1. Wirtschaft

Kleine Einzelhändler geraten immer stärker unter Druck

Umfrage des Branchenverbands HDE : Kleine Einzelhändler geraten immer stärker unter Druck

Die Branche erwartet für 2019 zwar ein Plus von zwei Prozent, aber die Perspektiven werden trüber. Bis 2025 könnte jeder zehnte Standort verschwinden.

Deutschlands Einzelhandel wird in diesem Jahr zwar voraussichtlich zum zehnten Mal in Folge wachsen, aber die Stimmung in de Branche verschlechtert sich. Das hat die jüngste Umfrage des Branchenverbandes HDE unter 1000 Unternehmen ergeben. Für die erste Hälfte des laufenden Jahres rechen demnach nur noch 30 Prozent der befragten Firmen mit steigenden Umsätzen, während 37 Prozent sinkende Erlöse erwarten. Vor einem Jahr war das Verhältnis noch genau umgekehrt  gewesen. Insgesamt rechnet der Verband für 2019 mit einem Umsatzplus von zwei (real: 0,5) Prozent auf 537,4 Milliarden Euro.

Die Handelsbranche wird derzeit gespalten. Einerseits wächst der Online-Handel weiterhin stark (in diesem Jahr voraussichtlich um 8,5 Prozent auf 57,8 Milliarden Euro), während  der HDE für das stationäre Geschäft nur ein Plus von 1,3 Prozent voraussagt. Nominal wohlgemerkt. Rechnet man die Inflation ein, dürfte kaum noch Wachstum übrigbleiben.

Das trifft in Deutschland vor allem die kleinen Mittelständler, die zunehmend unter Druck geraten.  „Die aktuelle Lage wird von den Kleinunternehmen vielfach als schlecht bezeichnet“, so der HDE.Die Umsatzerwartung bestätigt das: Während große Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern  für das laufende Jahr nach Angaben von HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth mit einem Plus von 36 Prozent rechnen, erwarten die kleinsten Unternehmen der Branche (weniger als fünf Beschäftigte) drei Prozent Minus. Sie drückt vor allem zunehmende Bürokratie (Beispiel: Datenschutz-Grundverordnung), die wachsende Digitalisierung, durch die ein enormer Preisdruck entstanden ist,  und die durch den wachsenden Online-Handel abnehmende Zahl von Kunden in den Innenstädten.

Somit haben vor allem die kleinen Mittelständler aus Sicht des Verbandes Unterstützung durch die Politik dringend nötig. Genth fordert unter anderem eine Reform der Gewerbesteuer, einen Abau von Bürokratie und eine „faire Finanzierung“ der Energiewende. „Es kann nicht sein, dass der Handel sechs Prozent des Stroms verbraucht, aber die Unternehmen zehn Prozent der EEG-Umlage tragen müssen“, so Genth.  

Dabei werden die Unternehmen derzeit noch von der guten Konjunktur getragen, die sich aber zu verschlechtern droht. In der Branche gilt es laut Genth derzeit noch 450.000 Handelsstandorte, von denen nach einer Prognose des Handelsforschungsinstituts IFH bis zum Jahr 2025 jeder zehnte wegfallen könnte.