Ferguson: Davonte Hart und Bret Barnum - Dieses Bild bewegt Millionen

Proteste in Ferguson : Dieses Bild berührt Millionen Amerikaner

Der Fall Michael Brown und die folgenden Proteste in Ferguson und anderen Städten haben die Debatte über Rassismus und Polizeigewalt in den USA wieder aufflammen lassen. Nun aber macht ein Foto in den sozialen Netzwerken die Runde, das viele User als Zeichen der Hoffnung sehen. Darauf zu sehen ist ein weißer Polizist, der einen afroamerikanischen Jungen umarmt.

Die Proteste in Ferguson waren jüngst wieder aufgeflammt, nachdem die Grand Jury entschieden hatte, keinen Strafprozess gegen den weißen Polizisten Darren Wilson anzustreben. Dieser hatte den schwarzen Teenager Michael Brown nach einer Konfrontation auf der Straße erschossen. Dass er sich dafür strafrechtlich nicht verantworten muss, ist für viele Menschen in Ferguson nicht nachvollziehbar. Wieder gingen sie auf die Straße, um gegen Polizeigewalt und Rassismus zu demonstrieren — was mitunter in Gewalt endete.

Dass es auch anders geht, zeigt ein Foto, das derzeit in den sozialen Netzwerken die Runde macht. Aufgenommen hat es der freie Fotograf Johnny Nguyen in Portland bei einer Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt angesichts der Ereignisse in Ferguson. Darauf zu sehen ist der zwölfjährige Devonte Hart. Das Gesicht des afroamerikanischen Jungen ist voller Tränen, aber er wird fest umarmt — von einem weißen Polizisten.

Zigtausend User haben das Foto inzwischen in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter geteilt und kommentiert. "Ein Funken Hoffnung für die Menschlichkeit", lautet einer der Kommentare im Kurznachrichtendienst Twitter. "Ich werde dieses Foto jedem ins Gesicht halten, bis sie verstehen, warum es so wichtig ist für mich", schreibt ein anderer User. "Ein sehr starkes Foto", "mein Lieblingsbild", "Wir alle können etwas von dieser Familie lernen", lauten weitere Kommentare.

Nguyen, der das Foto aufnahm, erzählte derweil dem Portal "Oregon Live", wie das Bild entstanden ist. Es sei ein Samstag gewesen, als er auf der Demonstration in Portland fotografierte. Dann habe er diesen Jungen gesehen, der einen weißen Mann umarmte — es war nicht der Polizist. "Und ich dachte: Was für ein starkes Bild: Ein weißer amerikanischer Mann umarmt einen jungen schwarzen amerikanischen Jungen." Als sich der Junge schließlich abgewendet habe, habe er gesehen, dass sein Gesicht tränenüberströmt war und er ein Schild um den Nacken trug mit der Aufschrift: "Kostenlose Umarmungen."

Der Fotograf habe ihn angesprochen und ihn gefragt, ob der Junge denn wisse, um was es bei der Demonstration ging, was dieser wiederum bejahte. Und seine Mutter, die bei ihm stand, habe gesagt: "Devonte hat einfach ein großes Herz." Später dann habe er gesehen, wie der Polizist Bret Barnum mit dem Jungen namens Devonte Hart gesprochen habe — und sich die beiden schließlich umarmten.

This little dude has got it all figured out. His name is Devonte Hart. He is here to heal the world one hug at a… http://t.co/VgHmN84m31

Wie amerikanische Medien berichten, kommentierte die Mutter des Jungen, Jennifer Hart, das Foto ebenfalls auf Facebook. Ihr Junge habe gezittert, als er allein vor einer Polizeibarrikade gestanden habe. Nach einer Weile habe der Polizist die Hand nach ihm ausgestreckt. Zunächst sei die Situation zwischen beiden unbehaglich gewesen. Dann habe Barnum Devonte gefragt, warum er weine. Als er erfahren habe, dass sich der Junge Sorgen mache aufgrund der Polizeigewalt gegen junge schwarze Kinder, habe der Polizist unerwartet Bedauern geäußert: "Ja, ich weiß. Es tut mir leid. Es tut mir leid." Und schließlich sei es zu der Umarmung gekommen.

Für viele User in den sozialen Netzwerken jedenfalls ist es ein kleines Zeichen der Hoffnung angesichts der Gewalt der vergangenen Wochen. Und auch der Fotograf Nguyen bedankte sich bei Instagram, dass so viele sein Bild geteilt hätten. "Ihr spielt eine große Rolle, weil ihr die Botschaft von Hoffnung und Menschlichkeit, die man auf dem Foto sieht, teilt."

(das)