Wesel: Vom reinen Öl- zum Universalhafen

Wesel: Vom reinen Öl- zum Universalhafen

Heute feiert der Rhein-Lippe-Hafen Wesel sein 60-jähriges Bestehen. Ein Blick in die Geschichtsbücher.

Ein runder Geburtstag ist immer eine willkommene Gelegenheit, in alte Chroniken zu blicken. Wer etwas zur 60-jährigen Geschichte des Rhein-Lippe-Hafens auf Weseler Stadtgebiet wissen möchte, muss noch ein wenig weiter in die Vergangenheit gehen. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erkannten die Behörden des preußischen Staates das Potenzial des an Europas Hauptwasserstraße gelegenen Gebietes, dem Lippe-Mündungsraum. Der Anschluss an die großen Häfen in Nordeuropa und an die südlichen, flussaufwärts gelegenen Häfen und Städte bot optimale Bedingungen für die Errichtung eines Hafens. Die Pläne konnten jedoch, bedingt durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg, nur schleppend umgesetzt werden. Erst 1950 griff die Stadt Wesel die Konzeption für den Bau eines Industrie- und Umschlaghafens wieder auf. Vor allem, weil die geografische Lage des Lippe-Mündungsraums durch den Bau des Wesel-Datteln-Kanals im Jahr 1930 zwischenzeitlich weiter aufgewertet worden war.

Am 2. März 1957 wurde sodann die Rhein-Lippe-Hafen Wesel/Dinslaken GmbH gegründet, deren Aufgabe es war, den Hafen zunächst zu errichten und anschließend zu betreiben. Bereits im April 1957 wurde ein Ansiedlungsvertrag mit der Firma Gelsenberg Benzin unterzeichnet und der erste Bauabschnitt des neuen Hafens begonnen. In nur drei Monaten stellten die beiden Weseler Firmen F. C. Trapp und Hülskens Wasserbau den rund 22 Hektar großen Bauabschnitt fertig. Zeitgleich mit den Bauarbeiten am Hafenbecken errichtete die Gelsenberg Benzin AG eine Mineralölumschlaganlage am nördlichen Ufer mit insgesamt drei Löschbrücken, zwei Tanklagern sowie weiteren betriebsnotwendigen Anlagen. Diese Firmenanlage wurde zudem mit einer 45 Kilometer langen Pipeline an den Firmensitz in Gelsenkirchen-Horst verbunden. Die Größe der gesamten Anlage erreichte zu der Zeit eine Dimension, mit der Gelsenberg in der Lage war, 1957 rund 30 Prozent des Rohölumsatzes der gesamten Bundesrepublik Deutschland umzuschlagen. Am 27. November 1957, also heute vor 60 Jahren, wurde die Inbetriebnahme der Anlage an Bord der Westmark gefeiert.

Gut zehn Monate danach konnte mit der BP eine weitere große Firma angesiedelt werden, die per Pipeline über den Rhein-Lippe-Hafen ihr Tanklager in Hünxe-Bucholtwelmen versorgte. Die Ansiedlung war zudem der Startschuss für die Herstellung des zweiten Bauabschnitts, der am 12. Juli 1960 offiziell abgeschlossen wurde. Der Umschlag im Rhein-Lippe-Hafen betrug 1961 rund 2,5 Millionen Tonnen. Anfang der 90er-Jahre übernahm dann die Firma Lehnkering sowohl das Tanklager in Hünxe als auch den Betrieb im Rhein-Lippe-Hafen.

Heute stehen im Rhein-Lippe-Hafen, der seit 2012 Teil des Hafenverbundes Deltaport ist, noch lediglich zwei der bei Zeiten notwendigen 26 Tanks. Diese werden von der Firma Tanquid betrieben, die, wie auch die BP, per Pipeline das Tanklager in Hünxe-Bucholtwelmen beliefert.

Mit der Zeit siedelten sich die Firmen GS-Recycling (Aufbereitung von Schmierstoffen aus dem Automotive- und Industriebereich) und Hegmann Transit (Schwergut) im Hafen an, die mit Fertigstellung der seit März 2017 im Bau befindlichen neuen Kaimauer den Umschlag im Rhein-Lippe-Hafen beginnen wollen.

(RP)