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Niederrhein: Neue Domglocken feierlich geweiht

Niederrhein : Neue Domglocken feierlich geweiht

Bewusst wurde der Jahrestag der Priesterweihe von Karl Leisner als Termin gewählt. Ein Pontifikalamt erinnerte an den Märtyrer.

Heute ist eine Glockenweihe ein seltenes Ereignis. So war die Freude am Sonntag Gaudete nicht nur für die Propsteigemeinde St. Viktor Xanten, sondern darüber hinaus für zahlreiche Gläubige vom Niederrhein besonders groß, denn drei neue Domglocken konnten durch Weihbischof Wilfried Theising feierlich geweiht werden. Sie standen, mit einem grünen Kranz und gelben und blauen Blumen geschmückt, im Kreuzgang.

Dieser Tag der Weihe war bewusst gewählt, denn eine dieser Glocken trägt den Namen Karl Leisner, der am 3. Adventssonntag 1944, also vor nunmehr 70 Jahren, im Konzentrationslager Dachau zum Priester geweiht wurde. Das historische sechsstimmige Geläut des Xantener Domes wurde nun um weitere drei Läuteglocken, die neben "Karl Leisner" die Namen "Kardinal von Galen" und "Gottesmutter Maria" tragen, ergänzt. Die Glocke, die den Namen des Seligen Karl Leisner trägt, der in der Krypta des Domes ruht, hat den Ton e'', wurde 1996 gegossen und wiegt 145 Kilo. Die Bildnisse zeigen das Wappen der Stifterfamilie Underberg und die Inschrift "Christus meine Leidenschaft". Die Marienglocke wiegt 530 Kilo und trägt die Inschrift: "Ich bin unsere liebe Frau vom Rosenkranz." Die von Galen-Glocke, 208 Kilo schwer, trägt den Wahlspruch des "Löwen von Münster": "Nec laudibus nec timore - weder Menschenlob, noch Menschenfurcht."

Propst Klaus Wittke begrüßte die große Gemeinde und besonders die "Läute-Kompanie" sowie Christiane Underberg-Ruder von der Stifterfamilie. Weihbischof Wilfried Theising sprach nach der Begrüßung durch Propst Klaus Wittke den Lobpreis und das Segensgebet, besprengte die Glocken mit Weihwasser und inzensierte sie mit Weihrauch. Dann wurden sie an vier Stellen mit Chrisam gesalbt. Mit kräftigen Schlägen brachte sie dann der Regionalbischof erstmals zum Klingen.

Der Domchor erfreute die Anwesenden mit dem Kanon "Die Glocken von Xanten." Der Glockenweihe schloss sich im Xantener Dom ein feierliches Pontifikalamt an, zelebriert von Weihbischof Theising. In seiner Predigt sagte er: "Gott ist treu, auch an den Orten der Gottesferne." Die Berufung zum Priestertum des Seligen Karl Leisner sei im KZ nicht geschrumpft, sondern gewachsen. "Wie er sollen wir zu den Menschen gehen, als Lichtträger und Stimme des Herrn."

Der Altpräsident des Internationalen Karl-Leisner-Kreises, Pfarrer i.R. Hans-Karl Seeger, hielt im Vortragsraum des Stiftsmuseums den Festvortrag "Was hätte uns Karl Leisner, der vor 70 Jahren zum Priester geweiht wurde, heute zu sagen?" Von dem Märtyrer sei kein letztes gesprochenes Wort überliefert. Die letzte Tagebucheintragung vom 25. Juli 1945 endete mit den Worten "Segne auch, Höchster, meine Feinde!" Aber Seeger hütet eine Karte des Glaubenszeugen vom 1. August 1945 an Schwester Arsenia, die ihn in St. Blasien gepflegt hat, wo er schreibt: "Herzlichst Ihr Karl Leisner, Kpl." (Kaplan), sein letztes schriftliches Wort. Seeger: "Er hätte 'Neupriester' schreiben können, aber er schaute noch kurz vor seinem Tod in die Zukunft. Er wollte als Priester wirken".

(RP)