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Düsseldorf: Hans Albert Peters - der Pionier der modernen Museumsarbeit ist tot

Düsseldorf : Hans Albert Peters - der Pionier der modernen Museumsarbeit ist tot

Als das Düsseldorfer Museum Kunstpalast noch schlicht Kunstmuseum Düsseldorf hieß und allein der Stadt, nicht einer Stiftung gehörte, setzte Hans Albert Peters als Direktor die Zeichen auf Internationalisierung. 16 Jahre lang, von 1979 bis 1995, leitete er die Geschicke des Hauses am Ehrenhof. Jetzt ist der 1937 in Euskirchen geborene Kunsthistoriker gestorben.

Wer Peters kannte, hat einen streitbaren Mann in Erinnerung, der sein Museum unbedingt voranbringen wollte. Vorgesetzte, Mitarbeiter und Journalisten - mit allen legte er sich an, wenn er der Meinung war, er könne seinem Ziel näher kommen. Und das war hochgesteckt. Er wollte das betuliche Regionalmuseum in ein Haus von internationalem Rang verwandeln.

Peters hatte sich seine Sporen als Direktor der Kunsthalle Baden-Baden verdient. Als die Stadt Düsseldorf ihn an den Rhein holte, erwartete sie von ihm, dass auch dort solcher Glanz strahle. Doch unerwartet türmten sich Hindernisse auf. Kaum hatte er sein Amt angetreten, musste das Haus wegen Einsturzgefahr schließen. Bis zur Wiedereröffnung 1985 nutzte das Museum Ausweichquartiere. So verging wertvolle Zeit, in der man das Profil des Hauses bereits hätte schärfen können. Kurz nach der Wiedereröffnung sah es sich dann der neu erstandenen Konkurrenz der Kunstsammlung NRW am Grabbeplatz und des eben erst erbauten Museums Ludwig in Köln ausgesetzt.

Peters hatte die lange Zeit der Schließung für Erwerbungen genutzt - darunter Werke der Transavanguardia, jener farbenfrohen, wilden Malerei aus Italien, die hierzulande großes Interesse auf sich zog. Von der Stadt Düsseldorf fühlte er sich nicht genug unterstützt. Zu allem Überfluss setzte 1993 eine explodierende Video-Installation einen Museumsraum in Brand und kontaminierte das Haus, so dass es erneut schließen musste. Dennoch gelang Peters - mit Hilfe eines Sponsors - ein Coup: die 1994 arrangierte Ausstellung "Die Sammlung Kahnweiler", finanziert von der Telekom. Damit zählte Peters nicht nur zu den Ersten, die sich das Geld für eine sogenannte Blockbuster-Schau selbst organisierten, sondern auch zu den Pionieren jener heute üblichen Museumsarbeit, die um eine Schau "Events" gruppiert und so die Anzahl der Besucher erhöht.

Es gab auch Niederlagen in Peters' Museumspolitik. Die Sammlung Ulbricht, die er als Dauerleihgabe in sein Haus holen wollte, landete in der Kunstsammlung NRW. Und 1993 schadete eine bundesweit beachtete Posse dem Ansehen des Museums. Peters hatte eine von seinem Mitarbeiter Stephan von Wiese ausgerichtete Schau zum Werk des Düsseldorfer Malers Gert H. Wollheim (1894-1974) nach der Eröffnung kurzerhand umgehängt, weil ihm die Präsentation nicht gefiel. Der damalige Kulturdezernent Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff hielt sich aus dem Streit wohlweislich heraus. Hinter den Kulissen hatte es allerdings schon länger gebrodelt. So zog sich Peters 58-jährig "aus gesundheitlichen Gründen" in den Vorruhestand zurück. In seinem Lieblingsland Italien blühte er dann noch einmal auf.

Über italienische Kunst hatte er schließlich seine Dissertation verfasst. Man sah ihn regelmäßig auf der Biennale von Venedig und immer wieder auch gut gelaunt auf Kunstmessen des Rheinlands. So heiter und gelassen werden ihn die meisten in Erinnerung behalten.

(RP)