Tour de France 2018: Entthronter Champion Chris Froome verliert mit Stil

Tour de France : Entthronter Champion Froome verliert mit Stil

Das schwerste Rennen seines Lebens endete für Chris Froome statt mit dem historischen fünften Tour-Titel mit einer herben Niederlage. Die Zukunft des einstigen Dominators ist offen.

Also verließ Chris Froome Paris nicht als Rekordsieger der Tour de France. Ging nicht als fünfmaliger Champion in die Geschichtsbücher ein. Erweiterte nicht den bislang von der Ahnenreihe Anquetil-Merckx-Hinault-Indurain bewohnten Olymp der Frankreich-Rundfahrt. Zumindest nicht in diesem Sommer. Und doch verließ Froome Paris erhobenen Hauptes. Mit Stil hat der Brite die Tour viermal gewonnen, mit Stil verlor er sie nun.

"Ich habe alles gegeben, was ich hatte. 'G' war brillant. Und es ist ein Traum, mit ihm gemeinsam auf dem Podium in Paris zu stehen", sagte der 33-Jährige. Dieser "G", bürgerlich Geraint Thomas, hatte seinem Teamkapitän in drei Wochen keine Chance gelassen, seinen Traum vom fünften Triumph zu verwirklichen, und die Rangordnung in der Sky-Mannschaft auf den Kopf gestellt. Froome nahm es klaglos hin: "Wichtig ist, dass der Titel bei uns bleibt."

Der Boss a.D. klagte nicht, lamentierte nicht, haderte nicht. Dabei hätte er allen Grund dazu gehabt. Die Tour 2018 war das schwierigste Rennen seines Lebens. Und Froome akzeptierte seine Rolle zwischen Rampenlicht und Zwielicht. Die Absolution in der Asthmamittel-Affäre, die ihm kurz vor der Tour noch eilig erteilt worden war, hatte den ohnehin in Frankreich bestenfalls respektierten Froome nicht gerade zum Fan-Favoriten werden lassen. Die Rundfahrt war ein Spießrutenlauf.

Froome ertrug stoisch die Pfiffe und Buhrufe bei der Teampräsentation, hakte den Sturz auf der ersten Etappe, der ihn rund eine Minute Zeit kostete, achselzuckend ab. Er wurde beschimpft, bespuckt, in L'Alpe d'Huez von einem verwirrten Zuschauer fast vom Rad gerempelt, von einem Polizisten, der ihn nach der schweren Niederlage in den Pyrenäen nicht erkannte, zu Fall gebracht.

All das nahm er hin. Und Froome schoss nicht quer, als ihm Domestik Thomas den Rang ablief. Nicht selbstverständlich für einen großen Kapitän im Radsport, zumal mit historischen Ambitionen. Nicht nur den fünften Tour-Titel hätte er gewinnen können, sondern auch als erst zweiter Fahrer nach Eddy Merckx 1972/73 vier große Rundfahrten in Serie.

Unweigerlich stellt sich nun die Frage nach Froomes Zukunft. Sein Vertrag bei Sky läuft noch bis 2020. Doch ist es denkbar, dass er nach dem Verlust seiner Ausnahmestellung im Weltradsport wie auch im eigenen Team weitermacht wie bisher? Weitermachen kann, darf, will?

Ein Miguel Indurain kehrte nie mehr zur Tour zurück, nachdem 1996 seine Siegesserie gerissen war und ihn Bjarne Riis entthront hatte. Riis, der ein Jahr später von seinem jungen Teamkollegen Jan Ullrich als Kapitän abgesetzt wurde, zog sich hingegen klaglos ins zweite Glied zurück und rackerte noch 1998 als Edelhelfer für Ullrich.

Froome sucht nun erstmal Ruhe, auf ihn wartet Wichtigeres. "Da ist ein kleines Mädchen, das sich in den nächsten Tagen auf dem Weg in die Welt macht. Ich hoffe, ich schaffe es rechtzeitig zur Geburt nach Hause", sagte er: "Und dann freue ich mich erstmal auf eine Pause."

(rent/sid)
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