Guttenberg will schnelle Entscheidung: GM will Opel offenbar selbst sanieren

Guttenberg will schnelle Entscheidung : GM will Opel offenbar selbst sanieren

Düsseldorf/Bochum (RPO). Eine Entscheidung zur Zukunft des Autoherstellers Opel wird sich offenbar weiter verzögern. Zwar wollte sich der Verwaltungsrat der Konzernmutter General Motors (GM) mit dem Thema auf seiner am Dienstag begonnenen Sitzung befassen, doch werde eine Entscheidung frühestens Anfang Oktober getroffen. Zugleich verdichteten sich die Anzeichen, dass Opel nicht verkauft, sondern im Mutterkonzern GM saniert wird.

Dies berichtete das in Düsseldorf erscheinende "Handelsblatt" unter Berufung auf Insider. "Es müssen noch zahlreiche Diskussionen und Debatten geführt werden", habe es in Unternehmenskreisen geheißen.

Derweil hofft die Bundesregierung weiter auf eine Entscheidung. "Es gibt keinen Grund, keine Entscheidung zu treffen", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann am Dienstag in München. "Wir haben alle Weichen gestellt, dass eine Entscheidung fallen kann."

Homann wies daraufhin, dass eine Entscheidung noch in dieser Woche aber nicht zwingend sei. Er hoffe aber, dass das Spielen auf Zeit bald ein Ende habe. Zugleich bekräftigte er die Präferenz der Regierung für die Übernahmeofferte des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna. "Magna hat das bessere industriepolitische Konzept vorgelegt", sagte er am Rande einer Konferenz.

Guttenberg zu neuen Verhandlungen bereit

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", es wäre wünschenswert, wenn GM vor der Internationalen Automobilausstellung (IAA) ab Mitte September eine klare Orientierung geben würde. Zugleich signalisierte der Ressortchef Bereitschaft, in neue Verhandlungen mit GM einzutreten, ohne bereits von den bisherigen Vorstellungen der Bundesregierung abzurücken. Er sehe "keine bessere Alternative zum Konzept der Magna-Gruppe".

Jüngste Spekulationen, GM könne Opel doch behalten wollen, beurteilte Homann kritisch. Mit Blick auf die Finanzhilfen für Opel sagte er: "Wenn GM Opel behalten will, dann wird von uns ganz klar ein tragfähiges Konzept gefordert".

Verkauf an Magna "kolossal" gescheitert

Wie das "Handelsblatt" weiter berichtete, wolle GM Opel in Eigenregie mit Finanzhilfen der USA und der europäischen Länder mit Opel-Standorten sanieren. Der Verkauf an Magna sei im Verwaltungsrat "kolossal gescheitert", heiße es in unternehmensnahen Kreisen. Grund sei unter anderem der befürchtete Transfer von GM-Technologie nach Russland, der "enorme Störgefühle" in den USA auslöse. Zudem enthalte der Vertrag Klauseln, die das Gremium nicht akzeptieren könne.

Unter Berufung auf Regierungskreise in Berlin hieß in dem Bericht weiter, GM habe verdeutlicht, dass es einem Verbleib von Opel im eigenen Konzern klar den Vorzug gebe. Ein Magna-Einstieg sei für den Konzern demnach nur die dritte und letzte aller möglichen Lösungsvarianten. Bevorzugt würde eine Beteiligung des belgischen Finanzinvestors RHJ International.

In einer gemeinsamen Erklärung warfen das Europäische Arbeitnehmerforum von GM, der Europäische Metallgewerkschaftsbund und die europäischen Gewerkschaften dem Autohersteller vor, "mit einer undurchsichtigen Strategie Zeit und Geld" zu vergeuden. Eine weitere Verzögerung eines Verkaufs könnte Opel/Vauxhall wieder an den Rand der Insolvenz bringen und die benötigte Zustimmung der EU-Kommission zu den zukünftigen Geschäfts- und Restrukturierungsplänen verhindern. Zugleich erneuerten sie ihre Forderung, auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Opel beschäftigt im hessischen Rüsselsheim sowie in Bochum, im thüringischen Eisenach und im rheinland-pfälzischen Kaiserslautern 25 000 Mitarbeiter, 5000 davon in Bochum.

Hier geht es zur Infostrecke: Regierung in der Opel-Falle

(DDP/csr)
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