Kunden zahlen die Zeche: Telekom scheitert im Ausland

Kunden zahlen die Zeche : Telekom scheitert im Ausland

Düsseldorf/Bonn (RP). Deutschlands größter Telefonkonzern zieht sich indirekt aus England zurück. Die Rückschau zeigt: Das Unternehmen hat im Ausland zig Milliarden Euro verbrannt ­- Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter zahlen die Zeche.

Es gibt Dokumente, die entfalten ihre Brisanz erst viel später als zu ihrer Zustellung. So ist es auch mit einem Brandbrief, den der frühere Telekom-Finanzvorstand Joachim Kröske vor genau zehn Jahren an seine Vorstandskollegen schickte und der unserer Redaktion vorliegt: Es sei unsinnig, Englands nur ganz kleinen Mobilfunker One-2-One für zehn Milliarden Euro zu kaufen. Der vereinbarte Preis sei um mindestens fünf Millliarden Euro zu hoch ­ Sonderabschreibungen in Milliardenhöhe würden fällig.

Auch als Resultat der Kritik musste Kröske den Konzern verlassen ­ und in diesen Tagen zeigt sich das Desaster im Auslandsgeschäft der Telekom. "Wir kommen in England nicht voran, jetzt brauchen wir eine neue Strategie", sagt ein Telekom-Manager am Montag unserer Redaktion. Im Klartext: Deutschlands größter Telefonkonzern wird seine britische Mobilfunktochter voraussichtlich mit der dortigen Tochter von France Telecom zusammenführen.

Immer wieder das falsche Pferd

Vorteil der Aktion: Beide Unternehmen werden gemeinsam Marktführer mit 30 Millionen Kunden. Aber die Aktion hat Kehrseiten: Die Telekom kann nicht mehr eigenständig agieren und muss sich mit einem Hauptwettbewerber zusammentun. Und die Bewertung der britischen Handysparte liegt trotz riesiger Netzinvestitionen niedriger, als die Telekom vor zehn Jahren für die Firma zahlte.

Extrem viel bezahlt, immer wieder aufs falsche Pferd gesetzt, unklug taktiert, so sieht 13 Jahre nach dem ersten Börsengang der Telekom das Ergebnis ihrer Auslandsstrategie aus.

Die Auslandspleiten

Mehr als 40 Milliarden Euro in Aktien und Bargeld bezahlte der Telefonriese für seinen nordamerikanischen Mobilfunkableger T-Mobile USA. Hätte man denselben Betrag in festverzinslichen Wertpapieren angelegt, wäre das Ergebnis höher als der gesamte heutige Unternehmenswert der Telekom.

Sowohl in Frankreich wie in Spanien versuchten die Deutschen eigene DSL-Firmen aufzubauen -­ völlig gescheitert. Und nachdem der Konzern anfangs eine vielversprechende Beteiligung am russischen Mobilfunker MTS aufgebaut hatte, verkaufte er sie vor fünf Jahren wieder. "Das war eine große verpasste Chance", kritisiert denn auch Frank Rothauge, Branchenexperte bei der Privatbank Sal. Oppenheim.

Harter Sparkurs ist die Folge

Sowohl Kunden, Mitarbeiter wie Aktionäre müssen die Folgen tragen: Der harte Sparkurs der Telekom im Inland hängt natürlich auch mit den schwachen Erträgen im Ausland zusammen. Der Ausbau des superschnellen VDSL-Netzes kommt nur langsam voran ­ kein Wunder, das notwendige Geld wurde im Ausland verbraten. Und am dramatischsten spüren die Aktionäre die Folgen: Europas früher wertvollster Telefonkonzern ist unter den großen vier Telefonunternehmen der alten Welt nur noch Schlusslicht: Selbst der jahrelange Nachzügler France Telecom ist sechs Milliarden Euro mehr wert.

Mehr als doppelt so viel Geld wie der deutsche Platzhirsch sind mittlerweile Vodafone aus England und Telefonica aus Spanien wert. Sie investierten supererfolgreich in Firmen in Wachstumsregionen wie Lateinamerika und Indien.

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(RP)
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