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Bundesverwaltungsgericht: Urteil zum Kükenschreddern wird doch neu verhandelt

Bundesverwaltungsgericht : Urteil zum Kükenschreddern wird doch neu verhandelt

Das Bundesverwaltungsgericht wird sich nun doch mit dem umstrittenen Töten männlicher Küken befassen. Das Gericht habe die Revision zugelassen, sagte eine Gerichtssprecherin am Dienstag in Leipzig.

Das Leipziger Gericht ließ die Revisionen gegen Urteile des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster zu, wie eine Sprecherin am Dienstag bestätigte. Die Münsteraner Richter hatten im vergangenen Frühjahr entschieden, dass die Kükentötung nicht gegen das Tierschutzgesetz verstößt. (Az. 3 C 28.16 und 3 C 29.16)

Über die Zulassung der Revisionen hatte zuerst das "Westfalen-Blatt" berichtet. In dem Rechtsstreit geht es um die Rechtmäßigkeit eines Erlasses, mit dem das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium im Jahr 2013 die Aufsichtsbehörden zu einem Verbot der Kükentötung angewiesen hatte. Gegen die daraufhin von örtlichen Behörden verhängten Verbotsverfügungen gingen betroffene Brütereien gerichtlich vor und hatten damit in zwei Instanzen Erfolg.

Zuletzt befand das OVG Münster im Mai, dass die Tötung männlicher Küken aus Legehuhnrassen mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist. Die Revision gegen seine Urteile ließ das Oberverwaltungsgericht nicht zu. Der dagegen gerichteten Beschwerde der unterlegenen Behörden gab das Bundesverwaltungsgericht nun statt.

Hintergrund der Kükentötung ist, dass die Agrarindustrie für männliche Nachkommen der Legehuhnrassen keine Verwendung hat - sie legen weder Eier noch setzen sie gut Fleisch an. Bundesweit werden nach Angaben von Tierschützern jährlich bis 50 Millionen männliche Küken der Legelinien direkt nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast.

Nordrhein-Westfalens Agrarminister Johannes Remmel (Grüne) begrüßte die Zuzlassung der Revisionen durch das Bundesgericht. "Tiere sind keine Abfallprodukte", erklärte Remmel in Düsseldorf. "Wir werden nun in dem Revisionsverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht versuchen, ein Ende dieser millionenfachen tierschutzwidrigen Praxis zu erreichen, bei der es nur darum geht, den Gewinn der Unternehmen zu maximieren."

Während Nordrhein-Westfalen auf ein Verrbot der Kükentötung setzt, strebt das Bundesagrarministerium eine technische Lösung an, bei der männliche Embryos vor dem Brüten aussortiert werden.

(felt/rent/lnw/AFP)