Asphalt-Festival eröffnet

Eröffnung des Asphalt-Festivals: Puppen eröffnen Asphalt-Festival

Mit Henry Purcells „The Fairy Queen“ hat das zehntägige Programm begonnen.

Oh, wie dieser Kobold mit dem nackten Bauch lachen kann! Er rollt über den Boden, klopft sich auf die Schenkel, verzieht sein aus Schaumstoff geschnitztes Gesicht. Die Liebe ist doch nichts weiter als Trug und Zauber – Schall und Schaum in diesem Fall – und so hat der fantastische Strippenzieher in diesem Spiel seine teuflische Freude, wenn Elfenkönigin Titania sich in einen Esel verguckt und ihr eifersüchtiger Gatte Oberon das gemeinsame Kind lieber himmelwärts schickt, als dass es weiter stören könnte.

Keiner hat die Wirren der Liebe amüsanter und boshafter beschrieben als Shakespeare. Hundert Jahre nach ihm verwandelte sein Landsmann Henry Purcell den „Sommernachtstraum“ in eine turbulente Oper. Mit „The Fairy Queen“ hat nun das Asphalt-Festival sein zehntägiges Programm eröffnet – und ein Liebesverwirrspiel in die Stadt geholt, in dem Schaumstoff-Puppen zum Leben und zum Lieben erweckt werden. Das passt wunderbar zum Stoff, führt Shakespeare im „Sommernachtstraum“ doch in ein seltsames Zwischenreich mit Figuren unklarer Spezies. Auch die Puppen der Duda Paiva Company trügen die Sinne. Auf den ersten Blick sind sie nur roh geformter Kunststoff. Doch kaum schlüpfen die Sängerdarsteller mit ihren Händen in die weichen Puppenköpfe, bewegen die Münder, gestikulieren mit den Armen, geben sie den labilen Figuren Charakter und Gestalt. Und schon ist Leben im Schaumstoff.

Das überträgt die Verwirrung aus dem Stück auf den Zuschauer: Was ist Wahrheit, was ist Leben, wenn ein bisschen Schaumstoff Gefühle wecken kann? Und der Mensch sich wiedererkennt im Elfenkönig, der seine Liebe nicht teilen will. Oder in der Elfenkönigin, die gar nicht genug bekommen kann von der Zuneigung ihres hilflosen Babys.

Duda Paiva war schon einmal mit einem Solo beim Asphalt-Festival zu Gast. Diesmal hat er sich mit dem Nederlands Blazers Ensemble zusammengetan, das Purcells Musik in einer geschickten Fassung für Bläser und Schlagwerk filigran und doch pompös auf die Bühne bringt. Dazu hat er Sängerdarsteller gefunden, die scheinbar mühelos das komplexe Puppenspiel mit Gesang vereinen. Oft werden die teils riesigen Figuren von mehreren Menschen geführt, bewegt einer ein Bein, der andere einen Arm, doch tritt dieses Hantieren bald hinter der Ausdruckskraft der Puppen zurück, die ein erstaunliches Eigenleben entwickeln.

Ein gelungener Auftakt für das Sommerfest der Künste, das wie in den vergangenen Jahren seinen Hauptsitz im Weltkunstzimmer und den Alten Farbwerken an der Ronsdorfer Straße in Flingern hat. Dort gibt es in den nächsten Tagen weiter Musik, Theater, Kunst und Gelegenheit, im gärtnerlich geschmückten Hof beisammen zu sitzen. Oberbürgermeister Thomas Geisel rühmt beim Auftakt die Originalität des Festivals. Es ist ein Gewinn für die Stadt.