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Vodafone-Chef Jens Schulte-Bockum wirft im Streit hin

Düsseldorf : Vodafone-Chef wirft im Streit hin

Vor einem Jahr hatte Jens Schulte-Bockum noch einen neuen Drei-Jahres-Vertrag bekommen - jetzt geht er spätestens Ende Juni. Rund zwei Millionen Euro an Abfindung winken dem Chef. Neuer Personalabbau ist nicht zu erwarten.

Vodafone-Chef Vittorio Colao ist ein Mann mit einem speziellen Humor. Als wir ihn vor 15 Monaten fragten, wie viel Zeit sein Deutschland-Statthalter Jens Schulte-Bockum für das Aufholrennen gegen die Deutsche Telekom habe, witzelte Colao: "Zehn Minuten? Bis morgen?" Erst dann ergänzte der in London lebende Mailänder sachlich: "Der blonde Mann ist unser Mann, also Schulte-Bockum."

Seit gestern wissen wir, warum Colao dem Chef seiner wichtigsten Landesgesellschaft nur halbherzig Rückendeckung gab. Spätestens Ende Juni wird Schulte-Bockum Deutschlands zweitgrößten Telefonkonzern verlassen. Das gab das Unternehmen just an dem Tag bekannt, als Vodafone weltweit und in Deutschland seine Bilanz für 2014/2015 präsentierte.

Im kleinen Kreis sprach der 48-jährige Westfale Schulte-Bockum von "ernsthaften Differenzen" als Grund für seinen Amtsverzicht. Offiziell erklärt er, er wolle neue Herausforderungen suchen. Dabei kann sich der verheiratete Vater von vier Kindern auf ein nur halbwegs üppiges Abschiedsgeschenk freuen: Im Juli 2014 hatte der Aufsichtsrat zwar seinen Vertrag um weitere drei Jahre bis März 2018 verlängert. Als Abfindung wird aber wahrscheinlich nur das Gehalt für ein Jahr ausgezahlt. Das wären bei großzügiger Rechnung noch rund zwei Millionen Euro.

Warum hat sich Schulte-Bockum mit London überworfen? Der Hauptgrund scheint der geringe Erfolg von Vodafone auf dem deutschen Mobilfunkmarkt zu sein - immerhin das Stammgeschäft. Der Marktanteil nach Umsatz sank im vergangenen Geschäftsjahr von 34,3 auf 33,1 Prozent. Rund 1,4 Millionen Kunden gingen innerhalb eines Jahres verloren. 2012 war Vodafone Deutschland unter dem zum Touristikkonzern Tui gewechselten Fritz Joussen noch Marktführer. Dagegen erhöhte die Telekom von März 2014 bis März 2015 ihren Anteil von 36,1 auf 37 Prozent.

Fast schon wütend, aber auch etwas hilflos kritisierte Schulte-Bockum gestern, dass die Telekom Kunden einen Zuschuss von durchschnittlich rund 250 Euro für ein neues Smartphone spendiere, wenn diese einen neuen Vertrag unterschrieben: "Wenn ich Kunden mit iPhones beglücke, ist Wachstum kein Wunder."

Als zweiten Grund für den Abschied nennen Insider ein anhaltend schlechtes Verhältnis zu Aufsichtsratschef Philipp Humm, der im Oktober 2013 neuer Europachef von Vodafone wurde und von der Telekom kam. "Wäre es nach Humm gegangen, hätte Schulte-Bockum die Vertragsverlängerung schon im März 2014 nicht erhalten", meint ein Insider. "Jetzt hat er ihn rausgeekelt."

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Spätestens Anfang Juni soll nun der Aufsichtsrat über die Wahl eines neuen Chefs beraten. Ein Kandidat wäre Manuel Cubero, Chef des Vodafone-Ablegers Kabel Deutschland in München. Dem 51-jährigen Spanier, der in Darmstadt in Physik promoviert hatte, werden beste Beziehungen zu Colao nachgesagt. Außerdem hat der elf Milliarden Euro teure Zukauf Kabel Deutschland in den vergangenen Jahren deutliches Wachstum erreicht. Als weiterer Kandidat wird Robert Hackl gehandelt. Der 44-jährige arbeitete mit Humm schon bei der Telekom zusammen und gilt als exzellenter Marketingfachmann. Genau an dieser Stelle hatte Vodafone in den vergangenen Jahren deutliche Schwächen.

Für die Düsseldorfer Belegschaft hatte Schulte-Bockum gestern einige beruhigende Worte, nachdem in den vergangenen Jahren mehr als 1000 Stellen weggefallen waren. Es gebe im Konzern keinerlei Überlegungen, den Gewinn in Deutschland auch durch Kosteneinsparungen beim Personal zu erhöhen.

(RP)