Donald Trumps Gipfeltreffen mit Kim Jong Un bleibt ohne Ergebnis

Kommentar zum Scheitern des Gipfels : Trumps Kim-Show hat keine Substanz

US-Präsident Donald Trump will das Unmögliche schaffen und den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un zum atomaren Abrüsten bewegen. Das ist aller Ehren wert. Doch seine Gipfeltreffen sind vor allem eines: eine große Show ohne Substanz.

Es lässt sich wohl nicht belegen, aber dass US-Präsident Donald Trump just in dem Moment mit großem Pomp das Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un in Vietnam inszeniert, als sein ärgster Widersacher, Ex-Berater Michael Cohen, im Kongress über die angeblichen Lügen und Schweigegeld-Zahlungen Trumps auspackt, ist schon ein seltsamer Zufall. Der Korea-Gipfel mit Kim soll Trump auch öffentlich die Anerkennung als großer Staatsführer bringen, als der er sich selbst sieht. Dafür nimmt der selbst ernannte Führer der freien Welt auch in Kauf, den Mann als „Freund“ und „großen Anführer“ zu bezeichnen, der Tausende Regimegegner in Internierungslagern einkaserniert und seinem Volk jegliche Freiheitsrechte abspricht.

Doch auch die schmerzhafteste Realpolitik wäre ja gerechtfertigt, wenn sie zu konkreten Verbesserungen führt. Doch Trumps große Kim-Show brachte in Vietnam keine Ergebnisse. Es sei keine gute Idee, etwas zu unterzeichnen, sagte Trump. Ach, nein? Dabei geht es doch genau darum: Nordkorea muss eine klare, konkrete und nachvollziehbare Verabredung zur Abrüstung ihres Nukleararsenals unterzeichnen, wenn diese Show-Treffen überhaupt Sinn machen sollen. Nur dann kann es wirtschaftliche Hilfen und einen Abbau der Sanktionen für das bitterarme Land geben. Und genau dies ist der Ansatzpunkt, warum sich Nordkoreas Staatschef Kim überhaupt zu den Gesprächen begeben hat. Je stärker sich die südostasiatischen Staaten, auch der große Bruder China, wirtschaftlich nach vorne entwickeln und neuen Wohlstand erzeugen, desto größer ist der Druck auf Nordkorea, das immer weiter zurückfällt. Die Informationen der Überläufer an die zurückgebliebenen Familienmitglieder sind zahlreich. Die technischen Möglichkeiten, auch von dem am meisten abgeschotteten Land der Welt aus Informationen über moderne Gesellschaften zu bekommen, sind größer denn je. Kim braucht wirtschaftliche Erfolge, er braucht Exporte und Deviseneinnahmen. Und Trump hat den Hebel dafür in der Hand. Er muss dafür ein schriftlich fixiertes, von einem international besetzten (am besten mit China) Staatengremium kontrolliertes Nuklearabbauprogramm bekommen.

Der Gipfel in Vietnam hat- außer  freundschaftlicher Rhetorik und  bunter Bilder eines seltsam anmutenden Männergespanns, nichts gebracht. Ein drittes Treffen sollte es nur geben, wenn die beabsichtigte Denuklearisierung nicht nur in jeder Pressekonferenz, sondern auch in einem völkerrechtlich bindenden Dokument festgehalten wird.

Mehr von RP ONLINE