Marine Le Pen - Frau 100 Prozent

Front National bestätigt Vorsitzende : Marine Le Pen - Frau 100 Prozent

Auf solche Werte kommt sonst nur Kim Jong Un: Marine Le Pen ist mit 100 Prozent der Stimmen als Vorsitzende des rechtsnationale Front National (FN) wiedergewählt worden. Ihre Familie hat die Partei offenbar fest im Griff. Auch ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pe erzielte ein herausragendes Ergebnis.

Die Tochter des Parteigründers Jean-Marie Le Pen war die einzige Kandidatin und erzielte beim Votum der Parteimitglieder daher ein Ergebnis von 100 Prozent der abgegebenen Stimmen, wie die FN am Sonntag bei ihrem Parteitag in Lyon mitteilte. Die 46-Jährige führt die FN seit 2011.

Bei der im Vorfeld des Parteitags abgehaltenen Wahl zum Parteivorsitz reichten 22.329 FN-Mitglieder einen Wahlzettel ein, wie der FN-Wahlverantwortliche Jean-François Jalkh sagte. 17 davon waren ungültig - damit gab es 22.312 Stimmen für Le Pen. Gemessen an der Zahl der FN-Mitglieder, die ihre Mitgliedsbeiträge ordnungsgemäß bezahlen, liege die Wahlbeteiligung bei 53 Prozent.

Beim Parteitag in der ostfranzösischen Stadt Lyon am Samstag und Sonntag wurden einige Spitzenposten der FN neu besetzt. So wurde Nicolas Bay zum neuen Generalsekretär ernannt. Der bisherige FN-Generalsekretär Steeve Briois übernimmt einen der Vize-Präsidenten-Posten.

Vor dem Parteitag hatten die FN-Mitglieder auch das Zentralkomitee gewählt, eine Art Parteiparlament mit 120 Mitgliedern. Die Ergebnisse wurden in Lyon bekanntgegeben. Marine Le Pens Nichte Marion Maréchal-Le Pen konnte dabei einen großen Erfolg verzeichnen: Frankreichs mit 24 Jahren jüngste Parlamentsabgeordnete erhielt die meisten Stimmen aller Kandidaten.

Sie landete deutlich vor der Nummer zwei der Partei, Florian Philippot, der als innerparteilicher Konkurrent gilt und auf Platz vier kam. Die Wahlen zum Zentralkomitee gelten als Popularitätstest innerhalb der Partei. Trotz ihres Erfolgs wurde Marion Maréchal-Le Pen nicht in das Parteipräsidium berufen. Sie wird aber dem künftigen Parteivorstand angehören.

Begleitet wurde der FN-Parteitag von einer Gegendemonstration, bei der es am Samstag zu Ausschreitungen kam. Die Polizei nahm laut Behördenangaben 14 Menschen fest, unter ihnen zwei Deutsche. Die meisten von ihnen wurden bis zum Abend wieder freigelassen.

Tausende Menschen waren einem Aufruf von Anti-Rassismus-Organisationen, linken Parteien und Gewerkschaften gefolgt und aus Protest gegen die rechtsextreme Partei durch die Innenstadt von Lyon gezogen. Eine Gruppe von Demonstranten, viele von ihnen schwarz angezogen und maskiert, zerstörte dabei Schaufensterscheiben von Geschäften und bewarf Polizisten mit Steinen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die Randalierer ein.

Marine Le Pen fährt einen gemäßigteren Kurs als ihr Vater - eine Strategie, die offenbar aufgeht. Die FN konnte im Wahljahr 2014 zahlreiche Erfolge erzielen und schockierte damit sowohl die in Frankreich regierenden Sozialisten als auch die konservative Opposition. Sie hat Chancen, auch die Präsidentschaftswahlen 2017 gewinnen zu können und gilt den Konservativen um den frisch gewählten Nicolas Sarkozy als größte Herausforderung. Sarkozy ist programmatisch bereits weit nach rechts gerückt, um Stimmen der FN-Wähler abzugreifen.

Bei den Kommunalwahlen im März eroberte die rechtsextreme Partei rund ein dutzend Rathäuser, bei den Europawahlen zwei Monate später wurde sie erstmals in Frankreichs Geschichte stärkste Kraft. Ende September zog sie zudem erstmals in den französischen Senat ein. Würden derzeit Präsidentschaftswahlen abgehalten, könnte Parteichefin Le Pen in der ersten Wahlrunde sogar auf dem ersten Platz landen.

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(AFP)