Berlin: Die Bundeswehr will familienfreundlich werden

Berlin : Die Bundeswehr will familienfreundlich werden

Mit seinem Radikalumbau der Bundeswehr hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eigentlich eine einsatzorientierte Profitruppe vor Augen. Und eigentlich birgt das die wachsende Gefahr, dass noch mehr Soldaten ihre Familien und Partner verlieren, weil das Getrenntsein über viele Monate nicht alle Beziehungen überstehen. Doch der Minister will dem mit einer ganz besonders auf Familien ausgerichteten Armee gegensteuern.

Wie aus dem offiziell noch unter Verschluss gehaltenen, 37-seitigen "Maßnahmenpaket zur Steigerung der Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr" hervorgeht, soll die Bundeswehr gerade für junge Familien attraktiv werden. Da geht es um die altbekannten Vorsätze, genügend Pausen zwischen den Auslandseinsätzen einzuhalten.

Aber es gibt auch neue Ansätze: So will die Bundeswehr an 200 Standorten "die Einrichtung von Eltern-Kind-Arbeitszimmern" finanziell unterstützen. Das Ministerium denkt an Betriebskindergärten, und zwar an "zunächst" acht ausgewählten Standorten. Wenn Soldatinnen und Soldaten eine Aus-, Fort- oder Weiterbildung machen, sollen sich die Dienststellen nicht nur um Transport und Unterkunft, sondern auch um die Kinderbetreuung kümmern. An 100 Standorten sollen je 20 Plätze für die Kinder-Ferienbetreuung angeboten werden. Da versteht es sich von selbst, dass die Truppe auch für 1000 Kinderbetreuungsplätze des Nachwuchses von Soldatinnen und Soldaten "in der Nähe des Arbeitsplatzes" sorgen und Notfalldienste für Kinder und pflegebedürftige Angehörige anbieten will.

Das alte Etikett von der Bundeswehr als "Schule der Nation" trifft noch mehr zu, wenn Soldaten hier künftig sogar ihren ersten Schulabschluss nachholen können. Außerdem sollen Ausbildung, Studium, Berufsabschlüsse die Jugend zum Bund locken. Ebenso können sich bald für in Deutschland integrierte "Inländer" ohne deutschen Pass die Kasernentore öffnen. Sodann ist die Bundeswehr gewillt, auch über Freizeitausgleich für Auslandseinsätze nachzudenken. So weit wie Nachbarländer, in denen ein Soldat für jeden Tag im Auslandseinsatz einen Tag eher in Rente gehen kann, ist die Bundeswehr jedoch noch nicht.

Unter den 82 von Guttenbergs Mitarbeitern aufgelisteten, aber größtenteils noch als unverbindliche Arbeitsgrundlage bezeichneten Maßnahmen sind auch solche, die von lieb gewonnenen Prinzipien Abschied nehmen – etwa von dem, dass ein längeres Verbleiben auf einem Posten mit einem Aufstieg verbunden sein muss.

Dem CDU-Verteidigungsexperten Jürgen Hardt ist mehr Flexibilität an dieser Stelle schon seit Langem ein Anliegen. So könne auch dem Spurensicherer bei den Feldjägern in Hilden eine (Familien-)Perspektive gegeben werden, der nicht Offizier und nicht dauernd versetzt werden, sondern einfach nur 20 oder 30 Jahre lang als Spezialist bei der Truppe arbeiten wolle.

(RP)
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