Aktie gewinnt am Morgen trotz Milliardenverlust: Deutsche Bank — Hoffnung auf bessere Zeiten

Aktie gewinnt am Morgen trotz Milliardenverlust : Deutsche Bank — Hoffnung auf bessere Zeiten

Es waren vor allem Negativschlagzeilen, mit denen die Deutsche Bank in den vergangenen Monaten von sich reden machte. Und nun auch noch das: Bei ihrer ersten Bilanz muss das Führungsduo Fitschen/Jain einen Milliardenverlust im vierten Quartal 2012 verkünden. Doch die Anleger reagieren entspannt. Die Hoffnung auf bessere Zeiten scheint groß.

Im vorbörslichen Handel sah es für die Aktie der Deutschen Bank noch alles andere als gut aus — sie rutschte ins Minus. Doch nach Beginn des Handels am Frankfurter Parkett dürften die Börsianer wieder aufatmen. Denn die Aktie gehörte am Morgen zu den größten Gewinnern des Handels. Mit einem Plus von zwei Prozent startete sie in den Tag.

Und das, obwohl Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die die Führung des Geldhauses Mitte vergangenen Jahres vom langjährigen Bankchef Josef Ackermann übernommen hatten, bei ihrer ersten Bilanzpressekonferenz ein dickes Minus verkunden mussten. Zwar hatten das Analysten erwartet, doch fiel es wesentlich größer aus als angenommen.

Im vierten Quartal 2012 verbuchte der Branchenprimus ein Minus von 2,2 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr brach der Gewinn nach Steuern um 3,6 Miliarden Euro auf 700 Millionen Euro ein. Als Grund nannte das Führungsduo den Konzernumbau und Rechtsstreitigkeiten. Anwalts- und Prozesskosten schlugen mit 1,6 Milliarden Euro zu Buche. Aber genau diese Kosten dürften auch der Grund sein, warum die Anleger dennoch optimistisch sind in Bezug auf die Aktie.

Von Razzien bis Schadenersatzzahlungen

So sagte ein Börsianer der Nachrichtenagentur Reuters, dass sich nun die Hoffnung breit mache, dass alles Schlechte in die Bilanz reingepackt wurde und das Geldhaus jetzt unbelastet ins neue Jahr starten kann. Ein anderer bemerkte: "Man kann jetzt nur hoffen, dasss alles, was in der Bilanz aufgeräumt werden musste, nun erledigt ist und das Geldhaus im neuen Quartal neu durchstarten kann."

Diese Hoffnung scheint am Donnerstagmorgen auch die Aktie zu beflügeln. Die Hoffnung auf einen Neustart ist da. Und den braucht die Bank mehr denn je. Denn die vergangenen Monate liefen für die Neuen an der Spitze des Geldhauses alles andere als rosig. Da war die Steuerrazzia im Dezember und der Unmut über Fitschens Beschwerde beim hessischen Ministerpräsidenten. Da war die Niederlage im Kirch-Prozess, wodurch die Deutsche Bank Schadenersatz zahlen muss, dessen Höhe aber noch nicht ausgehandelt ist.

Da sind die drohenden Schadenersatzzahlungen im Zusammenhang mit Zinsmanipulationen bei Libor und Euribor. Da sind Landes- und andere Banken, die die Deutsche Bank verklagt haben, weil sie beim Verkauf der "toxischen" Wertpapiere getäuscht haben soll. Und zu guter Letzt kommt auch noch die — im Verhältnis zu den anderen Problemen recht kleine — Kritik, weil die Bank weiterhin Finanzanlagen für Agrarprodukte anbieten will. Alles Nachrichten, die den Neustart, den man sich mit Jain und Fitschen erhofft hatte, nicht wirklich vorankommen lassen.

Weniger turbulentes Umfeld erwartet

Doch 2013 könnte das nun anders seien. Jain und Fitschen selbst nennen die angestrebte Reform die "umfassenste Umgestaltung der Deutschen Bank in der jüngsten Zeit". Das Führungsduo gibt sich auf jeden Fall an diesem Donnerstag optimistisch. In der Schuldenkrise, so hieß es, habe man das Schlimmste überstanden. Auch in den USA zeichne sich inzwischen ein positives Bild der Wirtschaft.

"Alles in allem erwarten wir für 2013 ein weniger turbulentes Umfeld als in den vergangenen beiden Jahren", erklärte Jain. Probleme, so ergänzte Fitschen, könne das Geldhaus aber an anderer Stelle bekommen und meint damit die "gravierenden" Folgen einiger Themen aus der Vergangenheit. "Wir werden zweifelsohne auch im Jahr 2013 mit weiteren Entwicklungen in diesen und weiteren Angelegenheiten konfrontiert werden", betonte Fitschen.

Er stapelt tief, denn er weiß, dass jede neue Negativschlagzeile sich schlecht aufs Geschäft auswirken könnte. Doch bis dahin sind die Börsianer erst einmal zufrieden — nach dem Anfangsschock bezüglich des höher ausgefallenen Milliardenverlustes. Sowohl Jain als auch Fitschen dürften hoffen, dass es dabei auch bleibt.

mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Vorsitzende der Deutschen Bank

(das)
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