Kinder, die unter chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma Bronchiale leiden —und Menschen, die das 60. Lebensjahr überschritten haben oder eine Immunschwächekrankheit haben, sollten sich impfen lassen. Denn im Schnitt infizieren sich pro Jahr zehn bis zwanzig Prozent der Menschen mit den gefährlichen Viren. Besonders heftig, mitunter sogar tödlich, kann die echte Grippe bei diesen Personengruppen verlaufen.

Chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes mellitus oder andere Stoffwechselkrankheiten, chronische neurologische Grundkrankheiten wie beispielsweise Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben, angeborene oder erworbene Immundefizienz oder HIV-Infektion erhöhen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts die Wahrscheinlichkeit für besonders schwere und gefährliche Verläufe. Bei diesen Personenkreisen kommt es eher zu multiplen Infektionen, die zu einer Lungenentzündung oder anderen lebensbedrohlichen Komplikationen führen können.

Auffrischung oder neue Impfung?

Wegen der Mutationsfreudigkeit der Viren wird der Impfstoff alljährlich neu zusammengestellt. In diesem Jahr basiert der Impfstoff auf einer identischen Stammzusammensetzung wie im Vorjahr, doch raten die Impfexperten des Bundesinstituts für Impfstoffe dennoch zu einer Immunisierung. "Insbesondere bei den Risikogruppen ist Schutzdauer von mehr als zwölf Monaten fraglich — daher besser impfen", teilt das Paul-Ehrlich-Institut mit. Die Experten gehen nach einem einzigen Pieks von einem Impfschutz aus, der sich zwischen sechs und zwölf Monaten bewegt. Eine Auffrischungsimpfung bekommen lediglich Kinder nach vier Wochen.

Kritiker der Grippeimpfung bemängeln oftmals, dass die Geimpften keinen 100-prozentigen Schutz haben. Das liegt daran, dass die Immunisierung besonders bei Menschen mit ohnehin geschwächtem Immunsystem manchmal nicht richtig funktioniert.

Zudem gibt es einen Schwachpunkt: Eine Grippeimpfung kann nur so gut sein, wie die Vorhersage der Experten zu den gängigsten Grippetypen ist. Die Zusammensetzung des jeweiligen saisonalen Impfstoffs basiert- weil das Medikament ja bereits vor der Impfsaison hergestellt werden muss — auf einer Vermutung. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele Menschen einen heftigen grippalen Infekt für die echte Grippe halten und aus diesem Grund für sich selber befinden, die Grippeimpfung habe ihnen nicht genutzt. Wer sich nach einer Impfung mit den Influenza-Viren ansteckt, hat noch nicht die volle Immunisierung aufgebaut und kann deshalb auch erkranken, obwohl er geimpft ist. Allerdings verläuft die echte Grippe bei Geimpften Personen in der Regel leichter.

Bei Verdacht auf Grippe zum Arzt

Zweifelsfrei feststellen kann der Arzt, was von beidem den Patienten quält. Für eine sichere Diagnose sind nach Informationen des Berufsverbandes der Pneumologen Laboruntersuchungen notwendig. Mit einem Abstrich aus der Nase oder dem Rachen des Patienten können die Ärzte die Erreger nachweisen. Zudem gibt es eine Blutuntersuchung, bei der nach Antikörpern gegen das Influenza-Virus gefahndet wird. Hier liegt jedoch das nächste Problem begraben: Verlässlich nachweisbar sind die Influenza-Viren häufig erst bis zu 14 Tage nach der Ansteckung, erklärt der Berufsverband. Darum behandeln die Mediziner bei einem ernsten Verdacht den Patienten sofort.

Auch Menschen, die direkten Umgang mit Grippekranken haben, sollten sofort reagieren und einige Hygienemaßnahmen beachten, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Die Experten empfehlen, einen ausreichenden Abstand zu Kranken zu halten. Außerdem sollte man regelmäßig und gründlich seine Hände waschen. Denn die Viren übertragen sich leicht von Mensch zu Mensch.

Entweder gelangen sie durch Husten oder Niesen in die Luft und werden von anderen eingeatmet oder sie gelangen über verunreinigte Gegenstände und die Hände auf die eignen Schleimhäute. Es kann die vorher angehustete Fernbedienung sein, über die die Viren weitergetragen werden, ein Lichtschalter oder die Türklinke. Zwar überlebt das Virus auf solchen Oberflächen nicht lange, doch mag es Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt und eine feuchte Umgebung. Unter diesen Bedingungen kann es bis zu mehreren Wochen überleben und so problemlos weitergetragen werden. Das erklärt, warum sich die Viren besonders im Winter gut verbreiten.

Pandemische Grippe - auch außerhalb des Winters

Anders ist das bei der pandemischen Grippe. Sie kann unabhängig von der Wintersaison grassieren. Zuletzt wütete 2009 mit der Spanischen Grippe ein solches hoch ansteckendes, pandemisches Virus, das die WHO erst im August 2010 für beendet erklärte. Bis dahin haben sich weltweit Menschen damit infiziert. Was die pandemische Grippe von der Influenza unterscheidet, ist die Tatsache, dass bei einer pandemischen Grippe ein leicht veränderter, hartnäckiger Virus in Umlauf ist, gegenüber dem noch niemand immun ist und zu dem auch noch kein Impfstoff existiert. Ein solcher Virus kann sich ungehemmt ausbreiten.

(wat)
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