Berlin/Düsseldorf: Studie: Jugendämter sind überlastet

Berlin/Düsseldorf: Studie: Jugendämter sind überlastet

Die empfohlene Grenze von 35 Fällen pro Stelle wird meist nicht eingehalten.

Zu viele Fälle, zu wenig Mitarbeiter - die Ausstattung der Jugendämter in Deutschland ist unzureichend. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Koblenz, die gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach betreuen die rund 13.300 Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) mehr als eine Million Fälle, in der Regel entfallen dabei gleichzeitig 50 bis 100 Fälle auf einen Sozialarbeiter. Kathinka Beckmann, Autorin der Studie, hält jedoch höchstens 35 Fälle je Vollzeitstelle für professionell angemessen. Für die von der Deutschen Kinderhilfe geförderte Untersuchung wurden 652 Mitarbeiter aus 175 Jugendämtern befragt. Insgesamt gibt es bundesweit rund 560 Jugendämter.

Laut Beckmann benötigt der ASD für eine angemessene Betreuung bundesweit 16.000 zusätzliche Mitarbeiter. Die Studie zeigt zudem, dass 54 Prozent der Befragten in ihrer Arbeit eine Abhängigkeit von der kommunalen Kassenlage spüren. "Das derzeitige System spaltet Kommunen in arme und reiche Städte beziehungsweise Landkreise", kritisierte der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker.

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Auch in der Region ist das Personal knapp. In Solingen entfallen derzeit 39,74 Fälle auf eine Vollzeitstelle. Die empfohlene Grenze von 35 Fällen wird also auch dort überschritten. "Es gibt eine hohe Belastung, aber keine Überbelastung ", betonte eine Sprecherin.

Die Stadt Duisburg wünscht sich in vielen Bereichen mehr Personal und unterstützt daher Beckmanns Forderung, die Kommunen von der Finanzierung der Jugendämter zu befreien: "Dies auch vor dem Hintergrund, dass in Duisburg ebenfalls die kommunalen Kosten für die Hilfen zur Erziehung kontinuierlich steigen", so ein Sprecher.

Mit einer durchschnittlichen Belastung von 30 Fällen pro Stelle liegt die Stadt Düsseldorf hingegen unter dem empfohlenen Wert, wie ein Sprecher bestätigte. Für eine bessere Betreuung sei zusätzliches Personal dennoch wünschenswert.

(RP)