Panne auf der Autobahn: So verhalten Sie sich richtig

Aussteigen oder Sitzenbleiben: Was tun bei einer Panne auf der Autobahn?

Eine Panne auf der Autobahn kann lebensgefährlich sein: Erst in der Nacht zum Dienstag wurde auf der A4 ein Mann getötet, als er aus seinem liegengebliebenen Wagen stieg. Aber wie verhält man sich in solchen Fällen richtig? Hier sind die wichtigsten Sicherheitstipps.

Der Wagen des Mannes war wegen einer Panne auf dem Seitenstreifen der A4 bei Köln liegengeblieben. Der 57-Jährige kam ums Leben, als er beim Aussteigen von einem Lkw erfasst wurde.

"Für solche Unfälle können die unterschiedlichsten Dinge verantwortlich sein", sagt ADAC-Sprecherin Julia Spicker unserer Redaktion. Die Gefahren etwas mindern könnten Autofahrer nur, wenn sie einen kühlen Kopf bewahren und wissen, was im Pannenfall zu tun ist.

Hier die wichtigsten Tipps:

Betroffene sollten auf keinen Fall im Auto sitzen bleiben, auch wenn das Wetter oft für zusätzliches Unbehagen sorgt. "Es kommt immer wieder vor, dass schwere Unfälle passieren, weil andere Fahrzeuge auf das Pannenauto auffahren", sagt Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), unserer Redaktion.

Nach dem Aufstellen des Warndreiecks sollten sich alle Insassen des Wagens hinter der Schutzplanke in Sicherheit bringen. Sei keine Schutzplanke vorhanden, sollte man sich trotzdem einige Meter vom Auto entfernen und zum Beispiel ein Stück die Böschung hochlaufen, rät Kellner. Dort könne man in Sicherheit die Ankunft des Pannen- oder Abschleppdienstes abwarten.

Bei einer Panne auf der Autobahn steigen Fahrer auf dem Standstreifen besser immer rechts aus, sagt ADAC-Sprecherin Spicker. Das Auto sollte auf keinen Fall über die Fahrertür verlassen werden. Daher sei es wichtig, den Wagen nicht zu dicht an der Leitplanke zu parken, damit sich die Türen öffnen lasen.

Auch alle anderen Insassen sollten die Türen der fahrbahnabgewandten Seite benutzen und möglichst bereits im Auto die Sicherheitswesten anlegen.

"Passiert die Panne auf der linken Fahrspur, muss die allererste Option sein, zu versuchen, das Auto irgendwie nach rechts auf den Standstreifen zu steuern", sagt DVR-Chef Kellner. Deshalb gelte es, sofort die Warnblinkanlage einzuschalten, wenn sich eine Panne andeute. "Dann steuert man das Auto mit so viel Umsicht wie möglich an den rechten Autobahnrand."

Lässt es sich nicht vermeiden und man bleibt auf der linken Spur liegen, sollte man niemals versuchen, über die Fahrbahnen zu laufen. In diesem Fall sollten die Insassen auf dem Mittelstreifen bleiben. Dort gebe es oft doppelseitige Schutzplanken, zwischen denen man am sichersten sei, sagt Kellner.

Meist haben Baustellen keinen Standstreifen, auch auf Brücken ist er oft nicht zu finden. Wer es dort bei einer Panne nicht mehr zu einer Nothaltebucht schafft, schaltet zunächst die Warnblinkanlage ein, reduziert das Tempo und stellt das Auto rechts am Fahrbahnrand ab. Das rät der Tüv Süd. Auch hier gilt wieder: Genügend Abstand rechts vom Auto lassen, um dort aussteigen zu können.

Dann heißt es: Warnweste anziehen, über die Beifahrertür aussteigen und hinter die Fahrbahnabsperrung klettern. Von dort sollte man wegen der Unfallgefahr auch die Polizei alarmieren. Anschließend wird das Warndreieck aufgestellt, und zwar ein gutes Stück weit weg vom Pannenfahrzeug, immer dem Verkehr entgegen. Auf dem Weg dorthin sollte man andere Fahrer mit Handzeichen warnen.

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Zunächst entfaltet man das Warndreieck abseits der Gefahrenzone, am besten hinter einer Leitplanke. Idealerweise sollte man sich mit dem Aufbau des Dreiecks vorab schon einmal vertraut gemacht haben, rät der Tüv Süd. Bevor man zum Aufstellort läuft, legt man die Verpackung auf dem Fahrersitz, damit man bei Abfahrt das Dreieck nicht vergisst.

Zum Aufstellen muss man dem Straßenverkehr entgegengehen - wenn vorhanden hinter der Leitplanke, sonst am äußersten Rand der Straße. Dabei sollte man das Warndreieck gut sichtbar vor sich tragen. Unbedingt auch die Warnweste anlegen.

Wichtig ist ein ausreichend großer Abstand zwischen Notfallstelle und Warndreieck, auf Autobahnen gut 200 bis 400 Meter. An unübersichtlichen Stellen sollte das Warndreieck vor Kurven und Kuppen aufgestellt werden.

Übrigens: Wer eine Gefahrenstelle nicht richtig absichert, riskiert 30 Euro Bußgeld. Entsteht daraus ein Schaden, kann die Versicherung den Fahrer in Mithaftung nehmen, erklärt der Tüv Süd.

Die Dekra warnt davor, etwa Reifenpannen auf dem Seitenstreifen selbst zu reparieren. Zu groß sei die Gefahr, von anderen Fahrzeugen erfasst zu werden. Lieber sofort per Notrufsäule oder Mobiltelefon einen Pannendienst rufen.

Der erste Griff, um bei einer Panne Hilfe zu holen, ist der zum Handy. Doch ist beim Mobiltelefon der Akku leer oder man hat kein Netz, sollte man sich auf den Weg zur nächsten Notrufsäule machen. Die stehen auf den Autobahnen im Abstand von zwei Kilometern.

"Auf den Leitpfosten weisen kleine schwarze Pfeile in die Richtung der nächstgelegenen Notrufsäule", sagt Birgit Luge-Ehrhardt von der GDV Dienstleistungs-GmbH (GDV DL), die die Notrufe betreut. "So laufen Sie maximal einen Kilometer bis zur nächsten Säule, aber bitte immer hinter der Leitplanke."

Vorteil der Säulen gegenüber dem Handy: Diese sind vermessen, so dass der Standort in der Notrufzentrale sofort bekannt ist.

Es gibt zwei Modelle. Eines hat zwei Tasten - "Panne" und "Notruf", die gedrückt werden können und die bei einigen Exemplaren gegen die Witterung durch eine Abdeckung geschützt sein können. Weitaus seltener ist das ältere Modell mit Sprechklappe. "Wenn Sie die Klappe heben, wird automatisch eine Verbindung zur Notrufzentrale aufgebaut."

In beiden Fällen kommt Kontakt mit der Zentrale zustande. "Dann melden sich Notrufagenten, die zunächst nach einem vorgefertigten Ablauf Fragen stellen, etwa ob es Verletzte gibt oder das Auto auf der Fahrbahn steht", sagt Luge-Ehrhardt. So werde stets sichergestellt, ob ein Notruf oder eine Panne vorliegt.

Bei einem Notruf wird eine Konferenzschaltung mit der Rettungsleitstelle eingerichtet, um so mit ihr weitere Fragen zu klären und Hilfsmaßnahmen etwa mit Polizei und Rettungsdiensten einzuleiten.

(csr)