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Frankfurt: Eine Polizistin ringt um ihren Sohn

Frankfurt : Eine Polizistin ringt um ihren Sohn

Das Erste zeigt die Geschichte einer Alleinerziehenden, die sich schwer von ihrem Sohn lösen kann.

Die Bande zwischen alleinerziehenden Müttern und ihren Kindern sind oft besonders eng. Vielen dieser Mütter fällt es offenbar schwerer als Elternpaaren, den Jugendlichen den Freiraum zur eigenen Entfaltung zu geben. Diese Erfahrung macht auch die Frankfurter Hauptkommissarin Caro (Corinna Harfouch). Immer wieder sieht sie großzügig über die kleinen Verfehlungen ihres Sprösslings Ben (Simon Jensen) hinweg. Bis eine gewalttätige Einbruchserie in ihr einen Verdacht weckt, dem sie sich stellen muss.

Die Nähe zwischen den beiden wird auf eine harte Probe gestellt. Corinna Harfouch spielt die Beamtin und Mutter, die zwischen Vertrauen in ihren Sohn und ihrem Beruf hin- und hergerissen wird. Sie quält die Frage, wie ihr Sohn zu einem Schläger und Dieb werden konnte.

Eine verständnisvolle Mutter wie Caro wünscht sich jedes Kind. Gemeinsam schippert sie mit ihrem Sohn Ben auf dem Main, sie toleriert sein Kiffen und drückt ein Auge zu, als er an der Tankstelle einen Schokoriegel klaut. Der Schüler ist 18 und formal selbstständig. Trotzdem beobachtet Caro beunruhigt, dass seltsame Freunde, Feten und Chillen wichtiger werden als Zeit mit Mama.

Wenige Tage nach dem Schokodiebstahl wird auf eine andere Tankstelle ein brutaler Überfall verübt; der Tankwart fällt nach Fußtritten ins Koma. In der Polizistin erwacht der Beschützerinstinkt, sie sabotiert die Arbeit der Kollegen und vernichtet sogar Beweismittel.

Keinem ihrer Kollegen kann sie den schlimmen Verdacht anvertrauen, und Bens Vater (Peter Lohmeyer) ist mit Arbeit und neuer Familie beschäftigt. Als sie nach langem Grübeln endlich den Mut fasst, ihren Sohn mit ihren Zweifeln zu konfrontieren, könnte es schon zu spät sein.

Die dargestellte Grundsituation können wohl alle Eltern nachvollziehen: Wie finden sie die Balance zwischen Loslassen und Fürsorge bei Heranwachsenden, die nicht länger jedes Detail ihres Lebens mit ihren Eltern teilen wollen? Der Film von Petra Katharina Wagner setzt noch eins drauf und zeichnet das stimmige Psychogramm einer Frau in einer Ausnahmesituation.

"Viel zu nah", ARD, 20.15 Uhr

(kna)