Gefahren für Autofahrer im Frühling - Darauf sollten Sie achten.

Wetter und Wildwechsel : Frühlingsgefahren für Autofahrer

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen, und schon ist das eine oder andere offene Cabrio zu sehen. Doch der Frühling ist kein zweiter Sommer. Gerade diese Jahreszeit hält für Auto- und Motorradfahrer einige Überraschungen bereit.

Wenn der Frühling beginnt, kann es nachts immer noch ziemlich kalt sein. Tagsüber herrscht oft schon T-Shirt-Wetter. Entsprechend vielfältig sind auch die Wetterrisiken für den Straßenverkehr. Vor allem die Sonne ist nicht zu unterschätzen. „Die besondere Gefahr im Frühjahr besteht darin, dass die Sonne jeweils zu den Spitzenzeiten des Berufsverkehrs auf- und untergeht“, sagt Meteorologe Meeno Schrader. „Das heißt, sie steht sehr tief und kann vor allem dann blenden, wenn besonders viele Autos unterwegs sind.“ Ist dann zusätzlich noch die Windschutzscheibe schmutzig, drohe eine Art Blindflug, weil die Sicht durch die Streuung noch stärker eingeschränkt sei.

Grundsätzlich biete der Frühling wettermäßig fast alles, so Schrader. Nicht zuletzt durch den Klimawandel habe die Launenhaftigkeit des Wetters zugenommen. Graupel- oder Hagelschauer beispielsweise könnten binnen kürzester Zeit zu extremer Glätte führen. „Man kann diese Schauer bei Tageslicht sehen: Sie kommen als grau-weiße Wand auf einen zu. Dann sofort Fuß vom Gas und vorsichtig ausrollen lassen“, empfiehlt Schrader. Daneben sei bis weit in den März hinein auch noch mit Nachtfrösten zu rechnen. Zudem bestehe speziell in Waldstücken Frostgefahr, was zu Glatteis führen könne.

Frühlingszeit ist Wechselzeit – doch wann genau sollten Autofahrer auf Sommerreifen wechseln? Foto: dpa-tmn/Alexander Heinl

Gefährlich werden diese Situationen speziell für alle, die zu früh die Reifen gewechselt haben. „An der alten Regel von O bis O – also Oktober bis Ostern – ist durchaus etwas dran. Auf Sommerreifen sollte man erst wechseln, wenn durchgängig mindestens sieben Grad gemessen werden“, sagt Kfz-Experte Michael Schneider.

Um Korrosion vorzubeugen, beseitigen Autofahrer nach dem Winter idealerweise alle Salzreste durch eine gründliche Wäsche inklusive Unterbodenreinigung. Hierbei aber nicht mit dem Hochdruckreiniger den Motorraum waschen. Der Druck der Sprühlanze könnte schnell elektronische Teile beschädigen. Sofern doch Salzablagerungen durch weiße Flecke bestehen, hilft eine professionelle Motorwäsche. Mit Blick auf die ersten Pollenflüge empfiehlt Schneider zudem, den Innenraumfilter im Frühjahr zu wechseln. Nicht zwingend notwendig hingegen ist der Austausch der Reinigungsflüssigkeit in der Scheibenwaschanlage. Das Winterkonzentrat kann auch in den Sommer hinein aufgebraucht werden.

Die Spuren des Winters tilgen Autofahrer mit einem möglichst umfangreichen Programm in der Waschanlage. Foto: dpa-tmn/Inga Kjer

Von anderen Winterutensilien wie Schneeketten sollten Autofahrer aber ihr Fahrzeug befreien. „Wer in seinem Wagen dicke Fußteppiche ausgelegt hat, sollte die spätestens im März durch dünnere Sommermatten tauschen, denn die Restfeuchtigkeit in den Teppichen sorgt schnell für ständig beschlagene Scheiben“, berichtet Schneider. Speziell der Windschutzscheibe gilt nach dem Winter ein kritischer Blick. Streusplitt winterlicher Straßen kann für kleine Steinschläge sorgen. Auch muss im Frühjahr vermehrt mit beschädigten und rutschigen Straßen gerechnet werden. „Fahrbahnschäden, Schlaglöcher und Splitt erhöhen das Unfallrisiko. Vor allem in Kurven besteht für Zweiradfahrer Rutsch- und Sturzgefahr“, warnt Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland (AvD). Aus Sicherheitsgründen würden daher einzelne Strecken für Motorradfahrer mitunter auch gesperrt.

Der Frühjahrsmüdigkeit, die sich meist durch eine gewisse Mattigkeit äußert, können Autofahrer durch regelmäßige Bewegungspausen an der frischen Luft am besten begegnen. Der Dekra-Verkehrspsychologe Thomas Wagner beobachtet bei Motorradfahrern im Frühling aber oft sogar das Gegenteil von Müdigkeit. Die Vorfreude nach der langen Winterpause sei sehr groß, hier kämen dann mehrere Dinge zusammen: „Eine positive Grundstimmung infolge mehr Sonne im Frühling und auch eine vermehrte Ausschüttung von Serotonin - auch als Glückshormon bekannt. Viele Biker werden unvorsichtig.“ Bei den ersten Ausfahrten in der tückischen Jahreszeit werde dann gerne vergessen, dass die Straßen durchaus noch glatt und rutschig sein könnten.

Eine weitere Gefahr sind Wildtiere, die vermehrt unterwegs sind, wenn die Temperaturen steigen. „Rehe, Hirsche, Wildschweine und auch Kleinsäuger wie Marder und Feldhasen verlassen jetzt ihre Winterquartiere, um auf Futter- und Partnersuche zu gehen“, sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Autofahrer sind daher in der Dämmerung und nachts in Bereichen mit Wildwechsel besser besonders achtsam. Straßenschilder würden in stark frequentierten Bereichen zusätzlich warnen.

(dpa)
Mehr von RP ONLINE