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Interview mit dem Vorsitzenden des Stadtkulturverbands Hückeswagen

Interview mit Stefan Noppenberger (Stadtkulturverband Hückeswagen) : „Kultur bedeutet auch Gemeinschaft“

Stefan Noppenberger, Vorsitzender des Stadtkulturverbands, über die Corona-Auswirkungen auf die Kultur.

Herr Noppenberger, welchen Einfluss hat das Coronavirus auf die Kultur in Hückeswagen?

Stefan Noppenberger Die Schutzmaßnahmen betreffen derzeit alle Hückeswagener Kulturvereine. Es können derzeit keine Veranstaltungen stattfinden, auch der Probenbetrieb, Übungseinheiten und Vereinsaktivitäten sind eingestellt. Somit ist das öffentlich kulturelle Leben so ziemlich zum Erliegen gekommen.

 Stefan Noppenberger ist bereits seit 20 Jahren Vorsitzender des Stadtkulturverbands.
Stefan Noppenberger ist bereits seit 20 Jahren Vorsitzender des Stadtkulturverbands. Foto: Stephan Büllesbach

Wie viele Veranstaltungen mussten abgesagt werden?

Noppenberger Seit dem 15. März dürfen offiziell keine Veranstaltungen in Hückeswagen mehr stattfinden. Seitdem sind etwa 20 Veranstaltungen alleine im Kulturbereich ausgefallen.

Was war die bislang letzte Veranstaltung in Hückeswagen?

Noppenberger Das müsste der Auftritt der Münchener Kabarettistin Angelika Beier im Kultur-Haus Zach am 14. März gewesen sein. Die Veranstaltung fand schon unter besonderen Auflagen seitens der Kreisverwaltung statt. So mussten Hinweisschilder zum Thema Hygiene und „Hände schütteln“ aufgestellt werden, und jeder Besucher musste sich in einer Liste eintragen. Doch die Veranstaltung konnte wie geplant über die Bühne gebracht werden. Kurz vor Mitternacht kam dann der Anruf seitens der Stadtverwaltung, dass sich die behördlichen Auflagen geändert hätten und ab sofort keine Veranstaltungen mehr stattfinden dürften. Somit musste die für den Folgetag geplante Multivisionsshow „Wildes Namibia“ mit Bernd Wasiolka ausfallen, für die es aber auch schon einen Ausweichtermin am 20. September gibt.

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Wie sehr treffen die Auswirkungen des Kontaktverbots das Kultur-Haus Zach?

Noppenberger Die eingeleiteten Schutzmaßnahmen sind absolut richtig, denn der Schutz der Gesundheit geht vor. Dennoch haben die Auflagen und das Veranstaltungsverbot massive Auswirkungen auf Veranstalter und Kulturtreibende, so auch auf den Trägerverein. Die Kosten für den Erhalt und die Bewirtschaftung des Kultur-Hauses laufen weiter, obwohl derzeit keine Einnahmen zufließen. Somit trifft dies den Trägerverein hart. Derzeit sind zwar viele Soforthilfemaßnahmen seitens der Politik auf den Weg gebracht worden, aber gemeinnützige Vereine ohne bezahlte Mitarbeiter, die dennoch laufende Kosten und Einnahmeausfälle verkraften müssen, sind bisher nicht wirklich bedacht worden und passen nicht so recht auf die bisher eingeleiteten Maßnahmen. Daher wäre es wünschenswert, wenn seitens der Politik entsprechende Unterstützungspakete installiert werden, damit gerade die Kultur auf Vereinsbasis und Ehrenamt durch die Krise nicht wegbricht.

Welche anderen Veranstalter sind denn auch noch davon betroffen?

Noppenberger Letztlich trifft es jeden Kulturverein, der derzeit eine Aktion, ein Konzert oder eine Aufführung geplant hat, um Einnahmen für die Vereinskasse zu erzielen. So musste beispielsweise der Theaterverein „Der Wipperwagen“ sein Gastspiel Ende März im Westdeutschen Tourneetheater in Remscheid absagen. Zwei Schlosskonzerte sind ebenfalls betroffen, und auch die Musikschule Hückeswagen kann nicht wie gewohnt den Unterricht und die musikalischen Angebote anbieten und muss auf Online-Unterricht umsteigen. Auch hier wirken sich die geltenden Maßnahmen finanziell aus.

Können die Veranstalter diese Zeit problemlos überstehen?

Noppenberger Natürlich lassen sich Konzerte, Theateraufführungen oder Feste verschieben, aber die vollen Einnahmeausfälle wird man meiner Ansicht nach damit sicher nicht ausgleichen können. In vielen Fällen müssen nun Termine beispielsweise im Herbst genutzt werden, die eigentlich für andere Aktionen vorgesehen waren. Andere Veranstaltungen fallen gänzlich aus, und somit sind diese Einnahmen definitiv weg. Aber es geht an dieser Stelle nicht nur um die Einnahmen, das gesamte Vereinsleben leidet massiv. Es gibt keine Proben, man trifft sich nicht mehr gemeinsam, auch viele Planungen geraten ins Stocken. Daher denke ich, dass es für den einen oder anderen Veranstalter und Verein Einschnitte geben wird und insbesondere geplante Ausgaben nach hinten geschoben oder ganz gestrichen werden müssen, was sich eventuell auch auf die zukünftige Programmplanung auswirken kann. Daher hoffen wir sehr, dass die Schutzmaßnahmen nicht noch Monate anhalten und bald Klarheit darüber besteht, wie die Maßnahmen schrittweise zurückgenommen werden.

Bespricht man im Stadtkulturverband schon die Zeit nach Corona?

Noppenberger Aktuell noch nicht. Da die Rahmendaten derzeit noch völlig unklar sind, kann man nur spekulieren. Für viele Vereine ist es erst einmal wichtig zu erfahren, wie die Kontaktsperren aufgehoben werden und ob weiterhin ein Mindestabstand gilt, denn davon ist die Wiederaufnahme des Probenbetriebs abhängig, um dann Konzerte und Aufführungen zu terminieren. Ich denke, dass dies dann auch sehr individuell in jedem Mitgliedsverein geregelt wird.

Wie lange, glauben Sie, wird es in diesem Jahr keine Kulturveranstaltungen in Hückeswagen geben?

Noppenberger Ich hoffe, dass bereits im Mai/Juni, spätestens aber ab Herbst erste Veranstaltungen wieder laufen können, sicherlich aber mit Auflagen und einer eventuellen Reduzierung der Besucherkapazität. Für größere Feste und Open-Air-Veranstaltungen, bei denen man die Besucher nicht nachverfolgen kann, sehe ich aktuell kaum eine Chance, dass diese in diesem Jahr noch stattfinden.

Wie sehr trifft es Sie persönlich, dass kulturell gerade nichts los ist?

Noppenberger Dass man derzeit auf viele kulturelle Angebote verzichten muss, trifft mich sehr, denn Kultur verbindet und hält an vielen Stellen unsere Gesellschaft zusammen. Daher ist es klasse, dass aktuell neue kulturelle Möglichkeiten gefunden werden, wie Online-Konzerte oder das gemeinsame „Balkonsingen“. Kultur bedeutet auch Gemeinschaft und gemeinsames Erleben – und das bleibt derzeit auf der Strecke. Daher hoffe ich ganz fest, dass wir die Situation so schnell wie möglich überstehen und wir bald wieder in die Normalität übergehen können.