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Hamminkeln: Geisterkonzert am Sonntag in Schloss Ringenberg

Musikübertragung im Internet : Geisterkonzerte von Schloss Ringenberg

Das Trio Gleichstein wird an diesem Donnerstag anreisen und im Schloss Ringenberg Teile aus seinem Programm vor Kameras und Mikrofonen spielen. Das Ganze wird dann am Sonntag, dem ursprünglich geplanten Konzerttermin, im Internet übertragen.

Wolfgang Kostujak hat bis zuletzt den ehrenwerten Versuch gestartet, ein Konzert auf die Ringenberger Bühne zu bringen – und musste die „antizyklische Ankündigung“ doch wieder zurückziehen. Diese Geschichte ist beispielhaft dafür, wie Kulturschaffende in Zeiten der Corona-Pandemie versuchen, andere Kulturschaffende zu unterstützen.

„Präsenzveranstaltung“ heißt das Stichwort, die Derik-Baegert-Gesellschaft plante eine solche vor Publikum für den kommenden Sonntag, 26. April, 20 Uhr, im Schloss Ringenberg – einsam gegen den Trend. Wirklichkeitsfremd? Dammbruch für kleine Live-Auftritte? Am Mittwoch nun teilte Kostujak mit, dass man „nach dem aktuellsten Stand in Bezug auf die allgemeinen Kontaktsperren eine Präsenzveranstaltung nicht durchführen darf“. Doch live bleibt live – per direkter Internetübertragung. So könnte es weiteren Ringenberger Schlosskonzerten für 2020 widerfahren.

Das Ringenberger Schlosskonzert mit dem Trio Gleichenstein wird per Video pünktlich zu Konzertbeginn als Podcast auf der Seite http://www.schloss-ringenberg.de/event-2020_04_26.html eingestellt. Die Musiker Evgeny Sviridov, Alexander Scherf und Alexander Puliaev werden an diesem Donnerstag anreisen und im Schloss Teile aus dem Programm vor Kameras und Mikrofonen spielen. Kostujak: „Irgendwie war das abzusehen, und trotzdem war es richtig, die Veranstaltung auf die Agenda gesetzt zu haben.“

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Die Resonanz jedenfalls zeigt den Bedarf, vielleicht sogar das Dürsten nach Kultur und Konzert. „Seit dem Beginn der Werbung sind überraschend viele Ticketreservierungen eingegangen. Ohne Kontaktverbote hätten wir ein ausverkauftes Haus erwarten dürfen“, sagt der Veranstalter. Umso trauriger wäre eine Absage gewesen. Die könne man angesichts der Flexibilität der drei Musiker, einiger engagierter Akteure der Derik-Baegert-Gesellschaft und „einem couragierten Zugriff“ von Seiten des Vorstands den Musikfreunden ersparen.

Doch ein Video im Netz kann nicht die Atmosphäre einer Live-Veranstaltung ersetzen, und auch die Honorar- und Kostenfrage stellt sich. Kostujaks Botschaft lautet: „Wir sind überzeugt von unserem Manöver. Angesichts der aktuellen Situation versteht die Derik-Baegert-Gesellschaft ihre Aufgabe in einer sozialen Verantwortung für die kulturelle Grundversorgung und die ökonomische Unterstützung von Künstlern.“

Praktisch sieht das so aus: Die Musiker des Gleichenstein-Trios erhalten das vereinbarte Honorar, den Ausfall bei Einnahmen aus Ticketverkauf trägt der Verein aus eigener Kasse. Kostujak erläutert, dass viele Musiker, die 2020 bei den Ringenberger Schlosskonzerten verpflichtet worden sind, ihren Lebensunterhalt entweder vollständig oder zu großen Teilen aus Konzertieren bestreiten. Folge: „Nach dem vollständigen Wegbrechen dieses Marktsegmentes stehen viele von ihnen vor dem wirtschaftlichen Aus.“

Als Vorsitzender der Baegert-Gesellschaft fasse er – anders als andere Konzertveranstalter – den Auftrag einer „Förderung der Künste“ vor allem als „sozialen Imperativ“ auf. Der Plan, deswegen alle Ringenberger Schlosskonzerte 2020 wie geplant stattfinden zu lassen, ist aber hinfällig. Kostujak spricht selbst von „Geisterkonzerten“, die nun auf der Website stattfinden. Ein bisschen Galgenhumor spielt mit. „Bei kaum einem Programmpunkt hätte das je besser gepasst, als bei Beethovens ,Geistertrio’, das am 26. April auf dem Programm steht.“

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