Paris Saint-Germain: Trainer Thomas Tuchel plant weiter mit Neymar

Trotz Transfer-Wirbel : Tuchel plant weiter mit Neymar

Ohne Superstar Neymar kam Paris St. Germain zu einem glanzlosen Unentschieden im Test beim 1. FC Nürnberg. Im Theater um den Superstar ist für Trainer Thomas Tuchel keine schnelle Lösung in Sicht.

Neymar war nicht da, und doch war Neymar überall. Auf den Rücken der jungen Fans im Max-Morlock-Stadion - und natürlich auch im Kopf von Thomas Tuchel. Dabei ist selbst der Trainer von Paris St. Germain zunehmend ratlos, was die Zukunft seines Stars angeht. Im Transfertheater um den mit launisch noch vornehm charakterisierten brasilianischen Ausnahmekicker gibt es schlichtweg keine einfache Lösung.

"Ich wünsche mir besser nichts, es geht ohnehin nicht in Erfüllung", sagte Tuchel am Rande des 1:1 (1:0) im Test beim tapferen Zweitligisten 1. FC Nürnberg am Sky-Mikrofon. Bis auf Neymar hatte der Ex-Dortmunder das gesamte PSG-Starensemble zur Verfügung. Ob und wann der Weltrekordmann, der Paris vor zwei Jahren sagenhafte 222 Millionen Euro wert gewesen ist, wieder hinzustoßen wird? Da hielt sich Tuchel an Fakten.

"Die Situation zwischen Ney und mir ist ziemlich klar. Es ist eine Situation zwischen dem Klub und ihm", sagte der 45-Jährige: "Ney hat jetzt eine Woche trainiert, er trainiert am Sonntag erstmals mit der Mannschaft und geht dann mit nach China. Da wird trainiert, dann stellen wir ihn auf den Platz."

Doch so einfach ist es wohl nicht. Neymar, so lehrt es sein geräuschvoller Wechsel 2017 vom FC Barcelona zu PSG, könnte am längeren Hebel sitzen. Der Brasilianer - der am heimischen Monster-TV passenderweise die Serie Haus des Geldes verfolgte, während sich seine Kollegen in Nürnberg abmühten - will tunlichst zu Barca, wo er sich einst unzufrieden wegmoserte, große Lust auf Paris hat er nicht mehr.

Nur: PSG will Geld sehen, bar und sofort, die Summe von 300 Millionen Ablöse geistert seit längerem herum. Barca, das sich schon beim Transfer von Antoine Griezmann blank machen musste, wird dies nicht stemmen können. Das Modell, das den Katalanen vorschwebt, eine Bar-Summe von bis zu 100 Millionen plus zusätzliche Spieler (Philippe Coutinho? Ousmane Dembele?) stößt bei den Parisern nur auf wenig Begeisterung. Und ein anderer Klub, der sich Neymar leisten kann und will, ist nicht in Sicht.

Tuchel räumte in Nürnberg mit dem Gerücht auf, er habe schon mit seinem früheren Dortmunder Schützling Dembele - wechselte als Neymar-Ersatz 2017 für mindestens 105 Millionen Euro vom BVB nach Barcelona - Kontakt aufgenommen. "Ich habe mit ihm telefoniert, das war vor exakt einem Jahr. Seitdem hatten wir keinen Kontakt", sagte Tuchel.

Vom Theater um Neymar mittelbar betroffen ist auch Kevin Trapp. Der Nationaltorhüter kam in Nürnberg in der zweiten Halbzeit zum Einsatz, kassierte das 1:1 durch einen Handelfmeter von Enrico Valentini (71.), nachdem Pablo Sarabia (43.) für Paris getroffen hatte. Trapp würde am liebsten zu seinem Leih-Verein Eintracht Frankfurt zurückkehren, der FC Porto will ihn als Casillas-Nachfolger, doch am Sonntag teilte PSG-Sportdirektor Leonardo mit, den Deutschen nicht verkaufen zu vollen.

Trapp, der in Paris wohl Nummer zwei hinter Alphonse Areola wäre, droht damit der Platz zwischen allen Stühlen. Sollte allerdings Neymar wechseln, hätte PSG Geld für die mindestens 50 Millionen Euro teure Verpflichtung des italienischen Nationalkeepers Gianluigi Donnarumma - und für Trapp keine Verwendung mehr.

(sid/old)