Kolumne: Frauensache: Jetzt reden die Väter

Kolumne: Frauensache : Jetzt reden die Väter

Zwei Männer schreiben in ihrem Buch über die Unmöglichkeit, Kinder, Liebe und Karriere zu vereinbaren. Was erschreckend ist: Sie haben recht.

Sie sind ständig beschäftigt - im Job und zu Hause. Sonntagabends stehen sie vor einem Berg schmutziger Wäsche. Denn es fehlte mal wieder die Zeit, die Maschine anzuschmeißen, weil man dem Sohn versprochen hatte, bei seinem Fußballspiel zuzuschauen, der Chef am Telefon noch etwas dringendes zu besprechen hatte, das wirklich wichtige Projekt für kommende Woche noch vorbereitet werden musste, die Tochter zur Freundin gefahren werden wollte. Tagtäglich versuchen sie sich in dem, was gemeinhin Vereinbarkeit von Familie und Beruf genannt wird.

Nein, das ist keine Frauengeschichte über das Zerrissensein zwischen Job, Kind und Haushalt. Diese Geschichte haben zwei Männer aufgeschrieben, die das Leben führen, was dem gesellschaftlichen Ideal ziemlich nahekommt: Ihre Partnerschaft ist gleichberechtigt, sie und ihre Frauen sind beruflich erfolgreich, die Kindererziehung eine gemeinsame Sache. Warum dieses Ideal gegen die Wirklichkeit nicht ankommen kann, darüber erzählt das Buch "Geht alles gar nicht" von Marc Brost und Heinrich Wefing, beide Journalisten, Ehemänner und Väter.

Und so mancher mag da denken: Herrje, nach den Frauen rufen jetzt auch noch die Männer "Uns ist es zu viel". Vielleicht aber ist es tatsächlich zu viel. Unserer Gesellschaft sind die funktionierenden Rollenmodelle ausgegangen: Die einstige Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau ist passé; was fehlt ist eine neue, praktikable für das "Alles-ist-möglich-und-deshalb-muss-es-auch-möglich-sein-Lebensmodell". In der Arbeitswelt wird mehr Flexibilität denn je gefordert, die Karrieremuster aber sind starr. Für Männer heißt das, dass sie im Beruf die alten Vollzeitjobber bleiben müssen, privat aber sollen sie die neuen Väter sein.

"Männer sind heute nicht mehr nur in Bezug auf Berufswahl und Arbeitsmarkt verunsichert, sondern haben auch im Privaten alle Sicherheiten verloren", steht in einer Studie des Bundesfamilienministeriums. Folgen hat diese Erkenntnis allerdings keine, zumal Familienpolitik heute vor allem bedeutet, Müttern mehr Zeit für den Beruf zu ermöglichen, aber eben nicht Eltern mehr Zeit für ihre Kinder. Doch ist Letzteres nicht das eigentliche Versprechen, das mit der Aufhebung der alten Rollenbilder einhergegangen ist?

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Um dieses Versprechen geht es den Autoren Brost und Wefing. Und so ist ihr Buch eine Lobbyschrift für die Familie, die von Wirtschaft und Politik das einfordert, was Väter und Mütter längst tun: ihren Teil zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beizutragen.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(RP)
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