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Mahnwache vor Altem Rathaus: Grevenbroicher setzen „Zeichen für Vernunft“

Mahnwache vor dem Alten Rathaus : Grevenbroicher setzen „Zeichen für Vernunft“

Rund 150 Menschen versammelten sich am Montag auf dem Marktplatz und gedachten der Corona-Opfer. Die Fraktionschefs legten einen Blumenstrauß nieder. Die Zahl der „Spaziergänger“ war zur selben Zeit verschwindend gering.

Etwa 150 Menschen sind am Montagabend auf dem Marktplatz zusammengekommen, um dort der Corona-Opfer zu gedenken und für solidarisches Handeln zu werben. Aufgerufen zu dieser kurzen Mahnwache hatten die demokratischen Parteien und Wählergemeinschaften des Rates. Gemeinsam mit Bürgermeister Klaus Krützen legten die Vorsitzenden der Fraktionen einen Blumenstrauß vor dem Alten Rathaus nieder, bevor die Teilnehmer der Demonstration ihre mitgebrachten Kerzen auf der Eingangstreppe platzierten.

Mit der Mahnwache, die von Polizei und Ordnungsamt begleitet wurde, sollte ein Gegenpol zu den „Spaziergängern“ gesetzt werden, die seit einigen Wochen durch die Innenstadt ziehen. Am Montagabend war deren Zahl allerdings verschwindend gering. 

Was derzeit in Grevenbroich und an vielen Orten in Deutschland passiere, sei zum Teil eine Verhöhnung des demokratischen Rechtsstaates, sagte Klaus Krützen in seiner Ansprache. Wer Demonstrationen organisiere, ohne sie anzumelden, provoziere nicht nur, „sondern handelt schlicht nicht im Sinne der Väter und Mütter des Grundgesetzes“, betonte der Bürgermeister.

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Wer nicht damit einverstanden sei, wie Deutschland die Pandemie bewältigt, dürfe das frei sagen, gegebenenfalls vor Gericht klagen. Aber: „Solche Meinungen muss und sollte man nicht teilen. Denn sie sind geprägt von der Ignoranz wissenschaftlicher Erkenntnisse, dem Ausblenden von Fakten und leider auch von Frust und Unsicherheit“, sagte der Verwaltungschef.

Wer der Meinung sei, dass Impfungen schädlich und als Mittel der Pandemiebewältigung ungeeignet seien, müsse sich vor Augen halten, „dass die breite Mehrheit in diesem Land in einem großen Konsens die gegenteilige Meinung vertritt“, machte der Bürgermeister deutlich. Gemeinsames Ziel müsse es sein, die Opferzahlen der Pandemie so gering wie möglich zu halten: „Impfungen sind ein ganz wichtiges Instrument dafür.“

455 Grevenbroicher waren nach Angaben des Rhein-Kreises Neuss am Montag mit Corona infiziert. Seit Beginn der Pandemie vor 22 Monaten haben sich mehr als 5213 Menschen in der Stadt mit dem Virus infiziert, 54 Todesopfer gibt es zu beklagen. Deutschlandweit liegt die Zahl der Toten bei 117.000 – das entspreche der Einwohnerzahl von Städten wie Bottrop oder Göttingen, machte Krützen deutlich.

Von der Zahl der Teilnehmer waren die Organisatoren um Peter Gehrmann überrascht. „Die Resonanz ist überwältigend. Mit so vielen Menschen haben wir nicht gerechnet“, sagte der Fraktionschef der Grünen mit Blick auf die Teilnehmer, die sich mit 1,5 Meter Abstand auf einem Teil des mit Flatterband abgesperrten Marktplatzes versammelt hatten. Mit der abendlichen Mahnwache sollte ein „klares Zeichen für Vernunft und gegen Gewalt und Verschwörungs-Ideologien“ gesetzt werden. „Ich glaube, das ist uns gelungen“, resümierte Gehrmann zufrieden.