Syrien: Bundeswehr an tödlichem Luftschlag beteiligt

Fotos vom Ziel gemacht : Bundeswehr an tödlichem Luftschlag in Syrien beteiligt

Bei der Bombardierung einer Schule in Syrien sterben Dutzende Zivilisten, darunter auch Kinder. Die Bundeswehr soll Medienberichten zufolge an dem Luftschlag beteiligt gewesen sein. Deutsche Tornado-Jets hätten das Ziel ausgespäht.

Die Bundeswehr lieferte nach dpa-Informationen kurz vor dem tödlichen Luftschlag in der vergangenen Woche Aufklärungsfotos des Schulgebäudes an die Anti-IS-Koalition. Wie "Süddeutsche" und "ARD" berichten, wurde der Verteidigungsausschuss des Bundestags am Mittwoch in geheimer Sitzung darüber informiert.

Bei dem Luftangriff auf das Schulgebäude im Norden Syriens wurden Aktivisten zufolge mindestens 33 Zivilisten getötet. Wahrscheinlich seien Jets der US-geführten internationalen Koalition für die Bombardierung des Ortes Al-Mansura in der Nacht zum Dienstag verantwortlich, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am vergangenen Mittwoch. Der Ort wird von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert.

Unter den Opfern seien Frauen und Kinder, hieß es weiter. Auch die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, bei einem US-Luftangriff in Al-Mansura nahe der IS-Hochburg Al-Rakka seien Dutzende Zivilisten getötet oder verletzt worden. Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge waren in dem Gebäude rund 40 Familien untergebracht. Die Menschenrechtler sitzen in England, stützen ihre Angaben jedoch auf Informanten vor Ort. Ihre Meldungen gelten als zuverlässig.

Das US-Militär hatten hingegen erklärt, es gebe keine Hinweise, dass ein Luftangriff in der Region Zivilisten getroffen habe. Die US-Streitkräfte hatten weitere Untersuchungen angekündigt.

Die US-Luftwaffe bekämpft in Syrien seit 2014 den IS und Al-Kaida-nahe Extremisten. Die Bundeswehr fliegt keine Angriffe, sondern liefert nur Bilder. Die im türkischen Incirlik stationierten deutschen Tornado-Jets machen hochauflösende Fotos von IS-Stellungen zur Identifizierung von Angriffszielen. Die Bilder von dem Schulgebäude wurden nach dpa-Informationen am 19. März aufgenommen. Einen Tag später folgte der Angriff.

Das Verteidigungsministerium wollte den Angriff aus Geheimhaltungsgründen nicht bestätigen. "Zu konkreten Daten und Zielen äußern wir uns nicht", sagte ein Sprecher. Es gehöre aber zur Routine der Tornados, Bilder möglicher Ziele zu machen. Zwischen den Aufnahmen und den Angriffen vergehe Zeit, für die Angriffsplanung gebe es noch weitere Quellen. "Wir liefen die Bilder mit einem Vorlauf ab", sagte der Sprecher. Auf den Bildern sei nicht feststellbar, welche Personen sich aktuell dort aufhielten. Oberstes Ziel der Truppe sei der Schutz der Zivilisten.

Der Obmann der Linken im Verteidigungsausschuss, Alexander Neu, sagte: "Die Linke lehnt den Einsatz ohnehin ab, vor dem Hintergrund, dass in der Regel bei Luftschlägen keine Trennung von Zivilisten und Kombattanten möglich ist."

(oko/dpa)
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