Kolumne: Frauensache: Das TV macht die Frau zum gefälligen Wesen

Kolumne: Frauensache : Das TV macht die Frau zum gefälligen Wesen

In Fernsehsendungen wie "Germany's Next Topmodel" und dem "Bachelor" geht es um Frauen, die nur eines wollen - gefallen.

Auch im Fernsehjahr 2015 können wir uns auf Formate wie den "Bachelor" und Heidi Klums "Germany's Next Topmodel" freuen. Jenseits politischer Genderdebatten und feministisch motivierter Deutungshoheit sind sie die moderne Inszenierung weiblicher Koketterie: Es geht um Frauen, die gefallen wollen. Mit einem Oktopus auf dem Kopf vor der Kamera oder herausgeputzt in Abendkleidern - Hauptsache, es gefällt, und es gibt eine Rose vom Bachelor, ein Foto von Heidi oder zumindest einen Platz im nächsten Dschungelcamp.

Eigentlich sind die Kandidatinnen dieser Sendungen die Frauengoldigen des 21. Jahrhunderts. Frauengold hieß ein Stärkungssaft, der sich in den 50er und 60er Jahren großer Beliebtheit erfreute. Der Saft war ein gesellschaftspolitischer Zaubertrank: Regelmäßig eingenommen, mache er die Frau zu einem gefälligen Wesen, das fröhlich seiner Rolle als Hausfrau, Ehefrau und Sekretärin nachkommt.

Die damaligen Werbespots wirkten wie ein Knigge für die devote Frau. Büro, eine Frau stürmt weinend herein: "Dem hab ich es aber gegeben, dem Chef. Und weißt du was, jetzt gehe ich." Weibliche Stimme aus dem Off: "Frauengold nehmen und man kann über den Dingen stehen und objektiver urteilen." Die Frau steht vor dem Chef: " Es war mein Fehler, Herr Direktor. Ich hatte nicht aufgepasst. Und ich möchte mich dafür entschuldigen."

Wohnzimmer, eine Frau in Schürze bei der Hausarbeit. Stimme aus dem Off: "Bist du etwa nicht mehr so hübsch wie damals? Du solltest einmal etwas für dich tun, du bist nicht mehr du selbst. Wenn heute dein Mann nervös ist..." Ein dicker Mann mit Halbglatze sucht im Wohnzimmer hektisch nach Feuer für seine Zigarette und schmeißt dabei eine Vase um. Die Frau tobt. Stimme aus dem Off: "Früher hast du dich in solchen Fällen anders verhalten..." Gleiche Szene, doch diesmal lacht die Frau, umarmt ihren Mann, und sie landen eng umschlungen auf dem Sofa. Stimme aus dem Off: "Durch eine Kur mit Frauengold wirst du glücklich gemacht und wirst glücklich machend. Frauengold schafft Wohlbehagen - wohlgemerkt an allen Tagen."

Frauengold wurde später vom Markt genommen, es enthielt nicht nur Alkohol, sondern auch krebserregende Stoffe. Die eingelullte, gefällige Frau ist Vergangenheit. Nur manchmal kehrt sie zurück - und dafür braucht es keinen Schluck aus der Frauengoldflasche. Ein Foto oder eine Rose genügen.

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(RP)
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