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Serie Meine Lieblingsorgel - die Orgel der Düsseldorfer Johanneskirche

Serie Meine Lieblingsorgel (2/4) : Die Liebe zu einer großen Dame

Die Beckerath-Orgel in der Johanneskirche ist eines der großen Instrumente der Stadt. Susanne Hiekel, Kantorin in Kaiserswerth, würdigt sie.

An die Orgel in der Johanneskirche habe ich schon als Jugendliche mein Herz verloren. Als Chorsängerin in der Johanneskantorei unter Almut Rößler erschloss sich mir eine neue Klangwelt, erweiterte sich mein geistiger und geistlicher Horizont. Die kurzen wöchentlichen Konzerte, die Reihe der Orgelmusik zum Wochenende, an die sich häufig der Genuss eines Glas Wassers oder Weins in Gemeinschaft mit den Organisten oder gar den Komponisten des Werks anschlossen, entwickelten in mir die Leidenschaft für dieses Instrument, das den großen Kirchenraum klanglich und auch optisch prägt.

1954 mit 65 Registern und vier Manualen erbaut wurde sie von Rudolf von Beckerath, dem Firmengründer der weltweit agierenden Hamburger Orgelbaufirma, und Gerhard Schwarz, dem ersten Organisten nach dem Zweiten Weltkrieg, und als eine norddeutsche Orgel mit modernen Klangfarben konzipiert. Als Obertonregister gibt es etwa Septime und None, die besonders beim Improvisieren und in der modernen Orgelmusik wertvoll sind. Der majestätisch strahlende, zugleich warme Klang des Plenums – die beiden 32-Füße Prinzipal und Posaune im Pedal unterstützen diese Erhabenheit – und die vielfarbigen Soloregister, samtigen Flöten, weichen und auch knorrigen Zungenregister lassen die Orgel zu einem sehr vielseitig einsetzbaren Instrument werden.

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Mich persönlich berührte ihr Orgelklang ganz besonders bei einem Konzert mit dem Satz „Le Combat de la Mort et de la Vie“ (Der Kampf zwischen Leben und Tod) aus dem Orgelzyklus „Les Corps Glorieux“ von Olivier Messiaen, den ich sogar persönlich in der Johanneskirche erleben durfte. Ich war so tief beeindruckt, wie man mit dem Orgelklang die Höhen und Tiefen des Lebens, den Kampf des Lebens mit dem Tod und dann die bleibende Zuversicht der göttlichen Liebe ausdrücken kann, dass ich das Stück unbedingt selbst spielen können wollte.

 Kantorin Susanne Hiekel ist Organistin der evangelischen Kirchengemeinde Kaiserswerth.
Kantorin Susanne Hiekel ist Organistin der evangelischen Kirchengemeinde Kaiserswerth. Foto: Slyzz Hertel

Ihrer Modernität blieb die Beckerath-Orgel auch in späteren Jahren treu. 2001 wurde die Orgel überholt und um zahlreiche elektronische Koppelmöglichkeiten, eine Setzeranlage sowie einen Midi-Anschluss mit Synthesizer ergänzt. Seit 2011 gibt es einen elektrischen fahrbaren Spieltisch im Kirchenraum unten, sodass Kantor Wolfgang Abendroth besonders in Gottesdiensten, aber auch bei seinen zahlreichen Orgelkonzerten, etwa bei den wöchentlich mittwochs um 12.30 Uhr stattfindenden Konzerten der Lunch-Time-Orgel nicht mehr hinter dem Rückpositiv der „großen Dame“ versteckt ist.

Übrigens: Es gibt eine liebenswerte, künstlerisch wertvolle „jüngere Schwester“ meiner Lieblingsorgel in meiner direkten beruflich-musikalischen Nachbarschaft: 1976 wurde die Beckerath-Orgel in der St.-Suitbertus-Basilika Kaiserswerth eingeweiht, als letztes Werk des Firmengründers.