Bayer 04 Leverkusen: "Bayer 04 macht momentan richtig Spaß"

Bayer 04 Leverkusen: "Bayer 04 macht momentan richtig Spaß"

Die BayArena-Nordkurve zeigt bei der Bayer 04-Partie gegen SC Paderborn ein feines Gespür für die Lage. Gleich nach seinem Patzer unterstützt sie Pechvogel Bernd Leno mit Sprechchören. Ein Bericht über das Seelenleben von Bayer 04-Fans.

Am Familientag des Bundesligisten demonstriert die Bayer 04-Familie großen Zusammenhalt. Statt Pfiffen oder anderen Unmutsbekundungen gibt es - trotz zweifellos enttäuschenden Resultats - auch zum Abschied ein stimmungsvolles Adieu für das Team von Trainer Roger Schmidt. Es scheint, als stimme die Chemie zwischen Anhängern, Team und Verein einfach. "Es macht momentan richtig viel Spaß, Fan dieses Vereins zu sein", schwärmt ungeachtet des Remis Ulrich Wissing, Vorsitzender des Fan-Dachverbands Nordkurve 12. Zum guten Miteinander tragen viele verschiedene Aspekte bei.

Der attraktive Fußball: Nicht nur bei der Fachpresse, auch beim Publikum kommt das neue Spielsystem gut an - obwohl die Punkteausbeute natürlich noch ausbaufähig ist. "Etwas besser könnte es immer sein, aber es läuft. Das gefällt mir gut", sagt etwa Björn Manderscheid. Während der Leichlinger beim Fachgespräch über die Kaderverbesserungen im Sommer neben Hakan Calhanoglu insbesondere Quasi-Neuzugang Karim Bellarabi als belebendes Element herausstreicht, schwärmt Nichte Lena von einem der Etablierten. "Mein Lieblingsspieler bleibt Stefan Kießling", betont die 15-Jährige, die schon bei der Geburt im Löwenclub angemeldet war und nun stolzes Mitglied bei Teens 04 ist.

Die "Schwadbud": Dass ihr Verein die eigene Tradition nicht mehr versteckt, sondern in der neuen Fankneipe auf der Osttribüne feiert, findet großen Anklang. "Das ist Nostalgie pur", befand Manderscheid - und seine Nichte signalisiert nickend Zustimmung. "Da sind einige Schätzchen dabei", stellt auch Lars Pflugmacher begeistert fest. Schade findet der Opladener nur, dass er nach dem Besuch in der "Schwadbud" bereits zum Spiel im Stadion eingecheckt hatte und deshalb nicht mehr hinauskam. Einen weiteren Kritikpunkt einiger Fans entkräftet Wissing: "Das ist keine Konkurrenz für unser Stadioneck. Ich finde die Schwadbud eine tolle Sache", beruhigt der NK12-Vorsitzende all jene, die einen Nachteil für das Lokal des Dachverbands befürchten.

Die Solidarität: Nicht nur innerhalb der Mannschaft herrscht nach Wissings Einschätzung "ein tolles Wir-Gefühl", sondern auch innerhalb der Fanszene. Schon in der Vergangenheit haben die Anhänger der Werkself zusammengeschmissen, um einem japanischen Fan eine Reise nach Leverkusen zu ermöglichen. Nun sammelte die NK12 für Hossein und Mohsen, zwei iranische Freunde des Klubs, Fanartikel. Fast 100 Schals, Trikots, Shirts und andere Devotionalien kamen so zusammen, so dass die Aktion auch anderen Anhängern in entlegenen Winkeln der Welt helfen soll, ihre Zuneigung zum Verein optisch zu bekunden.

Die Träume und Ziele: Obwohl die Werkself nach dem Traumstart von manchem vermeintlichen Experten schon in die Rolle eines Geheimfavoriten gedrängt wurde, bleiben Trainer, Team und auch die Fans realistisch. Mit einem Start- oder Qualifikationsplatz für die Champions League wären etwa Pflugmacher und Björn Manderscheid zufrieden.

Damit könnte auch Nichte Lena leben. Allerdings kann sie sich trotz des Rückstands auf den Branchenprimus FC Bayern (nun schon fünf Punkte) auch mehr vorstellen: "Eine Meisterschaft geht immer." Dagegen hätte sicher niemand aus der Bayer 04-Familie etwas einzuwenden.

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(RP)
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