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"Der Stier": Thomas Hesse und Renate Wirth mit neuem Niederrhein-Krimi

Neuer Krimi vom Niederrhein : So geht Rache auf niederrheinisch

„Das regeln wir selbst“, sagen betrogene Niederrheiner und geraten in einen turbulenten Entführungsfall. In ihrem neuen Krimi „Der Stier“ haben Renate Wirth und Thomas Hesse kleine und große Katastrophen versammelt.

In manchen Geschichten folgt die Fiktion der Realität, die Autoren verarbeiten. Umgekehrt ist es die Ausnahme, wenn aus Fiktion Realität wird. Das haben jetzt die Niederrhein-Autoren Renate Wirth und Thomas Hesse erlebt. Ihr 13. regionaler Kriminalroman namens „Der Stier“ beginnt mit einem großen Knall, nämlich der Sprengung eines Geldautomaten im linksrheinischen Dorf Büderich, das zu Wesel gehört. Die fiktionale Fantasie des Duos wurde genau in der Erscheinungswoche des Buches von der Realität überholt. Der große Knall zerriss tatsächlich in Büderich einen Geldautomatenraum, die Täter hatten es vergeblich rumsen lassen und blieben ohne Beute.

Gottseidank lehnte auch kein Toter wie im Krimi an der Wand der Bank. Diese Mordtat blieb der Dramatik wegen dem Autorenduo vorbehalten und macht das neue Werk besonders spannend. Und mit amüsanter Note auch dank des neuen Staatsanwalts Aaron Nilsson sehr unterhaltsam.

Wobei sich Hesse/Wirth mit der Grundidee ihres Romans stark an der Realität orientieren. Auf der Suche nach einem Thema fiel ihnen die lange Serie am Niederrhein und darüber hinaus ins Auge. „Unbekannte Räuber aus den Niederlanden sprengten mit professionellen Methoden und in rasantem Tempo Geldautomaten, flüchteten in PS-starken Autos. Sie achteten darauf, dass niemand zu Schaden kam“, erzählt Renate Wirth.

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Für den neuen Regionalkrimi, der die bekannte Reihe mit den Tiertiteln fortsetzt, dachten die Autoren weiter und ersannen eine ganz andere Geschichte mit typisch niederrheinischem Personal und einem Toten. Darin werden betrogene Opfer zu Tätern, oder bringen sie nur auf hintersinnige bis komische Art die Realität wieder ins Lot? Gibt es gar ein gerechtes Verbrechen?

„Das regeln wir selbst: So geht Rache auf niederrheinisch, das ist der Blickwinkel der Geschichte. Der eröffnet viele Aspekte“, sagt Thomas Hesse. Zwei Ehepaare und eine umtriebige Großmutter werden um ihre schwarz angesparte Rente erleichtert. Sie sinnen auf Rache und lochen den Betrüger ein. Aber die Amateur-Entführer geraten von einer Katastrophe in die nächste, bis Ommas zickige Enkelin auf den verbrecherischen Trick kommt. Doch plötzlich geht es härter zu, eine Gruppe Geldautomatensprenger und eine Leiche sorgen für Probleme – und rufen das K1 um Kultkommissarin Karin Krafft auf den Plan.

Hesse/Wirth treiben die Geschichte mal temporeich, mal mit überraschenden Wendungen voran. Lange haben sie an einem verblüffenden Ausgang getüftelt, er erstaunt am Ende wirklich. Sprachwitz und liebevolle bis bissige Anspielungen auf die Eigenarten der Niederrheiner und ihrer niederländischen Nachbarn verpassen dem Roman eine besondere Note. In ihren Krimi-Jahren seit 2005, als die Zusammenarbeit begann, haben sie gelernt, wie sorgfältig und schlüssig das Personal charakterisiert werden muss. Leserinnen und Leser mögen starke Figuren, die sich entwickeln, wie die vom K 1 in Wesel.

Chefin Karin Krafft und ihr ewiger Assistent Nikolas Burmeester sind Publikumslieblinge geworden, die sich von Buch zu Buch fortentwickeln. Neu ist Aaron Nilsson, ein Typ wie er im Buche steht. Wie der hünenhafte Nordmann, ein gebürtiger Isländer, am Niederrhein mitmischt, ist lesenswert.

Dem Mann, der wegen seines dichtgewebten Haarschopfes „Mütze“ genannt wird, schreiben Hesse/Wirth noch viele Entwicklungsmöglichkeiten zu. Wenn man sie darüber erzählen hört, ahnt man: Bald drängt es sie dazu, sich wieder schreiberisch in die Welt der Kriminalgeschichten zu versenken. Arbeitstitel: „Nr.14“.

Thomas Hesse / Renate Wirth: „Der Stier“, Emons Verlag 2021, ISBN 978-3-7408-1127-3, 288 Seiten, 13 Euro. Auch als E-Book erhältlich.

(RP)