Wesel: Arbeiten am Weltkulturerbe

Wesel: Arbeiten am Weltkulturerbe

Ansgar Schlei ist Organist am Weseler Dom. Sein Instrument ist kürzlich von der Unesco auf den Thron gehoben worden. Zu Weihnachten ist die Weseler Marcussen-Orgel so gefragt wie sonst nie - dann wollen alle die Weihnachtshits hören.

Der Arbeitsplatz ist der gleiche, und doch wurde er jetzt noch einmal von höherer Stelle aufgewertet: Der Weseler Domorganist Ansgar Schlei arbeitet nämlich seit wenigen Wochen offiziell an einem Instrument, das Weltkulturerbe ist. In der Advents- und Weihnachtszeit ist die Orgelmusik ohnehin so gefragt wie sonst nie im Jahr. Dass die Unesco nun die "Königin der Instrumente" zum immateriellen Weltkulturerbe macht, steigert noch einmal die Aufmerksamkeit für die Orgel, sagt Schlei. "Die Auszeichnung hat ganz sicher das Bewusstsein für die Orgel noch einmal neu geweckt." Er habe sich über den Titel sehr gefreut - und leicht habe seine Freude nur geschmälert, dass mit der Orgel auch die Pizza zum Weltkulturerbe wurde, sagt der Kirchenmusiker schmunzelnd.

Die Orgel, der Orgelbau und die Orgelmusik wurden vor mehr als 2000 Jahren im hellenistischen Ägypten erfunden und gelangten über Byzanz ins Frankenreich. Schleis Arbeitsplatz im Weseler Willibrordi-Dom ist die Marcussen-Orgel, benannt nach ihrem dänischen Erbauer. Seit zwölf Jahren spielt Schlei dieses Instrument, der als 27-Jähriger den Job des Domorganisten übernahm. Seitdem hat er all die Raffinessen und Tücken seiner Orgel kennengelernt. Vor allem aber hat er erlernt, zu welchen Zeiten er die Weseler Besucher mit welcher Musik erfreuen kann. Zur Weihnachtszeit sind es die Klassiker, die die Besucher hören wollen. "Ich muss ,O du fröhliche' spielen, sonst gehen die Menschen nicht aus der Kirche", sagt Schlei. In der Adventszeit dürfe auch "Macht hoch die Tür" und "Tochter Zion" nicht fehlen. Das von Luther geschriebene "Vom Himmel hoch" werde von Protestanten wie Katholiken gerne gesungen.

Die Adventszeit ist für Schlei kirchenmusikalisch eine der wichtigsten Zeiten. Ihre Musik setze Emotionen aus frühester Kindheit frei. Während viele Menschen im Alltag des restlichen Jahres so gar nicht an Konventionen gebunden sind, wollten sie doch zur Advents- und Weihnachtszeit immer wieder Altbekanntes hören. "Man muss als Organist darauf achten, die Musik nicht zur Routine verkommen zu lassen." Der Lohn für ihn sei, dass die Menschen durch die Orgel bewegt werden. "Es ist schön zu spüren, dass da was mit den Menschen passiert." Während an Heiligabend kirchenmusikalisch im Dom alles seinen gewohnten Gang gehen muss, seien die Gottesdienstbesucher an den anderen beiden Festtagen durchaus zu Experimenten bereit.

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Seit 2000 steht die Marcussen-Orgel im Weseler Dom. Direkt und klar sei ihr Klang, schlank und barock bis sinfonisch-romantisch kann sie klingen, sagt Schlei. Die Orgel sei für den großen Kirchenraum gebaut. Gelegentlich treten technische Störungen auf, aber die könne man beheben. Die Orgel ist großen Temperaturschwankungen ausgesetzt. "Wärmer als 16 Grad Celsius bekommen wir den Kirchenraum hier im Winter nicht." Schlei selbst hat Heizstrahler, die ihn beim Spiel im Rücken wärmen. Den Blick zum Pfarrer hält er über einen kleinen Fernseher.

Die Kirchenmusik ist in der evangelischen Kirche ein integraler Bestandteil des Gottesdienst - wie der Pfarrer gestaltet der Kirchenmusiker den Gottesdienst mit. "Das ist kein klassischer Beruf, man hat als Kirchenmusiker den spirituellen Auftrag, den Glauben zu verbreiten." Das ist Schlei wichtig, der ebenso betont, dass außerhalb der Gottesdienste auch klassische weltliche Musik an der Orgel gespielt wird. "So erreichen wir auch ein eigentlich kirchenfernes Publikum und halten die Verbindung zum Weseler Dom aufrecht."

Am Heiligabend wird Ansgar Schlei sie wieder alle glücklich machen. Er wird natürlich "O du fröhliche" spielen, und irgendwann wird sich auch wieder der kleine Stern oben an der Orgel drehen. "Auf diesen Moment warten viele in der Gemeinde. Wenn ich das nicht mache, habe ich ein Problem." Schlei wird den Wunsch erfüllen. Er weiß, was die Besucher vom Kirchenmusiker verlangen.

(RP)