Nach Anschlag auf Peter de Vries TV-Sendung wegen Drohungen abgesagt

Amsterdam · Nach dem Mordanschlag auf den Reporter Peter R. de Vries ist das Entsetzen und die Trauer in den Niederlanden weiter groß. Wegen Drohungen musste am Samstag eine Fernsehsendung abgesagt werden.

 Auf Initiative von Einwohnern wurden am Freitag 4000 weiße Rosen auf dem Dam abgelegt, dem zentralen Platz von Amsterdam.

Auf Initiative von Einwohnern wurden am Freitag 4000 weiße Rosen auf dem Dam abgelegt, dem zentralen Platz von Amsterdam.

Foto: AP/Peter Dejong

Wenige Tage nach dem Mordanschlag auf den niederländischen Kriminalreporter Peter R. de Vries ist am Samstag eine Fernsehsendung wegen Drohungen abgesagt worden. Das Studio im Zentrum von Amsterdam sei aus Sicherheitsgründen geräumt worden, teilte der Sender RTL mit. De Vries war am Dienstagabend vor dem Studio auf offener Straße niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt worden, nachdem er in der Live-Sendung RTL Boulevard aufgetreten war.

Ein Sprecher der Amsterdamer Stadtverwaltung erklärte, es sei eine ernstzunehmende Drohung gegen die Sendung eingegangen. Justizminister Ferd Grapperhaus sagte, es seien daraufhin „sichtbare und auch unsichtbare Maßnahmen“ ergriffen worden. Einzelheiten wurden nicht genannt.

Nach dem Mordanschlag hat dessen Sohn für ein älteres Familienfoto, das ihn mit seinem Vater zeigt, großen Zuspruch bekommen. Tausende Menschen markierten das am Samstag auf Twitter veröffentlichte Bild mit „Gefällt mir“. Bereits am frühen Nachmittag stand der Zähler auf rund 25.000 Likes, zudem wurde das Foto hunderte Male weitergeleitet.

Der Sohn Royce de Vries machte keine Angaben zu der Aufnahme, er stellte ein Herzsymbol dazu. Sein 64 Jahre alter Vater war Dienstagabend mitten in Amsterdam niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt worden. Zu seinem Gesundheitszustand gab es am Samstag zunächst keine weiteren Mitteilungen. In Medienberichten hieß es, es sei weiterhin kritisch.

Kurz nach dem Anschlag waren zwei Männer aufgrund von Aussagen von Augenzeugen und Kamerabildern festgenommen worden. Ein 21-jähriger Rotterdamer soll der Schütze sein. Ein 35 Jahre alter Pole mit Wohnsitz im Dorf Maurik im Südosten der Niederlande soll das Fluchtauto gefahren haben. Die Untersuchungshaft der beiden Tatverdächtigen wurde am Freitag um zunächst zwei Wochen verlängert.

Die Polizei nannte bislang keine Einzelheiten über Hintergründe oder Motive. Weithin wird in den Niederlanden das organisierte Verbrechen für den Mordanschlag verantwortlich gemacht.

De Vries war am Dienstagabend nach einem Auftritt in einer Talkshow auf offener Straße in Amsterdam niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt worden. Der 64-Jährige ist wegen seiner Rolle in hochkarätigen Kriminalfällen sowie als Sprecher von Kriminalitätsopfern bekannt. Medienberichten zufolge agierte er zuletzt als Vertrauensperson des wichtigsten Kronzeugen in einem Prozess gegen den mutmaßlichen Drogenboss Ridouan Taghi.

Nach früheren Angaben von de Vries stand er auf Taghis „Abschussliste“. Der Drogenboss gilt als meistgesuchter Verbrecher der Niederlande, seine Organisation wird von Staatsanwälten als „gut geölte Tötungsmaschine“ beschrieben.

Der Angriff auf den Journalisten hatte in den Niederlanden für Entsetzen gesorgt. Auf Initiative von Einwohnern wurden am Freitag 4000 weiße Rosen auf dem Dam abgelegt, dem zentralen Platz von Amsterdam.

(lha/dpa/afp)