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Nahrung als Finanzanlage: Deutsche Bank wegen Agrar-Spekulation unter Druck

Nahrung als Finanzanlage : Deutsche Bank wegen Agrar-Spekulation unter Druck

Für ihr Ja zu Finanzgeschäften mit Nahrung erntet die Deutsche Bank Empörung - nun auch aus der Bundesregierung. Kritiker wollen genauere Auskünfte. Auch die Allianz verteidigt ihre umstrittenen Aktivitäten.

Die Deutsche Bank gerät wegen ihres Festhaltens an Finanzanlagen auf Agrarrohstoffe unter Druck. Das größte deutsche Geldinstitut habe "die Zeichen der Zeit offenbar nicht erkannt", sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) dem "Handelsblatt" (Mittwoch). "Ich erwarte, dass ein klarer Trennstrich gezogen wird zwischen verantwortungsvollen Investitionen, die hilfreich sind im Kampf gegen den Hunger, und Transaktionen, die Preisschwankungen weltweit verstärken können." Kritik kam auch von der Verbraucherorganisation Foodwatch, die Erläuterungen verlangte.

Aigner machte deutlich, dass derartige Finanzgeschäfte auf den Agrarrohstoffmärkten nichts zu suchen hätten. "Wer angesichts von fast 900 Millionen hungernden Menschen auf der Welt hier keinen Unterschied macht, lässt jegliches Gespür vermissen und handelt verantwortungslos." Für den Anstieg der Rohstoffpreise seit einigen Jahren seien auch das Bevölkerungswachstum, Unwetter und fehlende Investitionen in die Landwirtschaft verantwortlich. Jedoch trage auch mangelnde Transparenz an Börsen dazu bei. "Dies kann Spekulationen mit Nahrungsmitteln anheizen und die Preisschwankungen verursachen."

Kein Ende des Finanzanlagen auf Agrarprodukte

Die Deutsche Bank hatte am Samstag bekanntgegeben, "im Interesse ihrer Kunden" weiterhin Finanzanlagen auf Agrarprodukte anzubieten. Nach einer ausführlichen Prüfung habe man "keinen Nachweis gefunden, dass die Spekulation für die Preisentwicklung verantwortlich ist", sagte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen am Rande der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin. Nach Kritik hatte die Bank das Neugeschäft mit solchen Anlageformen im März vergangenen Jahres ausgesetzt, um sie zu überprüfen. Kritiker warnen, Finanzgeschäfte auf Basis von Rohstoffen wie Mais oder Soja verschärften Preisexplosionen bei Nahrungsmitteln.

Foodwatch forderte genauere Erklärungen des Geldinstituts. "Nicht die Hungernden müssen belegen, dass die Finanzprodukte der Deutschen Bank schädlich sind, die Deutsche Bank sollte schon nachweisen können, dass ihre Produkte unschädlich sind", sagte Geschäftsführer Thilo Bode der Nachrichtenagentur dpa. Eine in Aussicht gestellte umfassende Studie solle vorgelegt werden. Die Deutsche Bank verwies auf Anfrage am Dienstag auf ihre "umfassenden Erklärungen" zur Entscheidung, die bereits am Wochenende veröffentlicht wurden.

Auch die Allianz verteidigte ihr Engagement in dem Geschäftsfeld. Durch Handel mit Terminverträgen könnten sich Bauern zu günstigeren Prämien gegen Preisschwankungen bei unterschiedlichen Ernten absichern, sagte ein Sprecher. "Es ist wichtig, dass Investoren wie wir am Markt bleiben." Die Allianz hat drei Fonds, die sechs Milliarden Euro im Agrarhandel investiert haben. Ihre Anleger seien an kontinuierlichen, langfristigen Erträgen interessiert.

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft warfen Allianz und Deutscher Bank eine "zynische Offensive gegen die Begrenzung der Agrarrohstoff-Spekulation" vor.

(dpa)