1. Kultur

Anita Ekberg: Wie eine Eva im Paradies

Düsseldorf : Wie eine Eva im Paradies

Anita Ekberg ist mit 83 Jahren in Rom gestorben. Ihr Bad im Trevi-Brunnen in "La Dolce Vita" machte sie weltberühmt.

Eigentlich will sie nur einem Straßenkätzchen ein wenig Milch besorgen. Und so irrt Anita Ekberg im weit ausgeschnittenen Abendkleid durch das nächtliche Rom. Doch dann sieht die schöne Schwedin mit dem welligen Haar diesen wilden Brunnen. Magisch wird sie von ihm angezogen. Wie hypnotisert steigt sie in die Fluten des Fontana di Trevi.

Ach, und dann ist sie im Wasser! Wie erquickt dreht und wendet sie sich dort unter den niederstürzenden Fluten - eine Göttin aus Fleisch und Blut, eine Eva im Paradies, ein unbeschwertes Kind mitten im süßen Leben! Und als der völlig verzückte Marcello Mastroianni ihr endlich in das Brunnenwasser folgt, kann er sie nicht berühren. Seine Hände verharren Millimeter vor ihren makellosen Zügen, wie gebannt. Als sei wahre Schönheit unantastbar, als sei die Ekberg nicht von dieser Welt.

1960 macht die Brunnenszene aus Federico Fellinis Meisterwerk "La Dolce Vita" Anita Ekberg weltberühmt. Der Film erzählt vom süßen Nichtstun der Oberschicht im Rom der fünfziger Jahre. Ein Boulevard-Journalist ist der Zeuge dieses sündigen Müßiggangs, ein Außenseiter also, der staunend und verlockt in die Welt der scheinbaren Leichtigkeit abtaucht und doch ahnt, dass er auf dem Weg in die Hölle ist. Auch das süße Leben hat seinen Preis. Es ist die Oberflächlichkeit, der Verlust jeden Gefühls für das, was zählt im Leben.

  • Blick in den Übergang vom alten
    Museum Küppersmühle : Mehr Fläche für größeren Kunstgenuss
  • Die Dichterin Eva Maria Leuenberger wird
    Poesie-Debüt-Preis im Heine Haus : Zeitlosigkeit in Verse gegossen
  • Rosa Enskat als US-Präsident (l.) mit
    Düsseldorfer Schauspielhaus : Im Fadenkreuz des Bösen

Anita Ekberg ist eine Verlockung auf diesem Weg. Sie verkörperte 1960 den Inbegriff der verführerischen Frau, mit ihrem üppig inszenierten Körper, dem blonden Engelshaar und der naiven Art, mit der sie ausgerechnet in der Ewigen Stadt das Bad im Brunnen nahm. Und dann ist es manchmal so, dass am Ende eines Künstlerlebens eine Szene bleibt. Und die ist dann wie in Stein gehauen, vollkommen, wie der Trevi-Brunnen.

Natürlich ist das ungerecht, im Fall von Anita Ekberg aber auch ein bisschen gnädig, denn in den Jahren nach "La Dolce Vita" hat sie manch schlechten Film gedreht. Und sie hat die Kehrseiten des süßen Lebens als Filmstar kennengelernt: Gewalt in der Ehe, Alkoholismus, Einsamkeit. Zwei Mal hat sie sich für ihr Leben an einen Mann binden wollen. Erst heiratete sie Anthony Steel, dann Rik Van Nutter, gut ging es nicht. Und dann ist Schönheit eben doch vergänglich. "Das Alter verändert einen", hat sie in einem späten Interview gesagt, da sitzt sie in ihrem Haus in Italien auf einem schneeweißen Sofa, trinkt Weißwein aus einem Glas mit Eis und zeigt dem Mann vom niederländischen Fernsehen am Ende noch ein Gemälde von ihr als junger Frau im goldenen Rahmen. Es ist ein kitschiges Werk, aber noch immer will die Ekberg von den Kameraleuten wissen, wie ähnlich sie ihrem Abbild von einst noch ist.

Geboren wurde Anita Ekberg 1931 im schwedischen Malmö. Sie war das achte Kind einer Arbeiterfamilie und sie wollte zum Film. In ihrer Heimat gewann sie 1950 einen Schönheitswettbewerb als "Miss Schweden". Ein Jahr später ging sie in die USA. In Hollywood wollte sie es schaffen, übernahm zunächst kleinere Rollen, ließ sich dann darauf ein, als "schwedischer Eisberg" vermarktet und zum Sexsymbol aufgebaut zu werden. Dabei zeigte sie darstellerisches Talent. 1956 gewann Ekberg einen Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin. Trotzdem verließ sie die USA Ende der 1950er Jahre wieder. Sie wollte in das Land, in dem hochgewachsene, blonde Frauen noch begehrter waren und Autorenfilmer mit dem Neorealismus Filmgeschichte geschrieben hatten - nach Italien.

Mit der Badeszene in "La Dolce Vita" schrieb sie dann an einem Kapitel mit und blieb nach dem Erfolg in Italien. Doch am Versuch, gegen das Image des Sexsymbols anzuspielen, sind schon Bessere gescheitert. Auch Ekberg gelang es trotz vieler Rollen in den folgenden Jahre nicht. Fellini hielt ihr die Treue. 1970 spielte sie in seinem Film "The Clowns" und Mitte der 80er Jahre in "Intervista". Da holt Fellini die guten alten Tage von "La Dolce Vita" zurück, lässt sie auf ein Bettuch zaubern und Anita Ekberg betrachtet mit rührender Wehmut ihr Film-Ich von einst, das so viele Menschen träumen ließ, und wischt sich am Ende eine Träne aus den schwer getuschten Wimpern.

Im Alter von 83 Jahren ist die Wahl-Italienerin gestern nach langer Krankheit in einem Spital am Stadtrand von Rom gestorben.

(RP)