Gipfel in Hanoi: Atomare Abrüstung in Nordkorea für Trump nicht eilig

Gipfel in Hanoi : Trump sieht „keine Eile“ für atomare Abrüstung in Nordkorea

Den Abbau der nordkoreanischen Atomwaffen und Raketen schiebt der US-Präsident auf die lange Bank. Kim Jong Un kann sich ein US-Verbindungsbüro in Nordkorea vorstellen.

US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un haben ihre Gespräche am Donnerstag in Hanoi fortgesetzt. Fraglich ist, ob und wenn ja welche Zugeständnisse Kim bei seinem Nuklearprogramm machen könnte. Zum Auftakt des zweiten Tages dämpfte der US-Präsident die Erwartungen: „Es gibt keine Eile. Wir wollen einfach nur den richtigen Deal machen.“

Trumps demonstrative Gelassenheit steht in Kontrast zu seinem Verhalten vom vergangenen Jahr. Damals hatte er die Bedrohung durch Pjöngjang als derart gravierend bezeichnet, dass er Nordkorea mit „Feuer und Zorn“ drohte. In Hanoi zeigte Trump sich nun bereit, einen langsameren Zeitplan für eine atomare Abrüstung der Führung um Kim zu akzeptieren. „Tempo ist nicht wichtig“, sagte er.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sagte, er würde die Eröffnung eines US-Verbindungsbüros in seinem Land begrüßen. Ein Verbindungsbüro hat nicht den Rang einer Botschaft, würde aber einen Schritt hin zu einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Washington und Pjöngjang bedeuten. Kim bekräftigte außerdem seinen Willen zur Denuklearisierung. Auf die Frage ob er zur Abrüstung bereit wäre, sagte er: „Wenn ich nicht gewillt wäre, wäre ich jetzt nicht hier.“ Trump wiederholte unterdessen seine Aussage, bei einem Verzicht auf seine Atomwaffen stehe Nordkorea eine blühende wirtschaftliche Zukunft bevor.

Am Mittwochabend hatten sich Trump und Kim zu einem Abendessen getroffen, von dem ein Teil der Journalisten kurzfristig ausgeschlossen wurde. Überschattet wurde Trumps Auftritt in Hanoi von der Aussage seine früheren Anwalts Michael Cohen, der in Washington vor dem Kongress schwere Vorwürfe gegen ihn erhob.

Zu Beginn ihres zweiten Gipfeltags zeigten sich Trump und Kim nur in Begleitung ihrer Dolmetscher. Dabei demonstrierten der 72 Jahre alte US-Präsident und der auf Mitte 30 geschätzte Machthaber große Verbundenheit.„Die Beziehung ist einfach sehr stark und wenn man eine gute Beziehung hat, geschehen viele gute Dinge“, sagte Trump.Die „ganze Welt blickt jetzt auf diesen Ort“, ergänzte Kim über seinen Übersetzer. Dass er und Trump „Seite an Seite zusammensitzen“, müsse auf einige wohl wie „ein Fantasy-Film“ wirken.

Der Nordkoreaner äußerte sich zunächst nicht zu konkreten Details zu Raketenprogramm und Atomtests. Auf die Frage, ob er zuversichtlich über den Verlauf des Gipfels sei, antwortete Kim aber: „Es ist zu früh, das zu sagen. Aber ich würde nicht sagen, dass ich pessimistisch bin. Im Moment habe ich das Gefühl, dass es gute Ergebnisse geben wird.“

Im Laufe des Donnerstags ist eine Erklärung und eine Unterzeichnungszeremonie angesetzt. Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Beide Seiten hatten im Vorfeld von der Möglichkeit eines Friedensabkommens gesprochen. Seit dem Ende des Korea-Krieges 1953 befinden sich die beiden koreanischen Staaten formell im Krieg, der durch einen Waffenstillstand ausgesetzt ist.

Bei ihrem historischen ersten Gipfel im vergangenen Juni in Singapur hatten sich Trump und Kim in einer vagen Erklärung auf eine atomare Abrüstung Nordkoreas geeinigt, doch blieben konkrete Schritte bisher aus.

(juju/dpa/ap/rts)
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