Interview zum Weltfrauentag: Anna Dimitrova und Ingrid Haas: Vodafone: Frauen im Vorstand als Vorbilder

Interview zum Weltfrauentag: Anna Dimitrova und Ingrid Haas : Vodafone: Frauen im Vorstand als Vorbilder

Zwei Führungskräfte des Unternehmens erklären, wie wichtig Frauen in Spitzenpositionen für Unternehmen sind, wie sie persönlich Familie und Karriere miteinander verbinden - und warum der richtige Mix beim Alter der Mitarbeiter wichtig für Vodafone ist.

Im Vorstand von Vodafone Deutschland sind bei 13 Mitgliedern zwei Frauen. Reicht das?

Haas Es würde auch nicht schaden, wenn wir mehr wären. Natürlich ist es das große Ziel, den Anteil an weiblichen Führungskräften deutlich zu steigern. Aber als ich vor einem Jahr angefangen habe, war gar keine Frau im Vorstand, das ist also schon eine deutliche Verbesserung.

Dimitrova Ich bin seit 14 Jahren bei Vodafone, und es war noch nicht oft so, dass weibliche Führungskräfte auch im obersten Gremium sind. Hier sind wir schon mal zu zweit - und das ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Ich war vorher allerdings zwei Jahre in Tschechien, und da waren im Vorstand drei von sechs Frauen. In Irland sind es bis auf einen Mann nur Frauen - da läuft das Thema Diversität andersrum.

Sind diese anderen Länder in Ihrer Entwicklung so viel weiter?

Dimitrova Zumindest für die osteuropäischen Länder kann ich das als gebürtige Bulgarin bestätigen. Das Selbstverständnis von Frauen und ihr Wunsch nach Karriere sind dort größer - genau wie die Unterstützung von Partner und Familie, wenn Frauen beschließen, diesen Weg zu gehen. In der Gesellschaft, bei Arbeitgebern und Politik ist das in Osteuropa weit stärker verbreitet und akzeptiert.

Haas Ich bin halbe Belgierin und habe in Frankreich gearbeitet - und da ist es ebenfalls anders. Kinder sind dort selbstverständlicher als bei uns und werden nicht als eine Art berufliche Ausnahmesituation gesehen. Das hat auch damit zu tun, dass die Kinderbetreuung anders aufgestellt ist. Es hängt aber auch vom gesellschaftlichen Willen ab, denn in Deutschland toben zwei Glaubensrichtungen: Die einen sagen, du bist eine Rabenmutter, wenn du nicht bei deinem Kind bleibst - und zwar mindestens ein Jahr nach der Geburt. Die anderen - die sind genauso unbarmherzig! - sagen, du bist ein Heimchen am Herd, wie kannst du sich so aufgeben? Beide Extreme sind falsch. Lebenswege sind sehr persönliche Entscheidungen. Aber man muss sie frei treffen können. Und dafür müssen Grundlagen gegeben sein.

Dafür muss auch der Arbeitgeber sorgen. Macht Ihrer genug?

Dimitrova Vodafone hat viel getan in den vergangenen Jahren. Ein gutes Thema sind die Kita-Plätze, die Vodafone an allen Standorten anbietet, aber davon haben wir noch längst nicht genug. Was auch unheimlich hilft, ist die Möglichkeit, von zuhause zu arbeiten.

Haas Das mobile Arbeiten empfinde ich als Wohltat. Jeder Termin wird als Telefon- oder Videokonferenz angesetzt, und es ist egal, ob man vor Ort dabei ist oder sich einwählt. Das erlaubt mir, meine Tochter zweimal in der Woche von der Schule abzuholen. Ich bin dann eine Stunde weg, und wenn wir um fünf zuhause sind, kann ich mich in alles einwählen. Work-Life-Balance ist aber mehr als Kinderbetreuung. Wenn sich ein Kollege auf einen Marathon vorbereiten und nicht erst in der Dunkelheit rennen will, hat er auch ein Recht darauf.

Was muss sich an den sonstigen Rahmenbedingungen ändern?

Haas Ich habe beim Umzug aus Hamburg erlebt, dass es in Düsseldorf nicht genug Ganztagsplätze für Grundschulkinder gibt. Da war ich offenbar verwöhnt. Als ich gehört habe, dass hier auch gerne mal um zwölf Uhr Schulschluss ist, dachte ich: Das kann dann wirklich nicht funktionieren.

Bedeutet das, wenn der Arbeitgeber die Voraussetzungen schafft, kann eine Frau alles haben?

Haas Man kann eine tolle Karriere und ein tolles Familienleben haben - die Frage ist, was man darunter versteht. Wenn das für einen bedeutet, dass man beim ersten Schritt, beim ersten Wort, beim ersten Liebeskummer immer dabei ist, wird es schwierig. Und man muss im Beruf mal sagen: Auch wenn ich das Gefühl habe, das könnte meiner Karriere schaden, das andere ist jetzt mal wichtiger.

Was war der härteste Verzicht im Privaten?

Dimitrova Meine Familie lebt in Brüssel, und ich bin unter der Woche hier. Montagmorgens tut das manchmal weh, wenn Emma mich fragt: Mama, wann ist endlich wieder Freitag? Dann umarmen wir uns ganz fest und freuen uns auf den nächsten Freitag.

Haas Ich bin sofort nach dem Mutterschutz wieder Vollzeit ins Büro gegangen. Ich wollte bei meinem ehemaligen Arbeitgeber wahnsinnig gern Elternzeit nehmen, als meine Tochter Sophie drei war. Aber da war gerade Wirtschaftskrise, und es ging einfach nicht. Jetzt, kurz vor Weihnachten, als ich viel weg war, hat sich meine Tochter gewünscht, dass ich sie eine Woche lang jeden Tag morgens zur Schule bringe und abhole. Da habe ich gewusst: Ich muss selbst handeln - und meinen Kalender umstellen.

Haben Sie das Gefühl, im Vorstand eine Sonderrolle einzunehmen?

Dimitrova Wir werden mit einem Küsschen auf die Wange begrüßt, aber sonst nicht.

Haas Da gibt es sonst keine Unterschiede. Die neue Brille des Kollegen wird ebenso kommentiert wie bei uns.

Und Sie verdienen das Gleiche wie Ihre männlichen Kollegen?

Beide Wir werden - so wie unsere Kollegen - angemessen bezahlt. Vodafone vergütet unabhängig von Geschlecht oder Herkunft, sondern nach der Aufgabe.

Was geben Sie umgekehrt - von der fachlichen Qualifikation abgesehen - besonderes in das Unternehmen?

Haas Wir sind Rollenvorbilder. Die Tatsache, dass zwei Frauen in der Geschäftsleitung sind, die auch noch Kinder haben, zeigt: Es geht. Das Problem ist ja nicht, dass wir keine qualifizierten Frauen haben, sondern dass wir sie auf dem Weg in die Spitzenpositionen an irgendeiner Stelle verlieren. Deshalb finde ich, dass wir Frauen ermutigen müssen.

Dimitrova Ich merke auch, dass viele zu uns kommen und darüber sprechen wollen. Denen können wir im persönlichen Gespräch Ratschläge geben und Mut machen.

War das Fehlen von genug Rollenvorbildern ein wichtiges Argument für die Frauenquote in Aufsichtsräten, oder hätte es die gar nicht gebraucht?

Haas Ich war lange gegen die Quote, bin aber vor zwei Jahren umgeschwenkt, weil ich gesehen habe, dass sich nichts bewegt. Aber das ist meine ganz private Meinung.

Dimitrova Ich bin eigentlich nicht für die Quote. Aber auf der anderen Seite wissen wir, dass man eingreifen muss, wenn etwas nicht vorankommt. Nun hat der Gesetzgeber etwas geändert, die Quote ist da, und man muss damit umgehen. Es wird damit aber nicht getan sein. Man sieht ja in Norwegen, dass man immer die gleichen Frauen in den Aufsichtsräten trifft.

Bei Diversität geht es auch um die Vielfalt bei Herkunft oder beim Alter. Wie ist Vodafone da aufgestellt?

Haas Hier auf dem Campus arbeiten 74 Nationen. Die Betriebssprache ist deutsch. Aber wenn in Meetings ein Kollege nicht gut im Deutschen unterwegs ist, wechseln wir gerne ins Englische.

Dimitrova Als internationales Unternehmen haben wir einen großen Austausch zwischen den Ländern, was uns auch als Arbeitgeber attraktiv macht: Weil viele gerne eine internationale Karriere machen wollen. Vodafone kann zeigen, was da möglich ist. Ich selbst war in Tschechien und bin seit kurzem wieder in Deutschland. Es gibt Kollegen, die gehen in die Türkei, nach London, in die Niederlande.

Alter ist aber bei einem Konzern, der so am Puls der Zeit unterwegs ist, sicher ein schwierigeres Thema?

Haas Das Durchschnittsalter liegt bei Anfang 40. Sie haben natürlich in einem Unternehmen, das sich schnell wandelt, besondere Herausforderungen. Aber das ist in vielen Industrieunternehmen nicht anders. Sie müssen die Kolleginnen und Kollegen kontinuierlich fortbilden, müssen in Lernplattformen investieren. Wir haben dafür eine E-Learning-Plattform eingeführt, auf der zu einer Vielzahl von Themen online Trainings angeboten werden.

Dimitrova Auf der anderen Seite versuchen wir natürlich auch, viele Hochschulabsolventen für uns zu begeistern, dafür haben wir unser Discover-Programm. Unsere Industrie lebt davon, wie junge Menschen mit der digitalen Entwicklung umgehen.

Wahrgenommen wird das Unternehmen dadurch aber sicher eher als jung. Ist das eine Hürde für ältere Arbeitnehmer?

Haas: Ich habe nicht diesen Eindruck. Wichtig ist der richtige Mix. Das Durchschnittsalter von 42 ist ok. Wir sind weder zu alt noch zu jung - und wir können einstellen, dadurch dass es eine Altersfluktuation gibt.

Dimitrova Ebenso gehört dazu, dass man jung im Kopf bleibt. Das hat viel mit Offenheit sowie einer inneren Einstellung zu tun - und rein gar nichts mit dem biologischen Alter. Diese Flexibilität, diese Offenheit fordert unsere Branche.

Vodafone bietet anlässlich des Weltfrauentags heute eine große Netzwerkveranstaltung an, die "WoMen-Network" heißt. Hand aufs Herz: Kommen dort überhaupt Männer hin?

Haas Es ist eine Veranstaltung für Frauen und Männer. Dass das Interesse groß ist, zeigt allein schon die Teilnehmerzahl. 400 Kolleginnen und Kollegen haben sich angemeldet. Dass 30 Prozent allein Männer sind, halte ich schon für ganz ordentlich. Hier gilt umgekehrt, was ich vorhin über Frauen im Vorstand gesagt habe: Es könnten ruhig noch ein paar mehr Männer werden. Aber eine Teilnehmerquote werden wir im nächsten Jahr dann wohl noch nicht einführen.

NICOLE LANGE FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)
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