Tour de France 2018: Demare kontert Greipels Twitter-Angriff mit Sieg

Tour de France : Demare kontert Greipels Twitter-Angriff mit Sieg

Arnaud Demare sicherte sich auf der 18. Etappe den heiß ersehnten ersten Tagessieg bei der 105. Tour de France. Mitten im größten Siegestaumel hatte der Franzose noch einen schönen Gruß an seinen neuen „Lieblingsfeind“ parat.

"Ich muss Andre Greipel danken, denn heute habe ich sehr oft an ihn gedacht", sagte der französische Sprintstar nach seinem Sieg auf der 18. Etappe der Tour de France. Was Greipel ihm vorgeworfen habe, "ist nicht meine Philosophie vom Radsport".

Der Hahnenkampf der beiden Weltklasse-Sprinter hatte am Donnerstag in Pau einen eindeutigen Sieger gefunden: Erst las Demare dem Rostocker Greipel nach dessen Schummel-Vorwurf via Twitter die Leviten, dann ließ der Franzose mit dem souveränen Triumph vor seinem Landsmann Christophe Laporte Taten folgen. Und Greipel stand als doppelter Verlierer da.

Der 36 Jahre alte Deutsche, der auf der Etappe nach L'Alpe d'Huez eine Woche zuvor im Kampf gegen das Zeitlimit kapituliert hatte und ausgestiegen war, hatte via Twitter gegen den gut neun Jahre jüngeren Demare geschossen. Dieser habe, wie Greipel andeutete, beim schweren Schlussanstieg am Mittwoch nur dank der Hilfe eines Teamfahrzeuges lediglich neun Minuten auf Sieger Nairo Quintana verloren und sich damit irregulär im Zeitlimit gehalten. Greipel verwies auf entsprechende GPS-Daten.

Der beschuldigte Demare bestritt dies ebenfalls per Twitter vehement und bot Greipel zur Entlastung dezidierte Daten seines Rennens an. Wenig später ruderte der Deutsche zurück, löschte seinen Tweet und entschuldigte sich kleinlaut: "Lektion gelernt: Nicht über etwas twittern, an dem man nicht beteiligt ist." Demare zeigte sich dennoch mächtig verstimmt: "Das hat mich verletzt, der Schaden ist angerichtet. Die beste Art zu antworten, wäre der Etappensieg."

Auch nach der erfolgten Wunschantwort war spürbar, wie sehr sich Demare in seiner Ehre verletzt fühlte. "Ich gebe immer alles, habe jeden Tag vor der Tour de France in den Bergen trainiert", sagte er: "Es war nicht einfach, aber ich habe es über die Berge geschafft. Die meisten Sprinter sind weg, ich bin noch da."

Greipel war argumentativ gegen Demare chancenlos, John Degenkolb sportlich. Der Thüringer, der in Roubaix für den einzigen deutschen Etappensieg gesorgt hatte, wurde Siebter. Zuletzt waren die deutschen Radprofis 2010 ohne einen Sprinterfolg geblieben, als es überhaupt keinen Tagessieg für einen Profi aus Deutschland gab. "Ich war zu weit hinten, da hatte ich keine Chance mehr, vorne einzugreifen", sagte Degenkolb: "Die Beine sind aber gut."

Im Vorjahr hatte der diesmal bereits in den Alpen am Zeitlimit gescheiterte Marcel Kittel gleich fünf Etappen gewonnen. Degenkolb bleibt nur am Sonntag in Paris noch eine Chance. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich diese nutzen kann", sagte er.

Der nach einem schweren Sturz am Vortag stark gehandicapte Weltmeister Peter Sagan (Bora-hansgrohe) kam auf Platz acht, mischte aber trotz starker Schmerzen im Sprint mit. Dem Slowaken, dem das Grüne Trikot rechnerisch nicht mehr zu nehmen ist, geht es darum, irgendwie bis Paris durchzuhalten - dennoch kämpfte er um den Etappenerfolg. "Er hat heute morgen gemeint, der Löwe regeneriert schneller als das Zebra", sagte sein deutscher Helfer Marcus Burghardt.

Im Kampf um das Gelbe Trikot herrschte am Tag nach dem brutalen Bergsprint am Col du Portet wie erwartet Waffenstillstand. In der Gesamtwertung führt weiterhin der Brite Geraint Thomas (Sky) mit 1:59 Minuten Vorsprung auf den Niederländer Tom Dumoulin (Sunweb), Dritter ist Titelverteidiger Chris Froome (Großbritannien/Sky) mit 2:31 Minuten Rückstand.

Die Entscheidung über den Tour-Sieg fällt an den kommenden beiden Tagen. Am Freitag führt die letzte Bergetappe über zwei Berge der höchsten sowie je einen der ersten und zweiten Kategorie durch die Pyrenäen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Tour de France 2018: Bilder der 18. Etappe

(old/sid)
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