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Internationaler Frauentag: Gewalttätige Konfrontationen bei Protesten und Demonstrationen

Steinwürfe und Tränengas : Gewalttätige Konfrontationen bei Protesten zum Frauentag

Am Internationalen Frauentag haben Frauen auf der ganzen Welt mehr Rechte gefordert. Dabei kam es vielerorts zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstrantinnen und Sicherheitskräften.

Ungeachtet der Ängste vor einer Ausbreitung des Coronavirus beteiligten sich am Sonntag tausende Menschen an Demonstrationen. Im ultrakonservativen Pakistan gab es in mehreren Städten Kundgebungen zum Internationalen Frauentag - und auch Gegendemonstrationen. In der Hauptstadt Islamabad forderten rund tausend Frauen und auch einige Männer gleiche Rechte für die Geschlechter. "Frauen in Pakistan werden als Eigentum ihres Mannes angesehen", kritisierte Teilnehmerin Tahira Maryum. "Es ist nichts Anstößiges daran, seine Rechte einzufordern."

Die Demonstrantinnen wurden nur durch eine Polizeikette von der Gegenkundgebung getrennt. Bei dieser hielten in Burkas gekleidete Frauen Schilder wie "Anti-Feminist" und "Unser Körper, Allahs Wille" in die Höhe. Ein AFP-Reporter sah, wie Männer mit Steinen und Stöcken auf die Frauentags-Demonstrantinnen warfen.

Zu Ausschreitungen kam es auch bei einer Demonstration gegen Gewalt gegen Frauen in Kirgistan. Maskierte Männer mit traditionellen Kopfbedeckungen attackierten die Teilnehmerinnen in Bischkek, bewarfen sie mit Eiern und entrissen ihnen die Plakate. Die Polizei nahm mehrere dutzend Frauen fest.

In Istanbul setzte die türkische Polizei Tränengas, um eine nicht genehmigt Kundgebung am zentralen Taksim-Platz aufzulösen. Wie schon im vergangenen Jahr hatten die Istanbuler Behörden die Demonstration nicht genehmigt und alle Straßen zum Taksim-Platz und zur Einkaufsstraße Istiklal abgeriegelt. Trotzdem versammelten sich hunderte Frauen, um für ihre Rechte und gegen Gewalt zu protestieren.

Auch in Chile kam es zu gewalttätigen Konfrontationen mit der Polizei. Demonstranten in der Hauptstadt Santiago versuchten am Sonntag, Barrieren rund um den Präsidentenpalast zu überwinden. Die Polizei trieb sie mit Tränengas und Wasserwerfern zurück. Teilnehmer der Demonstrationen forderten den Rücktritt von Präsident Sebastián Piñera. An den Demonstrationen zum Frauentag in Santiago nahmen nach Schätzungen der Polizei mehr als 125.000 Menschen teil.

In Europa war die Beteiligung an Demonstrationen vielerorts geringer als in den Vorjahren. Viele Frauenrechtsgruppen organisierten unter den Hashtags #FemaleStrike und #38InternationalWomensDay Internet-Kampagnen statt Straßenmärsche. In Paris stürmten Femen-Aktivistinnen mit blankem Oberkörper auf den Place de la Concorde, zugleich wurde in Frankreich über Polizeigewalt gegen eine Frauen-Demonstration am Vorabend gestritten.

In Asien wurden die Frauentags-Demonstrationen massiv von der Angst vor dem neuartigen Coronavirus überschattet. Demonstranten in Bangkok forderten angesichts dutzender Infektionsfälle in Thailand einen besseren Arbeitsschutz und mehr Rechte für Frauen. In China, wo die Coronavirus-Epidemie ihren Ausgang nahm, hoben Staatsmedien den Einsatz von weiblichem medizinischen Personal im Kampf gegen das Virus hervor.

In Südkorea, das mit mehr als 7000 nachgewiesenen Coronavirus-Fällen der größte Infektionsherd außerhalb Chinas ist, wurden mehrere geplante Veranstaltungen zum Frauentag abgesagt. "Auch wenn wir nicht physisch zusammen sein können, ist unser Bewusstsein für Geschlechtergerechtigkeit stärker als je zuvor", sagte die südkoreanische Gleichstellungsministerin in einer Videobotschaft.

In Indien wurde wegen der Coronavirus-Epidemie ein geplanter Frauen-Marathon abgesagt. Anlässlich des Weltfrauentags überließ Premierminister Narendra Modi jedoch seine Konten in den Online-Diensten prominenten Frauen.

Die Demonstration in der philippinischen Hauptstadt Manila richtete sich auch gegen Präsident Rodrigo Duterte, dem immer wieder Frauenfeindlichkeit vorgeworfen wird. Demonstranten verbrannten eine riesige Puppe, die Duterte darstellte. Im indonesischen Jakarta forderten Demonstrantinnen Gesetze gegen sexuelle Gewalt.

UN-Generalsekretär António Guterres beklagte eine "gewaltige Ungleichheit der Geschlechter in Politik und Wirtschaft". Er bezeichnete die mangelnde Gleichstellung in vielen Bereichen als "die überwältigende Ungerechtigkeit unserer Zeit und die größte Herausforderung für die Menschenrechte". Das 21. Jahrhundert müsse das "Jahrhundert der Gleichstellung von Frauen sein", forderte Guterres in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS). Er kritisierte auch den täglichen Sexismus, dem Frauen ausgesetzt seien.

(AFP)