Größter Stromversorger Deutschlands: Eon erwartet 2013 weniger Gewinn

Größter Stromversorger Deutschlands: Eon erwartet 2013 weniger Gewinn

Deutschlands größter Energieversorger Eon will bis 2015 in Europa Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke mit einer Gesamtkapazität von elf Gigawatt stilllegen. Das entspricht einem Fünftel der vorhandenen konventionellen Erzeugungskapazität des Konzerns.

Eon ziehe damit die Konsequenzen aus dem durch die Konjunkturkrise und den Boom der erneuerbaren Energien ausgelösten Preisverfall an den Strombörsen, sagte Konzernchef Johannes Teyssen am Mittwoch. Auch Neubaupläne für konventionelle Großkraftwerke, die die Altanlagen ersetzen könnten, hat das Unternehmen Teyssen zufolge "endgültig aufgegeben".

Der Konzernchef malte ein düsteres Bild der Lage auf dem Energiemarkt. In fast allen Kernmärkten sei die Strom- und Gasnachfrage rückläufig. Gleichzeitig fluteten erneuerbare Energien in immer stärkerem Maße auf dem Markt und drückten die Preise. Moderne, umweltschonende Gaskraftwerke seien dadurch nicht mehr rentabel zu betreiben. Dabei würden konventionelle Kraftwerke nach wie vor benötigt, um die Versorgungssicherheit bei Windstille und ausbleibendem Sonnenschein zu sichern. Hier sei die Politik gefordert.

"Wir werden nicht abwarten und unwirtschaftliche Anlagen mit der bloßen Hoffnung weiter betreiben, dass sich der Wind irgendwann mal dreht", sagte Teyssen. Er forderte ein neues Marktdesign für den Strommarkt. Dies beginne mit der Schaffung fairer Regeln für die Vorhaltung von Kraftwerksleistungen, da wo sie gebraucht würden, und gehen hin bis zu langfristigen Anreizen für die Errichtung neuer Anlagen.

Konzern will Investitionen senken

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Eon rechnet in diesem Jahr mit einem deutlichen Gewinnrückgang. Der nachhaltige Konzernüberschuss werde voraussichtlich auf 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro sinken, berichtete Teyssen. Noch vor wenigen Monaten hatte der Konzern noch mit einem Gewinn von bis zu 3,7 Milliarden Euro gerechnet.

2012 hatte der Konzern nach vorläufigen Zahlen sogar einen Konzernüberschuss von rund 4,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Verantwortlich für den erwarteten Rückgang ist neben den Verwerfungen im europäischen Energiegeschäft allerdings auch der Verkauf von Unternehmensteilen im Gesamtwert von rund 17 Milliarden Euro.

Angesichts der schwierigen Marktlage will der Konzern künftig seine Investitionen reduzieren und sich dabei stärker auf die Wachstumsfelder dezentrale Energien, erneuerbare Energien und auf Märkte außerhalb Europas - vor allem Russland, die Türkei und Brasilien - konzentrieren. Pläne zur Expansion nach Indien hat der Konzern dagegen aufgegeben.

Zusätzlichen Spielraum könnten dem Konzern dabei weitere geplante Beteiligungsverkäufe geben. Auf der Verkaufsliste stehen noch die Regionalversorger E.on Westfalen Weser und E.on Mitte, die Beteiligung an Urenco und kleinere Netzaktivitäten in Finnland. Dadurch könnten sich die Einnahmen aus Desinvestitionen vielleicht noch von derzeit 17 auf 20 Milliarden Euro erhöhen, wie es hieß.

Hier geht es zur Infostrecke: Das ist der Eon-Konzern

(lnw/sap/felt)