1. Politik
  2. Deutschland

"Einfache Lösungen": NRW testet Wenden im Stau

"Einfache Lösungen" : NRW testet Wenden im Stau

Düsseldorf (RP). "Es gibt auch einfache Lösungen, Staus zu vermeiden", meint NRW-Innenminister Ingo Wolf. Am Montag legte der FDP-Politiker eine Liste mit Neuerungen vor, die stundenlanges Warten im Autobahn-Stau zumindest abkürzen sollen. Dazu gehört: Die Autobahnpolizei darf künftig selber liegen gebliebene Fahrzeuge von der Fahrbahn abschleppen und muss nicht mehr unbedingt auf ein Abschlepp-Unternehmen warten. Wolf befürwortet auch die häufigere Freigabe von Standstreifen als Ausweichspur und das "Rückführen des gestauten Verkehrs".

Hierdurch werde bislang zuweilen "viel Zeit vertrödelt", heißt es beim ADAC. Die Streifenwagen der Autobahnpolizei sind nach Auskunft des Düsseldorfer Innenministeriums bereits mit Abschleppstangen ausgerüstet worden.

Wolf befürwortet auch die häufigere Freigabe von Standstreifen als Ausweichspur und das "Rückführen des gestauten Verkehrs". Was darunter zu verstehen ist, erläutert ein Ministeriumssprecher auf Anfrage unserer Zeitung so: Bei gravierenden Staus dürften die Fahrzeuge - vom Ende beginnend - wenden und auf derselben Fahrbahn bis zur nächsten Anschlussstelle zurückfahren. Das Wendemanöver dürfe allerdings nur auf Veranlassung der Polizei und mit deren strenger Absicherung erfolgen.

Der ADAC, der sich derzeit intensiv mit dem Problem Stau auf Autobahnen beschäftigt, erklärte, dieses Vorhaben sei einen Versuch wert. Dergleichen werde auch in Österreich erwogen, so ADAC-Experte Ralf Stock von der Zentrale in München. Es sei nicht einzusehen, warum Autofahrer stundenlang im Stau stehen müssten, wenn es Möglichkeiten gebe, diesen behutsam aufzulösen.

Derweil geht in NRW der gestern gestartete Großeinsatz der Autobahnpolizei gegen Raser und zu dichtes Auffahren weiter. Ulrich Schiefelbein, Sprecher der Düsseldorfer Bezirksregierung, zog im Gespräch mit unserer Zeitung eine erste vorläufige Bilanz: Demnach wurden allein in seinem Regierungsbezirk innerhalb von nur sieben Stunden 1143 Radar-Verstöße gemessen. Der schnellste Fahrer wurde mit 161 km/h ertappt, obwohl die erlaubte Höchstgeschwindigkeit bei 80 lag.

Bis zum Ende dieser Woche müssen Autobahn-Benutzer landesweit mit verschärften Kontrollen rechnen. "Wir setzen alles Gerät ein, das uns zur Verfügung steht", heißt es bei den Bezirksregierungen in Düsseldorf und Köln. Dazu zählen Laser-Pistolen ebenso wie mobile Radar- und Abstandsmessgeräte sowie Zivilfahrzeuge mit eingebauten Videokameras.

Auf dieses Aktionsbündel hatten sich alle fünf Regierungspräsidien in Nordrhein-Westfalen im Rahmen einer "Projektwoche" verständigt. Ziel ist die Verringerung der Verkehrsunfälle mit schweren Folgen. Während im Regierungsbezirk Düsseldorf die Kontrollen in den Nachtstunden deutlich zurückgefahren werden, würden im Regierungsbezirk Köln weiterhin "Tag und Nacht" Geschwindigkeit und Abstand überprüft, heißt es. Die Bildung von Staus will die Polizei während ihrer Kontroll-Aktion vermeiden.

(alfa)