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Bankdatenraub: HSBC-Skandal versetzt britische Politik in Aufruhr

Bankdatenraub : HSBC-Skandal versetzt britische Politik in Aufruhr

Es war der spektakulärste Bankdatenraub der vergangenen Jahre: 2008 verschwand Hervé Falciani mit Daten von 130.000 Kunden der Großbank HSBC. Journalisten werteten einen Teil der Dokumente aus und belegten, dass die Bank Schwarzgeld in Milliardenhöhe hortete.

Die britische Großbank HSBC steht nach der Veröffentlichung eines Berichts über fragwürdige Praktiken bei ihrer Schweizer Tochter unter Beschuss. Das Internationale Konsortium für Investigativen Journalismus hatte auf Grundlage bankeninterner Dokumente berichtet, dass HSBC Millionen Dollar für Drogendealer, Waffenhändler und Prominente versteckt und ihnen durch das Bankengeheimnis geholfen habe, Steuern zu umgehen.

In Großbritannien warfen Abgeordnete den Steuerbehörden vor, nicht genug gegen Steuerhinterzieher unternommen zu haben. Obwohl die fraglichen Unterlagen bereits 2010 von einem Bankmitarbeiter an die französische Regierung übergeben und von dort unter anderem nach London weitergereicht worden waren, seien Steuersünder nicht belangt worden, hieß es.

Zwar wurden von den rund 3600 Briten, die Kunden bei der Genfer HSBC waren, 135 Millionen Pfund (182 Millionen Euro) zurückgeholt, es gab aber nur eine einzige Anklage. In Frankreich kam es zu 103 Verfahren.

"Sieht man sich das Ausmaß dessen an, was da vor sich ging, fragt man sich, was nötig ist, dass ein Steuersünder vor Gericht gebracht wird", sagte die Vorsitzende des Haushaltsausschusses im britischen Parlament, Margaret Hodge, der BBC.

Sie forderte auch eine Erklärung vom früheren HSBC-Vorsitzenden und ehemaligen Handelsminister Stephen Green. "Ist er am Steuer eingeschlafen oder wusste er Bescheid und war deshalb an verdächtigen Steuerpraktiken beteiligt", fragte sie.

HSBC betonte, dass die Dokumente nur bis 2007 reichten und seitdem einige Reformen umgesetzt worden seien, um Steuerhinterziehung oder Geldwäsche zu verhindern.

(ap)