Düsseldorf: Evangelische Kirche gegen Gentests an Embryonen

Düsseldorf : Evangelische Kirche gegen Gentests an Embryonen

Seit 100 Tagen ist Nikolaus Schneider morgen Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Eine Entscheidung zur Embryonenforschung trübt seit gestern seine Zwischenbilanz: Der Rat, die "Regierung" der EKD, hat sich gegen Gentests an künstlich erzeugten Embryonen vor ihrer Einpflanzung in den Mutterleib (Präimplantationsdiagnostik, PID) ausgesprochen.

Schneider konnte sich mit seiner Haltung nicht durchsetzen – der rheinische Präses hatte gesagt, er könne sich die Zulassung vorstellen, wenn Gefahr bestehe, dass Eltern die Anlage zu schwersten Krankheiten an ihr Kind weitergäben. Es gehe auch um das Leid der Eltern. Der Vorstoß war seine erste große kirchliche Initiative; sie stellte einen Ratsbeschluss von 2003 infrage.

Der Rat begründet seinen neuen, nach EKD-Angaben "einmütigen" Beschluss damit, eine unbegrenzte Zulassung der PID relativiere das christliche Menschenbild. "Leben ist nicht durchgängig planbar. Leben lässt sich vor Leid nicht schützen", heißt es. Der Rat folgte Schneider also nicht, nannte allerdings eine noch enger begrenzte mögliche Ausnahme vom Verbot: Es gebe unterschiedliche Positionen, ob PID verantwortbar sei, um "lebensfähige Embryonen zu identifizieren". Zu bedenken sei deshalb, die PID zuzulassen, wenn eine genetische Veranlagung der Eltern einen Tod des Embryos wahrscheinlich mache. Man sei sich bewusst, dass ein PID-Verbot "anderen Menschen nicht oder kaum Erträgliches zumuten kann".

"Wir sagen: Menschliches Leben muss von Beginn an geschützt werden", sagte Schneider unserer Zeitung zu dem Beschluss. Das sei das theologische Ziel. "Es ist uns im Rat gelungen, trotz unterschiedlicher Positionen beisammen zu bleiben."

Der Bundestag soll im Frühjahr über die PID entscheiden.

(RP)
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