lit.Cologne 2017: Kölner Literaturfestival im Revier

Köln / Gladbeck: Umstritten: Kölner Literaturfestival im Revier

Der neue Ableger der lit.Cologne wird mit 500.000 Euro auch von Ruhr-Stiftungen gefördert.

"Das erste Mal" - klingt der vielversprechende und frohlockende Auftritt im Internet. Und nichts daran kann falsch sein, wenn die Literatur mit einem neuen Festival eine weitere Bühne bekommt. Die heißt "lit.Ruhr" und soll vom 4. bis 8. Oktober im Pott stattfinden. Das Programm wird zwar erst Ende August auf Zeche Zollverein annonciert, doch über die Qualität sollte man sich keine größeren Sorgen machen: Denn die lit.Ruhr wird eine Art Zweigstelle der riesigen lit.Cologne sein, die in zwei Monaten in ihrer nunmehr 17. Ausgabe fast 200, zum Teil sehr hochkarätigen literarischen Darbietungen aufwarten wird.

Doch die Freude im Revier ist zumindest unter Literaturveranstaltern durchaus geteilt. Zum einen wurden sie von dem Vorhaben - das seit eineinhalb Jahren reift - völlig überrascht; zum anderen fürchten sie, dass wichtige Fördermittel jetzt ins neue Festival fließen. 500.000 Euro für die erste lit.Ruhr werden unter anderem von großen Stiftungen beigesteuert - etwa von der Stiftung Mercator, der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung sowie der RAG-Stiftung. Das sei im Grunde eine verdeckte Förderung durch die öffentliche Hand, sagt Gerd Herholz, wissenschaftlicher Leiter des Literaturbüros Ruhr, der für seine Einrichtung in Gladbeck mit 186.000 Euro jährlich wirtschaftet; davon kommen 112.000 Euro vom Land. "Ich fürchte mich nicht vor der lit.Ruhr mit ihren fünf Tagen, wir sind schließlich das ganze Jahr da", so Herholz im RP-Gespräch.

Was ihn dennoch stört, ist der Auftritt der Kölner. Wenn beispielsweise Lit.Cologne Geschäftsführer Rainer Osnowski erklärt, dass mit der lit.Ruhr erstmals Autoren im Revier auftauchten, die "daran bislang vorbeigegangen sind". Und dass Verlage angelockt würden, "für die das Ruhrgebiet bislang noch Diaspora ist", wie die "Kölnische Rundschau" Osnowski zitiert.

Diese Haltung ist für Herholz unverständlich. Denn "die halbe Weltliteratur hat schon im Ruhrgebiet gelesen"; und als Leseprogramm für den Nachwuchs existiert die "Internationale Kinder- und Jugendbuchausstellung" in Duisburg. Stattdessen gibt es jetzt eine beachtliche Förderung der Ruhr-Stiftungen für ein erfolgreiches Literatur-Business, mit dem letztlich Arbeitsplätze in Köln finanziert würden. Einen solchen Zuschuss "hätten wir als Ermutigung auch gebrauchen können", so Herholz. Vielleicht sei es nach seinen Worten auch so, dass Geldgeber an der Ruhr Ideen sowie Programm-Machern misstrauten, die aus der Region kommen.

Die große lit.Cologne im Frühjahr wurde 2000 gegründet und parallel zur Leipziger Buchmesse veranstaltet. Dadurch konnten Autoren aus Übersee vergleichsweise preiswert für Köln gebucht werden. Vor ein paar Jahren folgten eine kleinere lit.Cologne zur Frankfurter Buchmesse im Herbst sowie die Phil.Cologne im Sommer mit Veranstaltungen vorwiegend zur Philosophie.

(los)
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