Nitrat-Bericht: Grundwasser ist noch immer zu stark belastet

Nitrat-Bericht der Bundesregierung: Grundwasser ist noch immer zu stark belastet

Im deutschen Grundwasser sind die Nitratwerte noch immer zu hoch. Zwischen 2012 und 2014 wurde der zulässige Grenzwert an 28 Prozent der Messstellen überschritten. Das geht aus dem aktuellen Nitratbericht der Bundesregierung hervor, den das Umweltministerium am Dienstag veröffentlicht hat.

In den vergangenen Jahren habe sich die Nitratbelastung des Grundwassers "nur geringfügig verbessert", heißt es in dem Bericht, über den zuerst der WDR und die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet hatten. Die EU-Kommission hatte Deutschland schon im November wegen zu hoher Nitratwerte vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagt. An 28 Prozent der Messstellen wird der Grenzwert überschritten – dieser liegt in Grund- und Trinkwasser bei 50 Milligramm pro Liter. An 8,5 Prozent der Messstellen liegen die Messwerte zwischen 40 und 50 Milligramm je Liter. Nordrhein-Westfalen gehört zu den Bundesländern mit der höchsten Nitratbelastung

Im Oktober 2015 hatte ein Fachbericht zum Thema Nitrat im Grundwasser, der vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) veröffentlicht wurde, belegt, dass in NRW zum damaligen Zeitpunkt rund 40 Prozent des Grundwasservolumens in einem schlechten Zustand wegen zu hoher Nitratbelastung waren. Damit seien die Nitratkonzentrationen im Norden und Westen des Landes seit 20 Jahren gleichbleibend hoch, hieß es damals.

Nach Angaben der Landwirtschaftskammer NRW werden in Nordrhein-Westfalen schon seit langer Zeit Maßnahmen ergriffen, um die Nitratbelastung zu reduzieren. So stehe die Landwirtschaftskammer in engem Kontakt mit den Wasserwerken sowie mit Bauern, deren Felder in Wasserschutzzonen liegen. "Der Umgang mit Gülle, die maßgelblich für die Nitratbelastung verantwortlich ist, wird in NRW sehr streng kontrolliert", sagt Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer. "Ähnlich strenge Regeln gibt es sonst nur in Niedersachsen."

Für die Kontrolle hat die Landesregierung laut Rüb die Anzahl der Stellen verdoppelt. 20 Kontrolleure führten so regelmäßig Prüfungen durch. Hierzu zählt etwa die Einhaltung der Sperrfristregelung. Diese besagt, dass Ackerland vom 1. November bis 31. Januar und Grünland vom 15. November bis 31. Januar nicht mit Gülle gedüngt werden darf. Besonders in einigen Zonen im Münsterland, in Teilen des Niederrheins sowie Teilen Ostwestfalens ist die Nitratbelastung nach Angaben der Landwirtschaftskammer aber noch zu hoch.

Kaum Verbesserung an Deutschlands Küsten

Auch an den Küsten der Nord- und Ostsee gebe es kaum Anzeichen für Verbesserungen, heißt es in dem Nitrat-Bericht. Die Nitratkonzentrationen an den Messstellen an der Ostsee seien aber deutlich geringer als an der Nordsee. An der Nordsee sind vor den Mündungen der Eider und Elbe die Konzentrationen am höchsten, an der Ostsee ist dies an der Flensburger Innenbörde und der Pommerschen Bucht der Fall.

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Bei Seen und Flüssen dagegen würden die Werte leicht zurückgehen, der Grenzwert für Nitrat werde flächendeckend unterschritten. Der Grenzwert für Nitrat liegt an den Flüssen, die zur Nordsee führen bei 2,8 Milligramm Nitrat pro Liter, bei Gewässen, die zur Ostsee führen bei 2,6 Milligramm pro Liter.

Auch Phosphorwerte erfasst

Als Hauptursache gilt der übermäßige Einsatz von stickstoffhaltigem Dünger in der Landwirtschaft. Nitrat kommt natürlicherweise in Gülle – aber auch in Kunstdünger – vor. Der Stickstoff fördert das Wachstum von Pflanzen und wird daher in der Landwirtschaft eingesetzt.

In Gewässern kann Nitrat das Algenwachstum fördern, was anderen Pflanzen und Fischen schadet. Für Menschen ist der Stoff selber nicht gesundheitsgefährdend. Nitrat kann im Magen-Darm-Trakt aber zu Nitrit umgewandelt werden, das den Sauerstofftransport im Blut blockiert. Vor allem für Kleinkinder und Schwangere kann Nitrit daher gefährlich werden. Außerdem besteht der Verdacht, dass Nitrit indirekt krebserregend ist.

In dem nun veröffentlichten Bericht wurde auch erfasst, wie es um die Phosphorwerte in Seen, Flüssen und Küstengewässern bestellt ist. Zu viel Phosphor kann ebenfalls zu einem übermäßigem Wachstum von Wasserpflanzen führen. In dem Bericht heißt es, die Phosphorwerte seien zwischen 2012 und 2014 deutlicher zurückgegangen, allerdings werde der angestrebte Zielwert noch an rund 65 Messstellen überschritten.

(das/sno/rent/dpa)