Front National: Delegierte wählen Le Pen mit 100 Prozent zur Vorsitzenden

Front National : Delegierte wählen Le Pen mit 100 Prozent zur Vorsitzenden

Mit einem Ergebnis von 100 Prozent der abgegebenen Stimmen ist die rechtsextreme französische Politikerin Marine Le Pen als Vorsitzende ihrer Partei Front National (FN) wiedergewählt worden.

Der Ausgang der parteiinternen Abstimmung wurde am Sonntag beim Parteitag der Front National in Lyon offiziell bekanntgegeben. Die 46-jährige Le Pen hatte bei der Wahl keine Herausforderer. Die Politikerin, Tochter des Parteigründers Jean-Marie Le Pen, steht seit Anfang 2011 an der Spitze der Front National. Sie fährt einen gemäßigteren Kurs als ihr Vater und führte die FN damit in diesem Jahr zu mehreren Wahlerfolgen, unter anderem bei den Europawahlen im Mai.

Die Front National hielt das ganze Wochenende über im ostfranzösischen Lyon ihren Parteitag ab. Dort wurde unter anderem das Ergebnis der Wahl des FN-Zentralkomitees, eine Art Parteiparlament, bekanntgegeben. Le Pens Nichte Marion Maréchal-Le Pen konnte dabei einen großen Erfolg verzeichnen: Frankreichs mit 24 Jahren jüngste Parlamentsabgeordnete erhielt mit einer Zustimmung von 80 Prozent die meisten Stimmen der Parteimitglieder.

Sie landete deutlich vor der Nummer zwei der Partei, Florian Philippot, der als innerparteilicher Konkurrent gilt und auf Platz vier kam. Die Wahlen zum Zentralkomitee gelten als Popularitätstest innerhalb der Partei.

Begleitet wurde der FN-Parteitag von einer Gegendemonstration, bei der es am Samstag zu Ausschreitungen kam. Die Polizei nahm laut Behördenangaben 14 Menschen fest, unter ihnen zwei Deutsche. Die meisten von ihnen wurden bis zum Abend wieder freigelassen.

Tausende Menschen waren einem Aufruf von Anti-Rassismus-Organisationen, linken Parteien und Gewerkschaften gefolgt und aus Protest gegen die rechtsextreme Partei durch die Innenstadt von Lyon gezogen. Eine Gruppe von Demonstranten, viele von ihnen schwarz angezogen und maskiert, zerstörte dabei Schaufensterscheiben von Geschäften und bewarf Polizisten mit Steinen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die Randalierer ein.

Die FN konnte im Wahljahr 2014 zahlreiche Erfolge erzielen und schockierte damit sowohl die in Frankreich regierenden Sozialisten als auch die konservative Opposition. Bei den Kommunalwahlen im März eroberte die rechtsextreme Partei rund ein Dutzend Rathäuser, bei den Europawahlen zwei Monate später wurde sie erstmals in Frankreichs Geschichte stärkste Kraft. Ende September zog sie zudem erstmals in den französischen Senat ein. Wären heute Präsidentschaftswahlen, könnte Parteichefin Le Pen in der ersten Wahlrunde sogar auf dem ersten Platz landen.

(AFP)