1. Politik

Kopenhagen: Dänemark führt die Online-Scheidung ein

Kopenhagen : Dänemark führt die Online-Scheidung ein

Die bislang vorgeschriebene sechsmonatige Trennungszeit fällt durch die Reform weg.

Dänemark will seinen Bürgern die Scheidung per Mausklick ermöglichen. Im Rahmen einer umfangreichen Behördenreform hat die Regierung in Kopenhagen ein neues Scheidungsgesetz beschlossen, das eine deutliche Vereinfachung des Verwaltungsakts vorsieht.

In Zukunft sollen scheidungswillige Ehepaare weder Anwälte noch Behördengänge benötigen, ein Computer mit Internetzugang soll ausreichen. Mit einer elektronischen Identifizierungssoftware, die fast alle erwachsenen Dänen bereits für Steuererklärungen haben, kann nun auch die Online-Scheidung durchgeführt werden. Wenn sich Mann und Frau einig sind, können alle notwendigen Schritte auf dem Familien-PC durchgeführt werden. Dann muss nur noch auf die amtliche Bestätigung gewartet werden, und die Ehe ist endgültig beendet.

Auch die bisherige Trennungszeit von mindestens sechs Monaten, die dänischen Ehepaaren noch eine letzte Bedenkfrist vor der Scheidung auferlegte, wird abgeschafft. Trotz vereinfachter Prozedur kostet eine Scheidung statt bislang 500 künftig mindestens 900 Kronen (121 Euro).

Das neue Scheidungsgesetz wurde von der Koalition aus Sozialdemokraten, linker Einheitsliste und liberalen Radikalen erlassen. Nach den Worten von Per Clausen, Fraktionschef der Einheitsliste, will die Regierung die unpassende Bevormundung des Staates gegenüber erwachsenen Menschen abschaffen.

Teile der bürgerlichen Opposition, Pfarrer und Scheidungsanwälte lehnen die Gesetzesänderung ab. Die Christdemokraten fordern anonyme und kostenfreie Paartherapien, um einer steigenden Scheidungsrate vorzubeugen.

Auch Familienberater kritisieren die Reform. Die Scheidungsraten würden durch Onlinescheidungen "rapide zunehmen", warnte etwa Ingrid Ann Watson, Paartherapeutin vom dänischen Scheidungsberatungsverein. "Paare werden sich im Affekt scheiden lassen", warnt sie.

(RP)