Kolumne: Frauensache: Familie und Karriere sind ein Entweder-oder

Kolumne: Frauensache: Familie und Karriere sind ein Entweder-oder

Manuela Schwesig will nach dem Mutterschutz ins Amt zurück, die Elternzeit wird ihr Ehemann übernehmen. Das beweist: Kind und Karriere, für beide Elternteile zugleich, geht nicht.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig ist strebsam, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht: Mal will sie die Wochenarbeitszeit für Eltern auf 32 Stunden reduzieren, mal 24-Stunden-Kitas einführen. Nun ist Manuela Schwesig schwanger und - ob sie will oder nicht - hat diese Schwangerschaft eine politische Dimension: Die Familienministerin wird nun auch daran gemessen, wie sie es in der eigenen Familie mit der Kinderbetreuung hält.

Dieses Schauspiel war schon bei ihrer Vorgängerin Kristina Schröder zu beobachten. Sie war die erste Bundesministerin, die während ihrer Amtszeit schwanger wurde. Zehn Wochen nach der Geburt ihrer Tochter arbeitete sie wieder Full-time. Um das Kind kümmerten sich die Großeltern, da auch Schröders Ehemann voll berufstätig blieb. Da lebte also eine junge Frau in Spitzenposition vor, dass Karriere und Kind unter einen Hut beziehungsweise eine Führungsposition zu bringen sind.

Dass diese Frau eine unglückliche war, stellte sich erst später heraus. Sie habe das Gefühl begleitet, wichtige Entwicklungen und schöne Momente mit ihrer Tochter zu verpassen, sagte Kristina Schröder. Das habe wehgetan. Ihr Fazit: "Wir sollten in der Frage der Vereinbarkeit ehrlicher sein."

Zu dieser Ehrlichkeit könnte Manuela Schwesig beitragen. Auch sie will nach dem Mutterschutz ins Amt zurück, die Elternzeit wird ihr Ehemann übernehmen. Das wirkt sehr modern.

Und so verkauft sie ihr Betreuungskonzept auch: Beim ersten Kind habe sie die Elternzeit übernommen, nun tue das ihr Mann. Das gehöre in einer modernen Familie dazu, sagt Schwesig.

Was sie nicht sagt, ist, dass dieses Modell auch belegt: Beides - Kind und Karriere - für beide zugleich geht nicht. Bei Frauen in Spitzenpositionen sind es die Männer, die den Familienpart übernehmen - sozusagen das alte Rollenmodell in umgekehrter Besetzung.

Regine Stachelhaus, bis 2013 im Vorstand von Eon, sagte zum Beispiel, sie habe ihre Karriere auch ihrem Mann zu verdanken, weil er die Kindererziehung übernommen habe.

Ähnlich das Bekenntnis von Helena Morrissey, einer der weltweit erfolgreichsten Finanzmanagerinnen und zudem auch noch neunfacher Mutter: Es habe keinen Sinn gehabt, dass beide, sie und ihr Mann, arbeiten.

Das kann man eine moderne Familie nennen. Aber wäre es nicht viel ehrlicher, offen darüber zu reden, dass Familie und Beruf in Führungspositionen kein Sowohl-als-auch, sondern ein Entweder-oder sind? Zumindest in vielen Fällen für ein Elternteil.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(RP)