Illegaler Adresshandel und gefälschte Preise: Staatsanwalt weitet Ermittlungen gegen Unister aus

Illegaler Adresshandel und gefälschte Preise : Staatsanwalt weitet Ermittlungen gegen Unister aus

Schon wieder durchsuchten Beamte die Räumlichkeiten von Unister. Die sächsische Generalstaatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen den Online-Reiseverkäufer erheblich ausgeweitet.

Wie Behördensprecher Wolfgang Klein sagte, wird jetzt auch wegen des Verdachts des illegalen Adresshandels und wegen gefälschter Preisangaben auf den Unister-Portalen wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de ermittelt. Seit längerem schon steht Unister zudem im Verdacht, illegal Versicherungen verkauft und dabei Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben.

Am Mittwoch habe es noch einmal umfangreiche Durchsuchungen bei Unister und deren Geschäftspartnern gegeben, berichtete Klein. 40 Polizeibeamte und vier Staatsanwälte waren in der Zentrale in Leipzig sowie in Potsdam und Bayern im Einsatz. Unister bestätigte dies, sprach aber in einer Mitteilung lediglich von "Nachuntersuchungen in den Räumen von Unister". Man habe weitere Unterlagen an die Behörden übergeben und sei an Aufklärung interessiert.

"Es besteht der Verdacht, dass über mehrere Jahre Kundendaten ohne Wissen der Betroffenen verkauft worden sind an kommerzielle Adresshändler", sagte Klein. Damit habe Unister mehrere Millionen Euro gemacht. Die Ermittlungen wegen illegalen Adresshandels seien durch eine Strafanzeige des sächsischen Datenschutzbeauftragten ins Rollen gebracht worden.

Die Generalstaatsanwaltschaft glaubt zudem, dass Unister mit gefälschten Preisen auf seinen Reiseseiten gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstoßen hat. Systematisch seien den Kunden auf den Reiseportalen Schnäppchen vorgegaukelt worden durch sogenannte Streichpreise - die allerdings frei erfunden waren.

Die Streichpreise, angebliche Ursprungspreise für Reisen oder Flüge, seien niemals wirklich verlangt worden, erläuterte Klein. "Man hat auf breiter Front etwas vorgetäuscht, was nicht da war." Dazu sei ein ausgefeiltes, hoch professionelles Computerprogramm eingesetzt worden, dass die Schnäppchenpreise erzeugt habe. "Wir haben den Algorithmus gefunden", sagte Klein.

Die neuen Verdachtsmomente richten sich gegen jene acht Unister-Führungskräfte, gegen die bereits wegen Steuerbetrugs ermittelt wird. Drei Manager hatten zwischenzeitlich in Untersuchungshaft gesessen, die Haftbefehle wurden jedoch gegen Zahlung von Kautionen und Meldeauflagen außer Vollzug gesetzt.

Der Unister-Gründer Thomas Wagner hatte angekündigt, sich von der Spitze des Unternehmens zurückzuziehen. Angeblich läuft die Suche nach einem Nachfolger. Das Unternehmen, das auch Seiten wie geld.de und auto.de betreibt, beschäftigt nach eigenen Angaben 1900 Mitarbeiter. Angaben zu Umsatz und Gewinn macht Unister nicht. In aktuellen Stellenanzeigen spricht das Unternehmen jedoch davon, einen "Jahresumsatz im 10-stelligen Eurobereich" zu machen. Das wären Milliardenumsätze.

(dpa/felt)
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